Über Abstraktionsgrade
> es gibt keine Operation (=Handlungen, Kommunikationen), die vom operierenden (= handelnden, kommunikativen) Element in einer realen Systemanalyse loslösbar sind.
Doch. Allerdings bedarf es einer gewissen geistigen Reife, um solch abstrakte Vorgänge verstehen und ausführen zu können.
Für die Operation "2 + 3" beispielsweise nutzen kleine Kinder in der Regel anfangs ihre Finger oder andere Gegenstände, weil sie diese mathematische Operation eben noch nicht losgelöst von Elementen begreifen.
> Damit das Element operieren (handeln, kommunizieren) kann, muss ihm das Potential (die Möglichkeit, Passiva) von außen verliehen werden.
Nein. Das "Element" kann das Potential auch von Anfang an in sich tragen. Ein Baby beispielsweise kann ab dem ersten Atemzug schreien, d.h. kommunizieren.
Und eine reife Kastanie besitzt selbstverständlich das Potential, sich zu einem Baum zu entwickeln - ganz egal, ob sie dieses Potential dann tatsächlich auch zu nutzen vermag.
> Denn Luhmann simuliert sich dadurch, dass er die Elemente wegradiert, ein System, welches Beziehungen (Relationen) durch Operationen (Akte, Handlungen, Kommunikationen) herstellen kann, ohne dass es dafür vermögender Elemente bedarf.
Ja, man kann Mathematik auch ohne Murmeln betreiben und Geometrie ohne Bleistift und Papier.
Manche Software-Algorithmen (z.B. zur Audio- oder Video-Kompression) werden völlig losgelöst von der zugrundeliegenden Hardware entwickelt.
> Doch wie wir wissen ist eine Relation immer eine Beziehung zwischen zwei Elementen, nicht eine davon losgelöste Relation.
Es soll tatsächlich Erwachsene geben, die sich eine Relation "2 + 3" nicht losgelöst von den Fingern vorstellen können.
> Die Elemente in die Umwelt zu schieben und sich Beziehungen zu konstruieren, die unabhängig davon (autopietisch) existieren, ist nichts weiteres als eine Simulation.
Und?
Dann bezeichnest du halt Mathematik, Algorithmen, Theologien und weitere abstrakte Gedankenkonstrukte als "Simulation".
Wo ist da der Erkenntnisgewinn?
> ... denn schließlich ist die in Universitäten an Kreidetafeln gern verbildlichte Vorstellung von auseinanderlaufenden Linien (Relationen), die ganz ohne Elemente auskommen, um Beziehungen zwischen Elementen zu schaffen, eine trügerisch ideologische Simulation, die mit der Realität nichts mehr zu tun hat.
So ist das halt mit der Wissenschaft. Den dort üblichen Abstraktionsgrad versteht nicht jeder.
> Da ist er konsequent und erweckt durch eine Verkomplizierung dessen, was niemals kompliziert war (Siehe Definition der Relation), die Vorstellung eines vom Potential (Passiva) und Vermögen (Aktiva) der Elemente unabhängigen Systems. Eben dadurch, dass er die Elemente aus der Beziehung ausklammert.
Ja. Selbstverständlich wird es kompliziert, wenn man aus der Relation "2 + 3" die Finger ausklammert. Das dauert Monate, bis Kinder ohne auskommen...