Kindergärten sind eine moderne Form von Gemeinschaft
Man muss sich mal darauf besinnen, was ein Kindergarten eigentlich ist.
Erst mit dem Beginn des Zeitalters der Industrialisierung, in dem Menschengezwungen waren ihre Arbeitskraft an die Industrie zu verkaufen, wurde
es notwendig für den Verbleib der Kinder zu sorgen. Davor waren Kinder
einfach Bestandteil des Haushalts und es war immer jemand da, der für
sie sorgte.
Das ist richtig. Doch Kinder werden heute nicht „verwahrt", damit tust Du der Arbeit in den Kitas Unrecht, sondern sie ist eine Bildungseinrichtung. Da hat sich viel getan, besonders durch die Reformpädagogik. Um Dir ein sachliches Bild davon zu machen, solltest Du entweder in solchen Einrichtungen gearbeitet haben oder zu mindestens mal das Berliner Bildungsprogramm lesen.
Das hat mit Verwahren wenig zu tun.
Wichtig ist die liebevolle Beziehung der Pädagogen zu den Kindern, d.h. die Bedürfnisse der Kinder erkennen und ernst nehmen und die Zusammenarbeit mit den Eltern.
Ob es den Kindern zu jener Zeit also immer besser ging, als in den heutigen Kitas, wage ich zu bezweifeln. Ich habe schon in mehreren Einrichtungen gearbeitet. Den meisten Kindern geht es gut und sie entwickeln sich teilweise besser als in den Elternhäusern, wo sie nur mit Mutti oder Großeltern allein zu Hause sind (Helikoptereltern oder verwöhnende Großeltern, die Kindern jeden Wunsch von den Augen ablesen) können die Entwicklung von Kindern auch hemmen. Hier muss man differenzieren. Ein Entweder-Oder gibt es nicht.
Bei den Krippen sieht es anders aus. Hier präferiere ich bis 2 Jahre kleine Eltern-Kind-Gruppen
( z. B. Kinderladen, Elterninitiativen, Krabbelstuben oder Betreuungsangebote von Mütter- und Familienzentren)..
Was zu bemängeln ist, sind die zum Teil noch zu großen Einrichtungen und der zu niedrig angesetzte Erzieherschlüssel.
Dieses ewige „in einer Hausproduktion war alles besser", kann ich aber nicht mehr hören, zumal es falsch ist, was Du schreibst. Vor der Industrie wurden Kinder in Arbeit eingespannt („der kleine Erwachsene"). Ein „psychsoziales Moratorium" (Erikson) gab es nicht.
Bestenfalls in reichen Bürger- oder Adelsfamilien ging es den Kindern „gut" und sie hatten Bildung.
Es herrschte aber eine hohe Autorität- auch in diesen Familien.
Seit den frühen 70er Jahren - vor allem in den USA und in Skandinavien - wurde eine große Anzahl von Untersuchungen durchgeführt, um die Folgen einer außerfamilialen Betreuung zu erfassen.
In manchen Bereichen wie der emotionalen oder Persönlichkeitsentwicklung oder den Beziehungen zu den Eltern konnten bisher keine größeren Unterschiede zwischen fremdbetreuten und zu Hause erzogenen Kleinkindern ermittelt werden.
Ansonsten sind die Forschungsergebnisse am deutlichsten hinsichtlich der kognitiven Entwicklung von Kindern. Hier gibt es eine namhafte Zahl von Studien, nach denen Fremdbetreuung Kinder nicht schädigt und sogar deren Entwicklung zu fördern vermag (Clarke-Stewart in Vorb.). Unter den rund zwei Dutzend Untersuchungen waren nur ein oder zwei, nach denen sich fremdbetreute Kinder intellektuell schlechter entwickelten als solche, die zu Hause erzogen wurden.
Alle anderen Studien ergaben, dass die fremdbetreuten Kinder genauso gute oder sogar bessere Ergebnisse bei Tests über ihre kognitive Entwicklung erbrachten als Kinder, die nie fremdbetreut wurden. Sie besaßen mehr Kenntnisse, waren kreativer im Umgang mit Materialien, verfügten über mehr arithmetische Fertigkeiten (wie Zählen, Messen usw.), konnten Informationen besser behalten und akkurater wiedergeben und verwendeten einen komplexeren Sprachstil. Beispielsweise waren laut einer amerikanischen Untersuchung über zwei- bis vierjährige Kinder die fremdbetreuten Kleinkinder in ihrer Entwicklung im Durchschnitt um sechs bis neun Monate weiter als Kinder, die zu Hause betreut wurden (Clarke-Stewart 1984, 1987).
Allerdings handelt es sich hier nur um eine zeitweilige Zunahme kognitiver Fähigkeiten. Nach den Forschungsergebnissen bleibt der Vorsprung nur so lange bestehen, wie die Kinder die Tageseinrichtung besuchen.
Zu dem Zeitpunkt, zu dem sie die erste Schulklasse beenden, werden sie in der Regel von den Kindern eingeholt, die nicht fremdbetreut wurden (Clarke-Stewart in Vorb.).
Was aber unbestritten ist, dass Kinder mehr soziale Kompetenzen entwickeln als wenn sie zu Hause mit einem Elternteil allein wären. Kinder brauchen also auch Kinder.
Kinder aus Kitas sind oft sozial kompetenter, selbstbewusster, durchsetzungskräftiger und offener. Sie fühlen sich in neuen Situationen sicherer, verhalten sich weniger zaghaft und ängstlich, sind hilfsbereiter und kooperativer als Kinder, die zu Hause betreut werden !!!!
Inzwischen ist nun die Mehrzahl aller Frauen ebenfalls berufstätig
und muss in der Leistungsgesellschaft mit strampeln.
Die Lösung war also eine Einrichtung zur Verwahrung der Kinder während
der Abwesenheit der Eltern zu schaffen. Dann hat man sich Gedanken
darüber gemacht, wie man die Kinder sinnvoller Weise beschäftigt. Und dann kamen
die Kinderpädagogen, die nun den neu entstandenen sozialen Raum
betreuen.
Inzwischen wird das Kind nicht nur betreut, sondern eine ganze Zunft
entwirft nun permanent Erziehungsmodelle.
Richtig, was auch zum Vorteil der Kinder ist.(Vgl. Reformpädagogische Ansätze, die überall in den Bildungsprogrammen methodisch und als Leitlinien verankert sind).
Es geht nun nicht mehr nur darum, wie man ein sinnvolles Miteinander im
Kindergarten gestaltet und wie Kinder am besten gefördert werden, sondernman will dort den neuen verbesserten Menschen erschaffen, so wie er nach
der Vorstellung der Sozial-Pädagogen sein sollte.
Nein.
Dafür gibt es jetzt Sammelbände und Abhandlungen über psycho-sexuelle
Begleitung, die darauf abzielen, Kinder von Problemen zu befreien, die sie
nicht haben und vielleicht auch nie haben werden.
Hatte ich schon widerlegt. Auch Wiederholungen machen es nicht wahrer.
Gruß
nemo
Sonnige und vielfältige Grüße