Entzauberung
Sex möglichst nur noch zum Spaß ohne emotionale Bindung, ohne
Beziehung.
Das ist wohl das Ziel und es dürfte so manchem Nachdenkenden in den Sinn kommen, wieviel Ähnlichkeiten mit "Brave New World" von Huxley darin zu finden sind.
Meine Reflektionen über das Thema Sex haben zu der Erkenntnis geführt, dass es einerseits eine wunderbare Sache ist und die Bindung zum Partner auf einem nicht anders beschreitbaren Weg vertieft, Vertrautheit schafft und im besten Fall gegenseitig glücklich macht; andererseits erfordert dies eine gewisse mentale und emotionale Reife, um mit diesem Thema verantwortungsvoll umzugehen. Jeder dürfte sich der ersten Schritte im Bereich des sexuellen Erlebens erinnern; der Erwartungen an sich selbst, den Partner, die Ängste und den Schritt vom "unschuldigen Jugendlichen" hin zum Mann oder der Frau.
Es mag ein Meilenstein in der persönlichen Entwicklung sein, welcher den Blick auf das eigene Sein für immer verändert. Ich interpreterierte es stets so, dass dieser "aufregende Spaß" aber auch einem naturgewollten Ziel dient, nämlich neues Leben zu zeugen, etwas zu hinterlassen, worin man weiter lebt. Es mag Jahre dauern, bis man zu dieser Erkenntnis gelangt, bis man erfüllt lebt und ebenso begreift, dass man damit eigentlich seine biologische Funktion fast erfüllt hat und dann der eigene Tod kommen kann.
Gewiss mag frühe Aufklärung nützlich sein und bei behutsamen Umgang mit diesem Thema zu frühe Elternschaft verhindern, aber Kindern in derart zartem Alter mit derartigen Zusammenhängen zu behelligen, verwirrt den Geist und hinterlässt Spuren. Die Natur hat das Thema interessant gemacht, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern, und dieses Interesse am Geschlechtlichen wird irgendwann geweckt, aber man muss dazu mehr vermitteln, als was der Unterschied im Schritt zu bieten hat. Die bloße Reduktion auf den Sex erzeugt Ansichten, die meiner Meinung nach am Anfang Begierde wecken und späterhin in einer persönlichen Krise enden können.
Es ist kein erfülltes Leben, welches sich nur noch um "Shoppen und *icken" dreht; beides ist jedoch im Laufe der Jahrzehnte zu einem nicht unwesentlichen Lebensinhalt erkoren worden.
Maximierung des Besitzes, Maximierung der Lust....am Ende steht nur eines - Schmerz, Schmerz der inneren Leere und Bedeutungslosigkeit, Schmerz und Sorge über die eigene finanzielle Situation, denn alles was ohne Grenzen ist, verwischt für mein Verständnis die Auslotung der eigenen Position im eigenen Leben; ist man beispielsweise grenzenlos frei, oder fühlt man sich so, zieht die Leere ein. Das was man mit derartigen Aufklärungsaktionen den Kindern vermitteln möchte, ist der kürzeste Weg in eine selbstbestimmte Sexualität in der die Lust und Freiheit im Mittelpunkt steht.
Ich würde es damit vergleichen, das jemand seinen Hunger bei den allseits bekannten Fastfood-Ketten stillt und satt wird, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob es gesund ist, oder nicht.
Wer gesättigt ist, fragt nicht nach mehr, wer befriedigt ist, begehrt nicht auf und verändert nichts - nichtmal innerhalb seines eigenen Horizonts.
In einer Gesellschaft, in der alles Gesagte getan werden kann und alles Getane gesagt werden kann, ist wohl kein Platz mehr für echtes erlebtes Glück, aber die ewige Suche danach, bis man verzweifelt und daran zerbricht.
Eltern sollten ihre Kinder früh lehren, dass es zwei Welten gibt, eine hinter der Haustüre und eine davor und welche Unterschiede zwischen diesen beiden bestehen; es mag den Erziehungsprozess um einiges schwerer gestalten, aber ich denke das ist man den Kleinen schuldig und bewahrt sie vor einem sinnentleerten Leben, welches mittlerweile als das "new normal" angesehen wird.
Als ich noch jung war, spielten meine Klassenkameradinnen noch bis 14 mit Puppen; heute haben viele davon Kinder und es waren keine "Unfälle"; wir brauchten keine Aufklärung in der Grundschule oder im Kindergarten...jeder hatte irgendwann seine pikanten Erkenntnisse und Einsichten und es war uns genug uns darüber in reiferem Alter untereinander je nach Vertrauensstand auszutauschen oder zu fragen...alles andere wäre peinlich gewesen. Diese Geheimniskrämerei machte den Umgang mit diesem Thema spannend, regte die Phantasie und auch romantische Vorstellungen an!
Gruss, Fairlane