Demokratie und Cäsarismus

Taurec ⌂, München, Donnerstag, 28.05.2015, 13:10 (vor 3884 Tagen) @ Orlando13479 Views

Hallo!

Spengler meinte, dass die Demokratie zur "Geldherrschaft" führt, die
dann von starken Männern in eine Kaiserherrschaft überführt wird - so à
la Putin, obwohl die Russen die Demokratie ja übersprungen haben
[[zwinker]] - Faschismus halt. Soweit mein bescheidenes Verständnis.
@Phoenix kennt sich da besser aus.

Demokratie und Geldherrschaft sind schlechterdings identisch. Oder genauer: Die Demokratie ist das politische Instrument der Geldherrschaft.

Geldherrschaft ist: Die Vorherrschaft der wirtschaftlichen Seite des Lebens über die politische.
Dem entspricht konkret: Kreise wirtschaftlich Mächtiger, Reicher, welche mit dem Parteiensystem verflochten sind und die Richtung der Politik vorgeben: Auflösung aller Hemmnisse, die einem ungebändigten Wirtschaftsleben entegenstehen, z. B. Grenzen, aber auch der Bindungen, die dem Menschen aus vormoderner Zeit geblieben sind und der Flexibilität des Menschen für die Wirtschaft und dem Konsum entgegenstehen.
Dem entspricht abstrakt: Das Denken in Geldbegriffen. Die Dinge werden nicht mehr für sich betrachtet, hinsichtlich ihres Wertes für das Leben, sondern ökonomisch. Das fällt z. B. auf, wenn uralte kulturelle Güter hinsichtlich ihres Geldwertes beziffert werden oder wenn von den "Kosten der Zuwanderung" die Rede ist, während ganze Völkerschaften der Auflösung anheimgeführt werden.

"Echte Demokratie", wie sich das utopisch denkende, weltfremde Köpfe vorstellen, ist in der Welt unmöglich. Diese hat es zu keinem Zeitpunkt der Geschichte gegeben, weder im alten Griechenland, noch irgendwo im Abendland. Sie widerspricht einfach der Natur der Menschheit, die sich stets aus vielen Geführten und wenigen Führern zusammensetzt. Wirklich demokratisch kann es nur im Kreise natürlich gleichgeborener zugehen, die sich auf Augenhöhe begegnen. So setzten sich historische Demokratien, auf die in der Moderne gern verwiesen wird, um eine vermeintliche Historizität herzustellen, aus der Gemeinschaft freier, wehrhafter Männer desselben Standes zusammen. Das hat nichts mit der auf "Gleichheit" (eher "Unterschiedslosigkeit") nivellierten modernen Massendemokratie zu tun, die reiner Betrug ist und Souveränität, Freiheit und Wehrhaftigkeit des Einzelnen in jeder Hinsicht zu untergraben trachtet.

Die Imperatoren überführen die Geldherrschaft weniger in etwas anderes, sondern brechen mit ihr, bzw. ihren Vertretern (die i. d. R. ausgemordet werden) völlig, wenn diese sich totgelaufen hat, bzw. an ihren inneren Widersprüchen zugrundegeht. Aus der Krise des Zusammenbruchs der Geldherrschaft und Demokratie erwachsen Gewaltmenschen, welche die Wirtschaft wieder der politischen Seite des Lebens unterordnen. Die politische Seite wird ausgemacht durch: das bloße Machtstreben der Cäsaren, die herrschen und die Welt nach ihrem Bilde formen wollen. Wie dieses Bild aussieht, hängt allein von der inneren Verfassung der Gewaltmenschen ab, die ihre Auffassung des Lebens zum Leben der ganzen Welt machen wollen. Utopische Ideologien haben hier nichts zu melden. Vielmehr herrscht Pragmatismus vor und Ortientierung an den Tatsachen. Wer sich nicht behaupten kann, wird schnell von einem anderen Imperator abgelöst oder fristet ein Dasein als Marionette anderer, den eigentlichen Imperatoren.
Für die Masse ändert sich wenig mehr als die Laufrichtung. Sie gewinnt nicht ihre verlorene Kultur wieder. Statt dessen weitere fellachoide Versumpfung in den Weltstädten und Streben nach dem persönlichen, schäbigen wirtschaftlichen Vorteil. Die Wahlen hören auf oder werden nur noch pro forma durchgeführt (wie bereits jetzt). Die Propaganda wird sich weg von linken, zersetzenden Ideologien hin zu Propaganda für Kaiser, Reich, Blut und Boden entwickeln, weil die Cäsaren bestrebt sein werden, der zerfallenden Zivilisation eine Klammer zu geben, die Dauer verspricht. Daher wird es eine gewisse Renaissance traditioneller Werte und Vorstellungen geben, die eher der menschlichen Natur entsprechen. Hinzu kommt die "zweite Religiosität", weil der im Menschen zu allen Zeiten gegenwärtige Bedarf nach metaphysischer Verwurzelung zu ritualisierten und gemeinschaftsorientierten religiösen Praktiken führt, nachdem das Zeitalter des Rationalismus, das mit der Aufklärung begann und parallel zu Demokratie, Geld und Technik verlief, die Kirchen geleert und die Vereinzelung des Menschen gebracht hat (sog. Emanzipation des Individuums). Im übrigen bleiben weitere Surrogate für echtes, vorzivilisatorisches Gemeinschaftsleben erhalten: Brot und Spiele, von staatswegen organisierte Gemeinschaftserlebnisse ("Hitlerjugend").

Frankreich zwischen der Revolution und Napoleon sowie das Deutsche Reich zwischen Ende des ersten Weltkriegs und Hitler haben exemplarisch im Schnelldurchlauf durchexerziert, was das ganze Abendland im Ablauf zweier bis dreier Jahrhunderte durchmacht. Revolution hin zu Geldherrschaft und Demokratie, am Ende frißt die Revolution ihre Kinder und Imperatoren stützen die verbliebenen Ruinen der Gesellschaft ab.

Soviel zu Spengler im Schnelldurchlauf. Inwiefern das auf unsere Zivilisation zutrifft, bzw. wie der Übergang zur Imperatur in unserem Falle ablaufen soll, ist durchaus strittig. Nicht zuletzt sind unsere globale Dimension und Hochtechnologie in Verbindung mit Überbevölkerung historisch einzigartig. Mir ist schleierhaft, wie hier eine Cäsur stattinden soll, ohne daß zugleich ein Großteil der Bevölkerung verhungert und die Weltstädte als entvölkerte, überwucherte Wüsten zurückbleiben, während sich zwischen ihnen die Restbevölkerung tummelt.

Gruß
Taurec

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„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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