Eine Ähnlichkeit zu Huxley kann ich aber nicht erkennen
Sex möglichst nur noch zum Spaß ohne emotionale Bindung, ohne
Beziehung.
Das ist wohl das Ziel und es dürfte so manchem Nachdenkenden in den Sinn
kommen, wieviel Ähnlichkeiten mit "Brave New World" von Huxley darin zu
finden sind.
Hallo Fairlane
Ich kann Deine Gedanken durchaus nachvollziehen, wage aber mal eine Gegenperspektive dazu darstellen, ohne hoffentlich hier im Forum nicht gleich in eine pädophile Ecke gestellt zu werden. Ich sehe das alles weniger dramatisch.
Es geht bei diesem Thema, wie ich feststellen konnte oftmals auch mehr um politische Agitation aber mitnichten um eine fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Bezeichnenderweise überwiegend von rechtskonservativen und katholisch-fundamentalistischen Kreisen. Es werden ideologische Grabenkämpfe ausgetragen und auch viel polemisiert und gezielt Hysterie verbreitet.
Eine Ähnlichkeit zu Huxley kann ich aber nicht erkennen (Ich nehme an, DU spielst auf „Indoktrinierung der Kleinkinder" an ? ).
Denn das impliziert, dass Kindern Sexualität „aufgedrängt" werden soll, sie „sexualisiert" werden sollen, was aber nicht stimmt insofern, dass Kinder von klein auf und von sich aus schon sexuelle und lustvolle Wesen sind und ihren gesamten Körper auf natürliche kindliche und spielerische Art erkunden und lustvoll erfahren wollen – Sexualität bezieht sich hier übrigens nicht nur auf die Geschlechtsorgane, wie oftmals verkürzt wird, sondern um den/die gesamten Körper (-erfahrungen).
Wir kann aber etwas „sexualisiert" werden, was es schon längst von Natur aus ist?
Es wird nur eine Offenheit hergestellt von etwas, das schon existiert und lediglich ein angemessener aufgeklärter Umgang damit angeregt.
https://www.elternimnetz.de/kinder/erziehungsfragen/entwicklung/kindlichesexualitaet.php
Das bezieht sich nicht nur auf die Genitalien, diese sind nur EIN Abschnitt des gesamten Körpers, welche aber dazu gehören und von Kindern normalerweise nicht tabuisiert werden, sondern auf den gesamten Körper.
Kinder suchen also schon von sich aus das Maximum an Lust und sinnlichen Spaß. Das ist generell erst mal nicht zu verurteilen und gehört zur gesunden psycho-sexuellen Entwicklung.
Es geht hier nur darum, wie Eltern und Erzieher auf natürliche und differenzierte Weise damit umgehen sollen und um ein ein angemessenes(!) und offenes Verhältnis zur sexuellen Entwicklung ihrer Kinder zu finden. Das hat mit (unreflektiertem) „Aufdrängen" nichts zu tun.
Sowohl die Erkundung des eigenen Körpers als auch die Selbstbefriedigung sind aus sexualerzieherischer Perspektive imho nichts abartiges.
Körperliche (also sexuelle) Fremderkundungen (z. B. Doktorspiele) sollten von Eltern mit gutem Gewissen erlaubt werden dürfen, ohne dass diese sofort glauben, im Falle einer Berührung des Analbereiches oder bei einer (harmlosen) Untersuchung der Scheide dazwischen springen zu müssen, wie durch Hetzkampagnen nahegelegt wird.
Genitalien, auch und gerade von Mädchen, dürfen sehr wohl und auch von Vätern mit Kosenamen belegt werden und sollten fortan keinesfalls ruppig gewickelt werden, um dem Vorwurf einer missbräuchlichen Vaginalberührung zu entgehen. – Es besteht nämlich ein sehr grundlegender Unterschied zwischen einer für eigene Zwecke ausnutzenden, grenzverletzenden Berührung und einer uneigennützigen, respektvollen Zärtlichkeit. Die Wahrnehmung genau dieses wichtigen Unterschiedes wird wie ich finde durch eine sexualfreundliche Aufklärung, wie sie die Broschüre „Körper, Liebe, Doktorspiele“ leistet, unterstützt. Ich sehe hier nichts verwerfliches.
Und selbstverständlich muss es hier Grenzen geben zwischen den Generationen.
( z. B. das Geschlechtsteil der Eltern zu erkunden und umgekehrt, dass Kinder beim Sex der Eltern dabei sind, u.ä. halte ich nicht für notwendig und wird auch von der Mehrheit der Eltern denke ich mal gar nicht praktiziert).
Eine „sexualfreundliche, körper- und sinnesfrohe" Erziehung von Kindern, welche Erzieher und Eltern vermitteln sollten, wird aber in Hetzkampagnen (bewusst) negativ besetzt mit „Anleitung zur Pädophilie, moralische Verwahrlosung, Sex ohne emotionale Bindung" u.ä., also Schlagwörter um die negativen Emotionen der Eltern anzusprechen und Fronten aufzubauen. Ein sachlicher Diskurs findet von vornherein erst gar nicht statt.
Dabei ist es für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig, dass sie einen positiven Bezug zu ihrem Körper entwickeln. Kindliche Sexualität (hat nichts mit der Sexualität von Erwachsenen zu tun) zu tabuisieren, zu verdrängen und negativ zu besetzen kann (muss nicht) später zu mangelnder Selbstliebe, Neurosen, sexuellen u.a. Störungen führen.
Hemmende Einflüsse auf diese gesunde psycho-sexuelle Entwicklung können vom Verhalten Erwachsener ausgehen, wenn sie z. B. sexuelle Neugier mit Schweigen und Nichtbeachtung oder mit Verboten beantworten. Wie in allen anderen Lebensbereichen auch brauchen Kinder bewusste Wahrnehmung und Anerkennung ihres Körpers und ihrer sinnlichen Bedürfnisse, die Beantwortung ihrer Fragen und das gemeinsame Gespräch zu allem, was mit Sexualität und Beziehung zusammenhängt. Also eine akzeptierende und fördernde Haltung, welche sich abgrenzt von denjenigen Kräften, die behaupten, ihr Kind durch Leugnung des Sexuellen am besten schützen zu können. Natürlich unter Beachtung der kindlichen Schamgrenzen.
Und viele Eltern und Erzieher wissen schon, wie sie mit dieser Broschüre und dem benannten Koffer umgehen. Dabei wird auch unterstellt, alle Eltern und Erzieher seien nun doof und manipulierbar, und können nicht reflektieren, was aber überhaupt nicht wahr ist.
Ich oder Bekannte ( Eltern u. Erzieherinnen) und Verwandte aus meinem Umkreis würden niemals auf die Idee kommen, mit der Broschüre eine „Anleitung für Pädophile" oder eine „Aufforderung zum sexuellen Kindesmissbrauch" in Händen zu halten.
Es findet nur ein offenerer Umgang mit dem statt, was schon da ist bei Kindern.
In einer Gesellschaft, in der alles Gesagte getan werden kann und alles
Getane gesagt werden kann, ist wohl kein Platz mehr für echtes erlebtes
Glück, aber die ewige Suche danach, bis man verzweifelt und daran
zerbricht.
Das hat irgendwie einen aufklärungsfeindlichen Hauch von Mythologisierung.
Ich sehe aber in „Glück" und Aufklärung keinen Widerspruch.
Man sollte die Kinderwelt nicht romantisieren, wie es die katholische Kirche macht (Kinder als „asexuelle Wesen"). Romantisieren in dem Sinne, dass das Schreckensszenario einer alles durchdringenden Sexualisierung der Erwachsenenwelt der Fiktion einer friedlichen und rein gehaltenen Kinderwelt entgegen gesetzt wird. Kinder sind keine anatürlichen Wesen.
Meine Reflektionen über das Thema Sex haben zu der Erkenntnis geführt,
dass es einerseits eine wunderbare Sache ist und die Bindung zum Partner
auf einem nicht anders beschreitbaren Weg vertieft, Vertrautheit schafft
und im besten Fall gegenseitig glücklich macht; andererseits erfordert
dies eine gewisse mentale und emotionale Reife, um mit diesem Thema
verantwortungsvoll umzugehen. Jeder dürfte sich der ersten Schritte im
Bereich des sexuellen Erlebens erinnern; der Erwartungen an sich selbst,
den Partner, die Ängste und den Schritt vom "unschuldigen Jugendlichen"
hin zum Mann oder der Frau.
Das wird keinesfalls durch die Broschüre verletzt. Das „Unschuldig" bezieht sich hier auf den Sexualverkehr.
Hier scheint mir folgendes Zitat aus der verlinkten Webseite sehr treffend:
„Wie in allen Bereichen des Lebens lernt das Kind von Vorbildern. Von den Eltern schaut es sich auch ab, wie sie miteinander umgehen, wo es Zärtlichkeiten im Alltag gibt. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie körperliche Nähe genießen. Nur so wird es lernen, dass seine eigenen angeborenen sexuellen Bedürfnisse etwas ganz Normales und Schönes sind. Ein liebevoller Umgang der Eltern untereinander wirkt sich positiv auf die sexuelle Entwicklung und auch auf die spätere Partnerschaft des Kindes aus."
Es mag ein Meilenstein in der persönlichen Entwicklung sein, welcher den
Blick auf das eigene Sein für immer verändert. Ich interpreterierte es
stets so, dass dieser "aufregende Spaß" aber auch einem naturgewollten
Ziel dient, nämlich neues Leben zu zeugen, etwas zu hinterlassen, worin
man weiter lebt. Es mag Jahre dauern, bis man zu dieser Erkenntnis gelangt,
bis man erfüllt lebt und ebenso begreift, dass man damit eigentlich seine
biologische Funktion fast erfüllt hat und dann der eigene Tod kommen kann.
Die Reduzierung von Sex rein auf die Fortpflanzung und die biologische Bestimmung halte ich für reduziert.
Gewiss mag frühe Aufklärung nützlich sein und bei behutsamen Umgang mit
diesem Thema zu frühe Elternschaft verhindern, aber Kindern in derart
zartem Alter mit derartigen Zusammenhängen zu behelligen, verwirrt den
Geist und hinterlässt Spuren.
Was heißt „zartes Alter"? Wie ich schon oben erläutert hatte und auch hier beschrieben wird, sollen Kinder nicht bedrängt sondern angemessen begleitet werden.
um den Fortbestand der Menschheit zu sichern, und dieses Interesse am
Geschlechtlichen wird irgendwann geweckt, aber man muss dazu mehr
vermitteln, als was der Unterschied im Schritt zu bieten hat. Die bloße
Reduktion auf den Sex erzeugt Ansichten, die meiner Meinung nach am Anfang
Begierde wecken und späterhin in einer persönlichen Krise enden können.
Das Interesse am Geschlechtlichen ist schon im Kleinkindalter da.
Es geht bei der frühkindlichen Erziehung nicht nur aber auch um den genitalen Unterschied.
Hat aber mit „Reduktion" nichts zu tun, nur weil etwas thematisiert wird, was schon da ist.
Maximierung des Besitzes, Maximierung der Lust....am Ende steht nur eines
- Schmerz, Schmerz der inneren Leere und Bedeutungslosigkeit, Schmerz und
Sorge über die eigene finanzielle Situation, denn alles was ohne Grenzen
ist, verwischt für mein Verständnis die Auslotung der eigenen Position im
eigenen Leben; ist man beispielsweise grenzenlos frei, oder fühlt man sich
so, zieht die Leere ein. Das was man mit derartigen Aufklärungsaktionen
den Kindern vermitteln möchte, ist der kürzeste Weg in eine
selbstbestimmte Sexualität in der die Lust und Freiheit im Mittelpunkt
steht.
Ich würde es damit vergleichen, das jemand seinen Hunger bei den allseits
bekannten Fastfood-Ketten stillt und satt wird, ohne sich darüber Gedanken
zu machen, ob es gesund ist, oder nicht.
Es geht dabei nicht um schnelle Befriedigung und völliges rücksichtsloses Ausleben von Sexualität. Das wird auch nicht vermittelt. Emotionale Beziehung, Zärtlichkeit und Partnerschaft ist ebenso ein Thema. Das eine schließt das andere nicht aus und Aufklärung schadet nicht.
Da wird vieles auch reininterpretiert.
Wer gesättigt ist, fragt nicht nach mehr, wer befriedigt ist, begehrt
nicht auf und verändert nichts - nichtmal innerhalb seines eigenen
Horizonts.
In einer Gesellschaft, in der alles Gesagte getan werden kann und alles
Getane gesagt werden kann, ist wohl kein Platz mehr für echtes erlebtes
Glück, aber die ewige Suche danach, bis man verzweifelt und daran
zerbricht.
Ist das nicht von Herbert Marcuse? 
Eltern sollten ihre Kinder früh lehren, dass es zwei Welten gibt, eine
hinter der Haustüre und eine davor und welche Unterschiede zwischen diesen
beiden bestehen;
Das erfahren Kinder schon sehr früh. Spätestens beim Besuch der Kita und der Schule erweitert sich ihre soziale Identität.
es mag den Erziehungsprozess um einiges schwerer
gestalten, aber ich denke das ist man den Kleinen schuldig und bewahrt sie
vor einem sinnentleerten Leben, welches mittlerweile als das "new normal"
angesehen wird.
Man sollte nicht, Sexualität, Sinn, Partnerschaft etc. auseinanderdividieren. Durch die Broschüre wird nichts herangetragen, was Kinder nicht schon von Natur aus seit dem Säuglingsalter in sich haben. AufKLÄREN heißt nicht Aufdrängen.
„Sinnentleert" ist das Leben mMn, wenn man irgend etwas isolieren, tabuisieren oder ideologisieren will. In welchen Gesellschaften war das Leben denn besser und „sinnvoller", wo nicht aufgeklärt wurde?
Gruss, Fairlane
Sonnige Grüße