Das Prinzip Konservatismus und das Prinzip Liberalismus (Exoterik vs. Esoterik)

Nonpopulo, Sonntag, 31.05.2015, 17:20 (vor 3881 Tagen) @ Zarathustra12160 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 31.05.2015, 17:35

Sali Zara,

Dabei sind Kernfamilien selbst schon eine Kopfgeburt von politischen
Indoktrinationen und haben noch nie wirklich funktioniert.

Funktioniert haben auch Stammesgesellschaften ab einem bestimmten Punkt des menschlichen Forscher-, Expansions und Sicherheitsdranges nicht mehr.

Frage mich sowieso was du in einer Welt der Vergänglichkeit als funktionierend betrachten willst. Alles funktioniert - eine Weile lang.

> So ist das nunmal. Die monogame Paarungsfamilie musste mittels
[quote]obrigkeitlich organisierter Gewalt (Kirche und Staat)
widernatürlicherweise konstruiert werden, weil sich nur die
Wenigsten freiwillig in dieser Art und Weise selbst kasteien.
[/quote]

Nein monogame Paarungsfamilien gab es auch in Stammesgemeinschaften, z.B. bei den Pirahas. Nur haben die kein grosses Aufsehen darum gemacht, wenn der Partner mal gewechselt oder eine aussereheliche Beziehung geführt wurde.

> Den obrigkeitsgläubigen Konservativen ist das kirchenstaatliche
[quote]Tribut-Konstrukt der monogamen Paarungsfamilie natürlich lieber als die
ursprüngliche autarke Gemeinschaft.
[/quote]

Der Unterschied zwischen Konservatismus und Liberalismus ist von ihren Prinzipien her einfach zu skizzieren: Der Konservatismus versucht die animalische Natur durch Regeln unter Kontrolle zu bringen, da sie, wie Silberengel richtig bemerkt, im Kollektiv sehr schnell destruktiv wirken kann. Dabei geht der Konservatismus davon aus, dass die animalische Natur ein unveränderliches Lebensfaktum ist.

Der Konservatismus verfolgt also eine exoterische, nach aussen orientierte Linie.

Der Liberalismus hingegen versucht, die animalische Natur durch den Geist (Vernunft, Spiritualität, Bewusstsein, Reflexion etc.) zu beherrschen. Er sieht demzufolge die animalische Natur des Menschen als etwas durch den Geist Bezwingbares an.

Der Liberalismus verfolgt deshalb eine esoterische, nach innen gerichtete Linie.

Beide dieser Prinzipien sind in Bezug auf eine gesunde Genitalität alles andere als optimal, und doch bin ich der Ansicht (und das ist wohl auch das, was RogRog weiter oben meint), dass es gefährlicher und perverser ist, der Illusion anheimzufallen, die animalische Natur des Menschen mit dem Geist bezwingen zu können, als sich einzugestehen, dass von dieser Natur eine Macht ausgeht, der der Geist nichts anhaben kann.

Ich weiss, dass du dir sowohl das Eine als auch das Andere wegwünschst, um deine Utopie eines befreiten, genitalen Menschen verwirklicht zu sehen, aber an diesem Punkt sind wir nunmal nicht, und wir wollen trotzdem leben, zumindest die 99% unseres Wesens, die aus animalischer Natur bestehen.

Beste Grüsse Nonpopulo

P.S.: Es gibt noch einen dritten Weg, der Wilhelm Reich aufgezeigt hat. Er ist weder geistig-spirituell noch an äusseren Regeln orientiert, sondern der Weg der langsamen Befreiung der animalischen Natur aus ihrem Käfig, wodurch ihre destruktive Kraft nach und nach verschwindet. Leider ist es aufgrund der gesellschaftlichen Zensur und Ächtung sowie aufgrund des Missbrauchs durch Hippiefaschisten kein gangbarer Weg geworden, da es schlicht kaum Therapeuten und Pädagogen gibt, die selbst auf diesen Weg gefunden haben.

--
Mich widern alle Ideologien an, egal ob sie von links oder rechts kommen, sie ignorieren die Natur des Menschen. (Claude Cueni, Script Avenue)

Blue Moon Baby


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