Einfach nur ätzend

nereus, Montag, 01.06.2015, 11:06 (vor 3881 Tagen) @ Silberengel12383 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 01.06.2015, 14:14

Hallo Silberengel!

Es kam wie es kommen mußte.
Ein verbaler Schlagabtausch mutiert zum Monster-Thread, der nicht mehr bewältigt werden kann.
Daher komprimiere ich Deine Antwort auf den Anfang, auch wenn Du mir gerne unterstellen kannst/darfst, daß ich mögliche gefährliche argumentative Untiefen umschifft habe.

Du schreibst: .. als ich Dich bat, die frühpädagogischen Bildungsprogramme zu lesen, um zu erkennen, dass das demokratische und KEINE autoritären oder ideologischen Prozesse sind, die dahinter stehen - sondern Du vertraust hier ganz allein auf Deinen eigenen Verstand[sic] und somit ergo auf Dein begrenztes Wissen und subjektiven Erfahrungen und Dogmen, Bewertungen und Vorurteile ..

Ich habe ca. 28 Jahre in der DDR gelebt und lebe nun ca. 27 Jahre im gemeinsamen Deutschland. Zu Demokratie und ideologischen Prozessen kann ich Dir eine ganze Menge mitteilen.
Das bewußte Einwirken auf Kinder und Jugendliche ist eine alte Strategie „Gefügige“ zu produzieren. Wenn Du meinst, daß Pädagogik "im freien Raum“ existiert, also ohne strategische Absicht der Herrschenden, dann kann ich Dir nur tiefgehende Weltfremdheit unterstellen.
Interessant hierbei ist allerdings, daß weder die Nazis noch die Kommunisten es wagten, sich an die Kleinkinder „heranzuschleichen“. Deren Gehirnwäsche beschränkte sich auf „frische Luft, einen gesunden sportlichen Körper, Halstücher und die normierten Vorbilder“.
Du wirst hier natürlich, wie schon mehrfach von Dir erwähnt, keine Zusammenhänge sehen können – ich sehe sie sehr wohl.
Und aus diesem Grund vertraue ich eben meinem Instinkt und nicht der 127. Bildungsreform, die sich als Weltverbesserung tarnt-

„Umerzogen" und zwar in die falsche Richtung wurden wir schon vor der neuen Pädagogik.

Aha!
Das also zuvor schon mit Pädagogik „gelenkt“ wurde – nur aus Deiner Sicht in die falsche Richtung – gibst Du also zu.
Oben schreibst Du, daß es bei der neuen Pädagogik, um eine ideologiefreie „Begleitung“ geht, aber dann kannst Du einer anderen Pädagogik doch nicht ihre Lenkungsfunktion mit ideologischem Anstrich absprechen.
Diesen Widerspruch ahnend, flüchtest Du an das rettende Ufer der Wissenschaft.

Nebenbei: Es sind überwiegend mal wieder überwiegend die Kirchen und Konservativen, die uns lange kontrolliert haben, die sich hier vehement gegen Aufklärung und Aufweichung der stereotypen Rollen wehren. Seit Jahrzehnten findet ja eine Gehirnwäsche und Indoktrination/Umerziehung in der Zivilisation statt, z. B. in den Kinder- und Lehrbüchern bzgl. dem stereotypen Rollenklischee von Mann und Frau. Und Minderheiten wurde lange Zeit generell ausgegrenzt.

Wie sagte Verena Kerstan in ihrem sehenswerten Gespräch mit Prof. Voigt zum Thema Gender sinngemäß? Was heißt denn hier Ausgrenzung?
Es gab einen schwulen Außenminister, einen Berliner Oberbürgermeister, in Kultur und Sport ist es keine Besonderheit mehr und weiß der Geier noch wo sonst. Also, was soll das Geschrei?
Deine Ausgrenzungs-Theologie galt vielleicht vor 30 Jahren, aber heute ist das nicht mehr der Fall.

Aber diese Indoktrination, Manipulation und Kontrolle, die schon seit vielen Jahrzehnten ausgeübt wird, ist für Dich natürlich keine Kontrolle. Nur die bösen Sexualforscher- und pädagogen, die ein wenig mehr Freiheit fordern bei der Behandlung der Bildungsthemen, indem sie lediglich auf die Lebenswirklichkeit, die sich immer mehr Raum schafft, nur REagieren, dass sind für dich die bösen agierenden zwangssumerziehenden Kontrolleure.

Nein, hier bastelst Du Die Deine eigene böse Welt zurecht.
Ich hatte es vorher schon mehrfach erwähnt.
Früher waren die Knirpse tabu – es wurde weder hetero noch homo noch sado-maso oder sonst wie etwas erklärt oder verklärt.
IHR seid die Ersten, welche diese Zone aufbrechen wollen.
Und da ihr missionarisch unterwegs seid, ist der Begriff „Zwangsumerziehung“ völlig zu Recht im Gebrauch.

Dabei wurden Gefühlsgrenzen und Schamempfindungen in einem Jahrhunderte dauernden Verbürgerlichungsprozess diskursiv produziert und eingekörpert.

Eingekörpert?
Hättest Du die Freundlichkeit, mal Deine Begriffe ins Deutsche zu übersetzen?
Oder meinst Du Dich mit diesem Worthülsen zu behaupten, wie der Anlageberater der Sparkasse, der die zu Beratenden mit irgendwelchen Floskeln zutextet, um ein Geschäft zu machen?

Mit anderen Worten, die gleich freie Verfügung über männliche und weibliche Objekte, wie sie im Kindesalter, in primitiven Zuständen und frühhistorischen Zeiten zu beobachten ist, ist eigentlich das Ursprüngliche.

Ursprünglich ist auch die Feuerstelle vor der Höhle, das Jagen mit dem Speer und das Sammeln von Früchten und Beeren.
Was willst Du mir mit dieser Ursprünglichkeit sagen?

Denn viele Menschen machen als Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene homoerotische bzw. homosexuelle Erfahrungen. Sie kennen entsprechende Phantasien, Gefühle und Träume. Homo- und Heterosexualität sind ergo keine einander ausschließende Alternativen.

Was soll denn dieser Vortrag nun bewirken?
Willst Du mir erklären, daß ich keine Ahnung von der Vielfalt der Sexualität habe?
Ich schrieb doch schon mehrfach – jeder kann mit jeder oder jedem, wie ihm oder ihr beliebt, aber Kinder bleiben außen vor!.
Geht das nicht in Deinen Verstand?

Und warum sollte man den Kinder Diversität nicht auch durch Bilder- und Lehrbücher vermitteln dürfen? Dass hieraus eine Gefahr hervorgeht, dass nun alle „normalen“ Kinder homosexuell werden oder nicht mehr beziehungsfähig u.ä., konnte noch niemand wissenschaftlich oder empirisch begründen und ist ein Totschlagargument.

Du raffst es einfach nicht!
Wenn man 13- oder 14-jährigen die „Dinge des Lebens“ erklärt, ist das kein Problem.
Ich wehre mich aber dagegen, daß IHR schon auf Zwerge Zugriff haben wollt.

Bei der Pädagogik der sexuellen Vielfalt, auch schon in der Kita, geht es im Sinn der geschlechtsbewussten Pädagogik darum - ich wiederhole mich gerne - Kindern Freiräume zu verschaffen und ihre individuellen Interessen und Fähigkeiten jenseits von Geschlechterklischees zu fördern.

Nein, Freiräume sucht man sich selbst!
Ihr wollt auf die Kinder einwirken, also schafft ihr keine Freiräume, sondern ihr nehmt sie an die Hand und wollt sie verführen, in dem ihr, wie der nette Onkel, deren kleine Hand zum halb offenen Hosenstall führt.

Kinder haben mMn von Natur aus ein Recht auf Freiheit und eine freiheitliche Entwicklung abseits von der dogmatischen Erwachsenenwelt, welche Menschen in Rollenklischees einteilt und ideologische Tabus verhängt. Und sie haben ein Recht darauf, jenseits von Vorurteilen der Erwachsenen ggü. Randgruppen aufzuwachsen.

Kinder haben vor allem ein Recht darauf, die Welt zu entdecken, die sie entdecken wollen und nicht die Welt zu entdecken, die man ihnen wie eine Wurst vor die Nase hängt.

Akzeptanz erreicht man am ehesten, wenn man schon im Kleinkindalter ansetzt, das ist ähnlich wie mit der Ausländerdiskriminierung. Kinder die mit Kindern anderer Hautfarben in der Kita selbstverständlich und natürlich nebeneinander aufwachsen, oder vermittelt bekommen, dass die Welt bunt ist und nicht aus Rollenklischees bestehen muss, haben später diese Klischees im Gehirn auch nicht „eingebrannt" und es fällt ihnen leichter, das Leben der Vielfalt ohne Identitätsängste zu leben und Frieden zu schaffen.

Aha, ihr wollt das Eingebrannte ausbrennen und neu einbrennen oder anders codieren.
Damit beweist Du Deinen ideologischen Feldzug, von dem Du Dich andererseits doch so sehr distanzierst.
Du willst Zugriff auf die Psyche der Kleinkinder und Du willst sie umformen.
Du bist eine Missionarin, eine sehr gefährliche sogar.

Schüler sollen die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von und mit Homo-, Trans-, Inter- und Bisexuellen "kennen und reflektieren" lernen. Sie sollen verstehen, was es etwa für intersexuelle Menschen bedeutet, nicht in das bekannte Raster Frau/Mann zu passen. Sie sollen lernen, Toleranz gegenüber anderen als etwas ganz Selbstverständliches wahrzunehmen.

Sie sollen dieses, sie sollen jenes und sie sollen sich auf Kleinigkeiten (Minderheiten) konzentrieren, damit sie das Wesentliche (Mehrheiten) aus dem Blick verlieren.
Und dann sollen sie sich mit etwas beschäftigen, was sie mit 6 oder 7 definitiv nicht interessiert, zumindest nicht in der intensiven Form, wie es später gelebt wird.
Es ist die komplette Umerziehung des kleinen Menschen, um ihn so zu gestalten, wie die Priesterschaft das wünscht.

Das ist ähnlich wie mit den Rollenklischees von Mädchen und Jungen, welche in Kitas oder von Eltern anerzogen werden, was eine Gleichberechtigung (nicht Gleichmachung) und Emanzipation lange verhindert hat. Was einmal durch die Kindheit eingeprägt wurde, ist schwer wieder zu „dekonstruieren".

Immer wieder schlüpft Dir Deine Maurerei durch den Wortschwall.
Es muß dekonstruiert werden.

Das fängt wie bereits gesagt mit den Bilder- und Lehrbüchern an, wo ständig nur Rollenklischees abgebildet wurden. Mädchen müssen „mädchenhaft" sein und Jungen typisch „jungenhaft".

Sie müssen es nicht, aber sie sind es in der Mehrzahl.
Das ist das was Du nicht verstehen willst.
Du bläst eine berechtigte Kritik zum Umgang mit Andersliebenden zum Mega-Problem auf, das ein für alle Mal mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden muß.
Und damit es auch für immer und ewig funktioniert, willst Du an die ganz Kleinen ran.

Es geht also immer darum, diese Raster und Schubladen aufzubrechen, welche uns ein Leben lang „zu Schaffen machen" können.

Von 100 Menschen haben 95 oder 97 Deine Probleme nicht.
Daß Du auf das Mitnehmen der restlichen 5 oder 3 verweist, ehrt Dich.
Aber das jetzt 95 oder 97 sich nur noch mit den Problemen der 3 oder 5 befassen müssen und die Mehrheit als rückständig oder widernatürlich zu betiteln hat, ist eine Frechheit.

Du versuchst ständig ein Bild zu vermitteln, die Welt wie sie heute ist sei doch in Ordnung (Es gibt nur Randprobleme) und bedarf somit keiner pädagogischen Einmischung.

Doch, ich bleibe dabei.
Die Minderheiten sind weitestgehend integriert – Ausnahmen bestätigen die Regel.
Jetzt wollen aber die Minderheiten die Mehrheiten unterdrücken und ihnen ihre Weltsicht aufdrücken. Und damit das gelingt, wird umerzogen – und ich wiederhole mich – in einer Form, die nicht mal NAZIS und KOMMUNISTEN wagten.
Mag sein, daß dieser Vergleich überhaupt nicht gefällt, aber es bleibt eine Tatsache.

Das ist übrigens überhaupt kein neues Phänomen, das ist sogar sehr alt.
Nur hatte das bisher wenig mit Sexualität zu tun.
Ich vermute viel eher – und das wirst Du sicher wieder nicht verstehen – hier ein neues Einfallstor gesucht wird, um den menschlichen Geist endgültig zu knacken.

Zum anderen vertrittst Du die Ideologie der Kernfamilie als non plus ultra, wo doch gerade dort der größte Missbrauch und Gewalt stattfindet (vgl. einschlägige Polizeistatistiken). Von der Sexualpädagogik geht keine Gefahr aus, auch wenn Du diese krampfhaft mit dem lächerlichen Argument der Odenwaldschule konstruieren wolltest.

Auch wenn Du es nicht glaubst, die meisten Unfälle passieren im Straßenverkehr.
Daraus ergibt sich zwingend – gemäß Deiner Logik - daß der Straßenverkehr abgeschafft werden muß.
Die Odenwaldschule begründete sich in ihrem Selbstanspruch wie?

Die Odenwaldschule entstand in engem Zusammenhang mit der reformpädagogischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gegründet wurde sie am 14. April 1910 von Paul Geheeb.
..
Geheeb fühlte sich vom Leitsatz „Werde, der du bist“ .. des griechischen Dichters Pindar inspiriert. Demnach soll die Schule die Gemeinschaft, die Persönlichkeit und das selbstbestimmte Handeln fördern.
..
Das Konzept der Gründer war anfänglich geprägt durch die Grundsätze der Arbeitsschule, beispielsweise in der Einführung eines Kurssystems und den Verzicht auf Jahrgangsklassen. Alle Schüler sollen mitgestalten, mitbestimmen und mitverantworten können. Die Odenwaldschule ist eine freie Gemeinschaft, in der die verschiedenen Generationen unbefangen miteinander umgehen und voneinander lernen können, heißt es in der Schulordnung. Kinder und Jugendliche sollen möglichst individuelle Lernanregungen bekommen – intellektuelle, handwerklich-praktische, musisch-künstlerische. Das Lernen ist mit einer Berufsausbildung verbunden. Gelebt wird in altersgemischten Wohngruppen, den Familien, deren Oberhaupt der Lehrer ist und die jedes Jahr neu zusammengestellt werden. Zu den weiteren Merkmalen des pädagogischen Konzepts der Schule gehörte – lange vor dem Aufkommen der antiautoritären Erziehung – das Duzen der Lehrer.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Odenwaldschule

1999 und 2010 wurde bekannt, dass zahlreiche Schüler der Odenwaldschule sexuellem Missbrauch durch ihre Lehrer ausgesetzt waren. Die besonderen Möglichkeiten für übergriffige Pädagogen legte schon Geheeb durch seine Position des „institutionalisierten Überschreitens der Schamgrenzen“. Schon zu Geheebs-Zeiten gab es Anzeichen von Missbrauchsfällen durch Erzieher. Die Briefe der Eltern an die Internatsleiter sind erhalten und wurden in einer Dissertation von 1998 ausgewertet.
Aus dieser Dissertation, die sich auf Briefe aus dem Schularchiv stützt, geht hervor, dass Paul Geheeb sexuelle Übergriffe, die ihm zur Kenntnis gebracht wurden, ignoriert oder nicht ernst genommen zu haben scheint. Weitere Untersuchungen zu der Tatsache, dass Geheeb und seine Frau das Ausmaß der Übergriffe ignorierten, stellten dann 2010 im Zusammenhang mit dem Skandal um Gerold Becker die Journalisten Andreas Späth und Menno Aden an.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Geheeb

Also, was textest Du mich mit Plattitüden zu?
Die Familie wird unter Generalverdacht gestellt und die besonderen Einrichtungen entpuppen sich als Bordelle mit pädagogischem Anspruch.

Erziehung ist aber immer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, wo Kinder und Jugendliche aber auch Erwachsene sich möglichst alle frei entfalten sollten, natürlich unter Aushandlung von Grenzen.

Nein, ihr beginnt mit dem Einreißen von Grenzen, in dem ihr Euch einfach frech und ungefragt Zutritt verschafft.

Also zum dritten Mal: sie ist eine Reflexionswissenschaft und Handlungswissenschaft. Dazu hatte ich Dir etwas verlinkt, was dazu anregen sollte, weiter zu recherchieren, um zu erkennen, dass Deine These nicht haltbar ist, dass angeblich beliebig Probleme konstruiert werden bzw. sie eine Ideologie ist. Dazu bist Du nicht bereit, weil Du dann Zugeständnisse machen und von Deiner These abrücken müsstest, die nicht mehr haltbar ist.

Und ich sage es Dir jetzt zum allerletzten Mal.
Mach Dich mit Deiner Wissenschaft vom Acker und laß bitte die Kinder in Ruhe und Frieden aufwachsen.
Gründe Deine Kommune und ziehe mit @Zara in den Regenwald oder sonst wohin und beglückt Eure Genossen und Genossinnen mit Euren wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Wenn ihr meint, ihr braucht das, dann soll es so geschehen, aber schreibt dem Rest der Welt nicht vor, wie sie zu leben haben.

Erziehungswissenschaft macht Vorschläge, wie Bildungs- und Erziehungspraxis gestaltet und verbessert werden kann. Und das hat sich in den letzten Jahrzehnten nachweislich bewährt. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass wir eine bessere Gesellschaft sind, als noch vor 60 Jahren.

Genau.
Es gibt immer mehr Analphabeten, die Lehrer werden dem Unterricht nicht mehr Herr und die Arbeitgeber beklagen die katastrophale Ausbildung durch die Schule.
Einfachste Kompetenzen werden nicht mehr beherrscht, aber dafür kann man jetzt stundenlang debattieren und das Problem wegquatschen.
Das ist freilich ziemlich pauschal, aber es ist nicht weniger pauschal als die Lüge von der widernatürlichen Familie.

Besonders die s.g. Reformpädagogik hat hier viel zur Bewusstseinsveränderung beigetragen und auch der Staat hat dadurch immer mehr Macht verloren, insbesondere im Bereich der frühkindlichen Pädagogik (vgl. Bildungsprogramme).

Jetzt wird es wirklich absurd.
Die Pädagogik ist letztlich eine staatliche Aufgabe und Du erklärst, dadurch ginge der Einfluß des Staates verloren.

Pädagogisches Handeln erschafft nicht die Menschen oder gibt ihnen ihre Persönlichkeit, sondern interveniert und begleitet die Menschen in ihrem Leben.

Was Du begleiten nennst, konterkarierst Du mit intervenieren. Intervention ist Einmischung! Dieses Prinzip liegt jeder Erziehung zugrunde.

Hierbei reduzierst Du Pädagogik auf einfache äußerliche Umgangsregeln, als ob das die gesamte Lebenswirklichkeit darstellen könnte. Und nein, es gab keine Toleranz in der Gesellschaft in der Nachkriegszeit. Auch das ist aus der Luft gegriffen.

Du phantasiert Deine Toleranz ausschließlich auf sexuelle Besonderheiten und merkst gar nicht, wie intolerant Du ansonsten bist.
Gutes Benehmen (wie ich weiter oben mit einfachen Beispielen ausführte) ist ein Teil von Toleranz – muß man das Dir wirklich erklären?

Zudem unterschlägst Du, dass diese „einfachen Regeln" überwiegend mit Autorität und Strafe durchgesetzt wurden. Moral war also ein Dogma. und kindliche Bedürfnisse waren oftmals minderwertiger als die Bedürfnisse Erwachsener.

Ja ja.
Wenn wir früher um 20 Uhr ins Bett mußten, dann fanden wir das nicht nett, aber wir haben es überlebt. Regeln funktionieren nun mal nicht ohne Autorität!
Heute partizipieren die „Zwerge“ an jeder Party bis nach Mitternacht, auch wenn sie müde sind und seit Stunden quengeln.
Und das Baby-Phone ist neben dem Smartphone und dem I-Pad unverzichtbarer Bestandteil jeder Feierlichkeit.
Ganz tolle Errungenschaften!

Doch durch Autorität, dogmatische Moral und Strafe entsteht keine Toleranz und Empathie.

Und auf ewig klappert die tibetanische Gebetsmühle!

Oder sie war deshalb „überschaubarer", weil gerade viele Probleme schlicht nicht thematisiert und unterdrückt wurden.

Bingo!
Zum ersten Mal stimme ich Dir zu. Es wurde nicht um jeden Scheiß so viel Wirbel gemacht.

Es ist ergo Unsinn, von „künstlich erzeugtem Bedarf" zu reden und Erziehung auf einfache Umgangsregeln zu reduzieren, die „man sich früher leicht aneignen konnte" und alle gesellschaftlichen Probleme zu ignorieren.

Damit hast Du Dich gerade selbst widerlegt.
Es wurde nicht so viel thematisiert und debattiert – du hast es selbst gesagt.
Das wurde aber durch die Reformer geändert und nun muß man angeblich regulierend eingreifen.
Daß aber die Thematisierer und Regulierer an ein und derselben Strippe hängen, kommt Dir nicht in den Sinn.
Für Dich ist die Vielfalt vom Himmel gefallen.
Für mich ist sie das nicht – es war die Vorstufe für den späteren Eingriff.

Es geht aber darum, dass wir soziale Probleme aufgreifen und benennen und versuchen, Lösungsmöglichkeiten zu finden und anzubieten. Hier macht die Erziehungswissenschaft didaktische und methodische Vorschläge.

Nochmals Bingo!
Ich kreiere Probleme, deren Lösung ich später feilbiete.
Geniale Geschäftsstrategie!
Wie gesagt, es geht immer um Minderheitenprobleme und niemals um Mehrheiten.

Moderne Erziehungswissenschaft lenkt nicht, sie greift vorhandene Themen auf und schlägt Methoden zur Lösung von Problemen vor. Das ist ihre legitimierte Aufgabe.
Sie versucht, vorhandene verkrustete Strukturen durch neues Bewusstsein aufzubrechen.

Wenn 5 von Hundert etwas verkrustet finden und 95 nicht, dann wird demokratisch entschieden, daß die Bedürfnisse der 5 wichtiger sind als die der 95.
Das ist schon irgendwie irre.

Sexualpädagogik bietet also Hilfen an, Menschen zu liebenden Menschen zu erziehen.

Andere Menschen zu lieben hat Jesus schon in seiner Berg-Predigt aufgefordert.

Liebende und emphatische Menschen entstehen aber nicht, indem man Körperlichkeit aus den frühkindlichen Bildungsprozessen ausschließen will, wie du es formuliert hast. Es ist angeblich irgendwie sowieso schon da, und wir brauchen es nicht beachten und sollen es möglichst verdrängen und tabuisieren.

Nein, Du schiebst mir etwas in den Mund, was ich so nicht gesagt habe.
Da soll weder etwas verdrängt noch tabuisiert werden, oder meinst Du, Mama und Papa gehen mit einem Ganz-Körper Kondom in die Wanne oder unter die Dusche?
Es gibt fast täglich Berührungspunkte in dieser Hinsicht.
Diesen weltfremden Verdrängungs-Scheiß willst Du uns doch nur einreden, damit Deine Agenda zur Entfaltung kommen kann.

Und Kinder sind angeblich asexuelle Wesen die sich mit anderen Dingen beschäftigen.

Nicht asexuell, aber lange nicht so auf die Thematik fixiert wie mit 13 oder 14.

Ich habe Dir anfangs beschrieben, dass Kontrolle und Indoktrination überwiegend von den Kirchen und bürgerlichen Konservativen ausging. Natürlich sind hier nun einige empört, wenn verkrustete Strukturen aufgeweicht werden sollen. Veränderungen zu mehr Freiheit bzw. Dekonstruktion waren immer schmerzlich und rütteln an der alten Identität.

Na also!
Du willst Die Welt nach Deinem Gusto gestalten, weil Sie Dir und Deinen Jüngern nicht gefällt, weil Du das Problem von 5 % auf die restlichen 95% überträgst.
Das ist die gleiche Taktik wie die der NSA.
Wir überwachen besser gleich alle Leute, damit wir die wenigen Probleme ggf. früher lösen können.
Einfach nur ätzend!

Anpassungsprozesse und Kooperation sind aber in einer vielfältigen und komplexen Gesellschaft, wie ich oben sagte, sehr schwierig und führen zu Konflikten, mit denen die Gesellschaft oftmals überfordert ist. Es muss also immer wieder erneut gelernt werden.
Hier bedarf es der Reflexion und primär des Thematisierens von Problemen. Früher fand hingegen Verdrängung statt.

Es reicht.
Es ist immer dasselbe Geschwurbel und nun bin ich es leid, diesen gigantischen Propaganda-Müllberg weiter nach etwas Brauchbarem zu durchwühlen.

Danke für's Gespräch.

mfG
nereus


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.