von Toleranz und Selbstverwirklichung

nereus, Freitag, 29.05.2015, 10:25 (vor 3883 Tagen) @ Silberengel12660 Views

Hallo Silberengel!

Du schreibst zum künstlich erzeugten Bedarf: Das scheint nur so. .. Das System der Wissenschaft begründet sich an der Wahrheit, jedoch das System der sozialen Arbeit sowie der Profession orientieren sich an der Wirksamkeit und Effizienz ihrer Arbeit.
Gegenstand sozialer Arbeit ist nach Staub-Bernasconi das „soziale Problem“. Für sie ist „das Problem“ der Zustand, nach dem Menschen suchen um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Damit ist der Zustand gemeint, indem ein Mensch sich befindet, wenn er nicht weiß, wie er seine Begierden befriedigen und seine Ressourcen richtig ausschöpfen soll.

Genau! Wir formulieren ein Problem und schlagen dann die Lösung dieses Problems vor.
Da wird überhaupt nicht hinterfragt, ob es dieses Problem tatsächlich gibt oder, falls es existiert, vernachlässigbar wäre.

Um Bedürfnisse zu befriedigen, brauchen die Menschen einander. Die persönlichen Wünsche kennen fast keine Grenzen.

Ja, ich würde gerne ohne Hilfsmittel fliegen können. Geht aber nicht und ich muß mit diesem Problem bis heute leben.

Das soziale System jedoch besitzt nur eine begrenzte Fähigkeit die Bedürfnisse des Einzelnen umzusetzen. Die Befriedigung aller Begierden ist somit kaum realisierbar und von Machtstrukturen abhängig.

Es wird auch bei der Unrealisierbarkeit bleiben. So ist nun mal das Leben!

Diese Hindernisse stellen das soziale Problem als Gegenstand der sozialen Arbeit dar.

Wie ich schon sagte. Wir formulieren oder schaffen ein Problem und schlagen die Lösung dieses Problems vor.
So wie der internationale Terror ein künstliche geschaffenes Konstrukt der Geheimdienste ist, um die Menschheit nach Bedarf zu lenken.
Wenn Du dann wieder fragst, was das Eine mit dem Anderen zu tun haben soll, kann ich die nur hoffnungslose Naivität attestieren.

Beschrieben am Beispiel Mensch sind wir Mitglieder einer sozialen Gesellschaft mit Bedürfnissen, Trieben, Emotionen und Empfindungen, die uns zu Verhalten motivieren, unsere Wünsche zu befriedigen. Um diesen Bedürfnissen nachzugehen, müssen Menschen auf der Suche nach Lösungen im sozialen System kooperieren oder Konflikte eingehen Das bedeutet, dass sich der Mensch sich entweder am Ganzen anpassen muss oder gegen die gesellschaftliche Normstruktur handelt.

Ja, Anpassung ist das Schlüsselwort zum Überleben.

Welcher Bedarf wird hier nun künstlich erzeugt?

Siehe oben.
Du verbreitest zunächst Allgemeinplätze, um daraus ein neues Arbeitsfeld zu generieren, dessen Bewältigung ZUM LEBEN gehört.
Ich bleibe dabei, Du willst ein Problem in die Welt setzen um es dann bearbeiten zu können.

Zudem verkennst Du unsere heutige teilweise emotional verkümmerte und „charakterlich verpanzerte" Gesellschaft aus jener Generation stammend, weil alles sexuelle pfui war oder irgendwie beschämend.

Tut mir leid.
Auch wenn Du alles wohlbekömmlich dosierst und die Mitleser zu Respektsbekundungen nötigst, unterm Strich betreibst Du Propaganda und ich fürchte inzwischen, Du merkst das noch nicht einmal.

Du unterstellst der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit ein Problem, das es so nicht gibt.
Du schwafelst von charakterlicher Verpanzertheit, wenn Mama und Papa sich weigern dem sechsjährigen Zwerg das „Fickspielzeug“ zu zumuten, weil sie meinen das sei noch zu früh.
Du weißt es aber besser.
Gegen diesen instinktiven Schutz der Eltern fährst Du Studien auf, die fast nur Belangloses von sich geben.
Den Beweis, das dieses Problem tatsächlich existiert, kannst Du nicht führen.
Du findest auch Gründe für die Behauptung bleibst aber auch hier den Beweis schuldig und verlierst Dich im allgemeinen Palaver.

Diese ganze Methodik erinnert mich an das Unwesen der Unternehmensberater, die auch Dinge in die Welt setzen, die sie z.T. frei erfunden hatten um ein Problem zu formulieren, mit dessen Beseitigung sie später fette Kohle machten.
Das Verdienst-Argument unterstelle ich Dir aber nicht, bei Dir ist eher eine Mission.

Durch präventive Information und Aufklärung, durch Förderung von Kompetenzen und Eigenschaften sollen Menschen ja befähigt werden, eigen- wie auch partnerverantwortlich ihre individuelle Sexualität zu entdecken, zu entwickeln und zu leben.
Zudem sollen vor allem aber auch die Beziehungen zwischen den Menschen thematisiert werden sowie ethische und moralische Komponenten in die Arbeit einbezogen werden.

Tut mir schon wieder leid. Es bleibt Palaver.
Das ist Orwell-Sprech, den ich sehr gut aus anderen Themenkreisen kenne, wenn man die Kundschaft im Netz haben will.

Das wurde bei vielen versäumt, und wurde/wird auch aus dem Elternhaus nicht unbedingt vermittelt.

Für die Mehrzahl ist das aber offensichtlich kein Problem.

Es wurde weder Offenheit, Akzeptanz und Toleranz unterschiedlicher Werte und Normen wie Lebensstile vermittelt –weshalb wir heute in Teilen immer noch eine feindliche und ausgrenzende Gesellschaft sind ..

Das stimmt einfach nicht!
Früher gab es einfache Regeln in der Erziehung, die man sich schnell aneignen konnte und – wer hätte das gedacht – tatsächlich tolerant waren.
Man sagte Bitte und Danke, wenn man es haben wollte.
Man grüßte die Nachbarn, auch wenn man ihnen besser aus dem Weg ging – Stichwort: friedliche Koexistenz.
Man bot älteren Leuten seinen Platz in Bus oder Bahn an.
Man versuchte pünktlich zu sein und man hielt Klauen für eine schlimme Sache.

,.. aber durch die Pädagogik sich schon einiges zum Besseren verändert hat – noch wurde Erlebensfähigkeit, Erfahrung von Körpergefühl, Gestaltung von Nähe und Zärtlichkeit, Erkennen sexueller Bedürfnisse und dessen Wertschätzung thematisiert.

Gefühle wurde sehr wohl thematisiert, aber es blieb in den häuslichen Wänden und wurde nicht auf die öffentliche Agenda gesetzt, weil Intimes intim bleiben sollte.

Nochmal: Die „Übersexualisierung", Diskriminierung von sexuellen Randgruppen etc. entstand vor der modernen Sexualpädagogik und nicht DURCH sie. Wir dürfen unsere Kinder nicht allein diesen Medien überlassen.

Die Übersexualisierung ist ein Produkt der Marktwirtschaft, die sich von sozial (also, also der Ostblock noch existierte) in unsozial generierte (als der Ostblock verschwand).
Es ist schlicht und ergreifend ein Geschäft, wie der Drogenhandel oder der Waffenexport.
Wenn Rechte geschaffen wurden, um einst Benachteiligte (vergleichbar mit Frauenrechten) gleichzustellen, dann geht das völlig in Ordnung.
Aber wenn nun gewisse Kreise meinen alles unter Kontrolle zu bringen müssen, dann begibt man sich auf einen sehr gefährlichen Weg.

Ich schrieb: Nur fiel damals noch keinem Weltverbesserer ein, die Probleme der 13-jährigen auf die Sechsjährigen herunterzubrechen.

Du antwortest: Weil das auch Unsinn ist. Das hatte ich schon begründet.

Nein, Du begründest das eben nicht konkret. Du fabulierst nur allgemeines Geschwätz.
Daher bitte ich doch nochmals klar und deutlich zu formulieren, warum nicht pupertierende Sechsjährige sich mit den Problemen der Dreizehnjährigen herum plagen sollen?

Du bleibst auch sonst seltsam diffus.
Wenn ich frage: Wo platzt denn da die Leitung und wo fallen die Horden von frustrierten Tabuisierten über das Land?
Dann antwortest Du: Augen auf.

Deine Agenda schützt Dich noch nicht einmal vor Fehlschlägen wie diesem hier:

Wenn überhaupt die Aggressivität in jeglicher Hinsicht zugenommen hat, dann hat das viel mehr mit der antiautoritären Erziehung zu tun, die meint, es gäbe keine Grenzen und der Pudels Kern läge in absoluter Selbstverwirklichung.

Deine Reaktion dazu: Na also. Und das Ziel von Sexualpädagogik ist u.a. die Selbstverwirklichung.

Du merkst noch nicht einmal auf welchem schmalen Seil Du Dich bewegst.
Wenn man Toleranz einfordert, bedeutet das automatisch Verzicht.
Toleranz und Selbstverwirklichung schließen sich aus!
Daher hatte ich weiter vorne einfache Beispiele aus der Kindheit zum Besten geben.

Aufstehen im Bus für die Oma. Die Oma freute sich, aber ich mußte stehen.
Die Indianer des Nachbarkindes hätte ich auch gern gehabt, aber da stehlen nicht erlaubt war, mußte ich Verzicht üben.
Alles total banal – aber heute werde dafür Forschungsgruppen gebildet und Steuergelder verschwendet.

Eigentlich wäre damit alles gesagt, aber ich will den Rest auch noch beantworten.

Da in anderen Kulturkreisen ein anderes Sexualbenehmen herrscht und z.T. böse Folgen hat, übergehst Du mit: Nun streust Du hier wieder neue Nebelkerzen rein.

Zum Zitat von Kirsten Heisig fällt Dir ein.
Erkenne den Zusammenhang jetzt nicht. Du konstruierst wieder etwas, was nichts mit Sexualpädagogik zu tun hat.

Unterm Strich raffst Du recht wenig.
Das man sich nicht einfach so ein Mädchen so nehmen kann, hat etwas mit Erziehung zu tun, die natürlich als verpanzert gegeißelt wird. Genau das wollte Frau Heisig beenden und wieder Grenzen setzen, die es kaum noch gab und einer Ideologie entgegentreten die eben genannten Freifahrtscheine verteilte.
Aber Du kannst natürlich keine Zusammenhänge erkennen.
Du willst die potentiellen Täter therapieren und hast keinerlei Ahnung, wohin diese Therapie führen wird.

Zum Problem Kinder-Porno-Ring schreibst Du.

Warum entsteht den Kinderpornografie? Weil es Konsumenten dafür gibt. Und warum gibt es die? Nun scharf nachdenken, was ich alles geschrieben habe.

Aha, weil die Konsumenten pädagogisch nicht korrekt betreut wurden oder wie?
Nein, ich werde auch nicht scharf denken.
Du hast hier die Bringschuld (ggf. auch mit einem lesbaren Verweis – also keine dicken Bücher bitte), denn Du willst die Welt von einer Geißel befreien und zu neuem Glück führen.

Doch das hier ist wirklich der Oberhammer!

Sexualpädagogik ist keine Herrschaftsveranstaltung sondern eine Antwort auf das System.

[[euklid]] [[euklid]] Ich sage ja, es herrscht vollständige Ahnungslosigkeit!

Stuss bezog sich auf deine Aussage, die ich so verstanden habe, dass KInder sexuell manipuliert werden, was aber wie gesagt Stuss ist. Dann war es ein Missverständnis.

Das war es nicht, weil ihr die Knirpse zu etwas nötigt, was sie ggf. nicht möchten.
Und mögliche Bedenken werden als rückständig oder unwissenschaftlich ignoriert.
Klartext: Du willst mir Deinen Willen aufzwingen und ich wehre mich dagegen!

Ich schrieb: Geht es nur um Deine Weltsicht, die überall vor unterdrückter Lust
geifernde Kerle sieht, die auf das nächste Opfer warten (weil sie zu tabusiert erzogen wurden)

Du antwortest: Wo habe ich das behauptet?

Das hattest Du nicht, aber das ergibt sich aus dem Kontext.

Meine Argumentation war viel differenzierter und umfassender.

Nein, Du waberst im Nebel von Anfang an und behauptest Dinge, Die Du nicht wirklich gut begründen kannst. Genau das ist das Problem, auf das ich permanent verweise.
Aber vielleicht wird es hier mal konkret.

Es geht nicht NUR um Kriminalität (z. B. Konsum von Kinderpornografie, wohinter auch sexuelle Entwicklungsstörungen liegen).

Und wenn die Störung genetisch codiert ist und nicht umerzogen werden kann?

Es geht wie gesagt auch um Diskriminierung, Mobbing und auch psychischer Gewalt.

Die rechtliche Gleichstellung alternativer Lebensweisen, falls erforderlich, hat zunächst nichts mit dem Eingriff in die frühkindliche Psyche zu tun.
Hier werden Dinge unzulässig miteinander vermengt!

Findest Du es nicht erstaunlich das durch das Abbauen von Barrieren die Gewalt eher zu- als abgenommen hat? Weiter oben schrieb ich schon, daß die antiautoritäre Erziehung ein kompletter Schlag ins Wasser war und viel mehr Unzufriedene (die ihre Grenzen nicht kennen !!!!) generiert hat als früher.
Will sagen, die neue Pädagogik (nicht das Erziehungs- und Bildungswesen an sich) verläuft sich im Wald, findet nicht mehr heraus und generiert ständig neue Geschäftsmodelle, die kaum jemand nützen.
Die Hilflosen werden immer mehr und es wird nicht hinterfragt, warum das so ist sondern es wird vermehrt therapiert.
Klingelt es jetzt vielleicht mal wenn man die Dinge in Zusammenhang stellt?

Es geht um Mangel, wie mangelndes Selbstbewusstsein/Selbstsicherheit und mangelndes Körpergefühl/ positives Gefühl zum eigenen Körper verbunden mit mangelnder Empathie, mangelnde Vorstellungen von gelebter Lust und Sexualität, es geht um die Reflexion eigener Unzulänglichkeiten usw. usf.

Der Problemkreis ist mir schon gegenwärtig, ich bezweifele nur, daß dieses bewußte Eingreifen und Regulieren sinnvoll sein wird.

Du verstehst das Problem als Ganzes offenbar nicht!
Wegen Einzelfällen von Pöbeleien und ggf. sogar Straftaten willst Du die Gesellschaft als Ganzes umerziehen oder glaubst Du ernsthaft Toleranz ergibt sich aufgrund geistreicher Sprüche?
Ich hatte oben erklärt, das Toleranz automatisch Verzicht bedeutet, was wiederum der Selbstverwirklichung entgegensteht.
Doch dieser Widerspruch wird vom Tisch gefegt oder bleibt gegenstandslos, weil gilt:

Das alles kann man verhindern mit der richtigen pädagogischen Begleitung, wo unsere Gesellschaft und Familien mitunter auch versagen.

Lies Dir Deine Aussage bitte nochmals durch.
Man kann alles verhindern mit der richtigen pädagogischen Begleitung.
Du weißt gar nicht in welche Abgründe Du Dich da ganz arglos hinein bewegst.

Um es abschließend nochmals klar auszuformulieren.
Ich negiere keine Probleme oder möchte ärztliche Hilfe oder mögliche Therapien in Frage stellen.
Doch wenn wieder die ganze Gesellschaft therapiert werden soll, um ein Randproblem zu bewältigen, dann sollten bei jedem kritischen beobachter alle Alarmsirenen angehen!
Dahinter steht eine ganz andere Agenda und die Helfershelfer merken noch nicht einmal in welchem Zug sie da sitzen.

mfG
nereus


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