Mir kommen gleich die Tränen. ;-)

Leserzuschrift, Samstag, 30.05.2015, 15:58 (vor 3882 Tagen) @ Zarathustra12616 Views

Hallo Zara,

verrate mir mal bitte welcher Trobriander von seinen Eltern und Erziehern aufgeklärt wurde. Wo sind in der von Dir so dermaßen idealisierten "Gemeinschaft" die wohlmeinenden "Begleiter" und "Reflektionsanreger"? Richtig, es gibt sie nicht. Resultat? Keine Neurosen, keine Perversionen, keine Homosexualität, dafür aber mentale und körperliche Gesundheit. Auch so ein empirischer Fakt, der nicht in die liberal-perverse Agenda passt.

Wenn Du doch nur hinter die wohlmeinende Fassade der pädagogisch korrekten Pampelmusen dieser Welt gucken könntest: Von Außen gelb, von Innen rot und zwar blutrot. Deine bei so vielen Gelegenheiten auf's Neue gezeigte hervorragende Intuition, die für mich das Gelbe Forum wenigstens noch ab und zu lesbar machen, leitet Dich hier in die Irre. Manchmal fehlt Dir einfach eine Landkarte.

@all: Ich möchte nochmal meinen Standpunkt erläutern. Sorry, wenn es so viel Text ist, aber ich verspreche, dass es sich lohnt.

Was ist die Funktion von "Begleitung" und "Reflektion", die hier von Silberengel propagiert werden? Was machen die Pädagogen von heute? Klärt Euch doch einfach über die heutige Pädagogik auf! Lest ihre Aufsätze und Bücher, schaut, was sie unterstützen, wen sie unterstützen, guckt zu, wie sie sich verhalten und, verdammt nochmal, schaut auf die Resultate dieser Pädagogik! Klärt Euch nicht über ihre gutmenschlichen Intentionen, über ihre wohlmeinenden, schönen, bunten Worte unter der Flagge der Vielfalt auf, sondern über die Wirkung ihres Denkens und Handelns!

Ich habe das im Laufe meiner Diplomarbeit im Detail gemacht.

Wen unterstützt zB Silberengel? Herbert Marcuse. Zufällig musste ich mich im Laufe meiner Diplomarbeit mit diesem widerlichen Kropf beschäftigen. Ich berichte nur mal von der Spitze des Eisbergs und beziehe mich dabei auf "Triebstruktur und Gesellschaft" (1979). Die Entwicklung zur genitalen Sexualität sei nach ihm ganz im Zara-Speak das Resultat eines "langen und grausamen Domestikationsprozesses" (S. 172). Das trifft ja sogar in den allermeisten Fällen in unserer Gesellschaft zu, nur haben wir dabei sogleich die Trobriander und ihre heterosexuelle Genitalität, die zu mentaler und körperlicher Gesundheit führt, im Kopf. Es sei auch nochmal auf die sexualwissenschaftliche und klinische Empirie hingewiesen. Marcuse unterscheidet nicht zwischen neurotischer Prägenitalität, zb phallische oder hysterische Genitalität, und gesunder Genitalität, dem Zusammenspiel von gesunder Aggression (Leidenschaft) und aktiver völliger Hingabe (Zärtlichkeit), die untrennbar!
mit Liebe verbunden ist, weil er ethnologische und medizinische Fakten, die schon zu seiner Zeit durch die Arbeit von Reich verfügbar waren, ignoriert. Genitalität ist demnach für ihn per se keine Folge einer natürlichen Entwicklung, sondern das Resultat von kulturellen Zwangsmaßnahmen.

Für ihn steht die Genitalität ganz im Sinne der offen sexualfeindlichen Katholiken im Dienste der Fortpflanzung (S. 176) und ist nur aufgrund gehemmter (sic!) Sexualität mit Zärtlichkeit bzw. Liebe verbunden (S. 172). Was möchte Marcuse? Er wünscht sich eine "repressionslose" Kultur. Wie soll es zu dieser kommen? Marcuse möchte die prägenitale "polymorphe" Sexualität reaktivieren, damit sie nicht mehr bloßer Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck wird, wie bei den "Huren, Degenerierten und Pervertierten". Dies würde zu einer Resexualisierung des Körpers, zu einer "Erotisierung der Gesamtpersönlichkeit" (S. 173) führen. Marcuses Traum ist es also, dass die Menschen ständig unbefriedigt bleiben, damit sie ihr gesamtes Leben sexualisieren. Er möchte flächendeckend Wichser. Sein Traum hat sich bereits innerhalb der 60er-Jahre erfüllt ("I can't get no satisfaction"). Nach ihm ermögliche das andere Formen zwischenmenschlicher Beziehungen und würde die zu !
seiner Zeit bestehenden gesellschaftlichen Institutionen, die sich auf der Grundlage der Repression erhalten, untergraben und letztendlich auflösen. Kurz: Er will die Sexualität politisch instrumentalisieren, zu einem revolutionären Mittel machen, um die gesellschaftlichen Institutionen zu zerstören. Individuell läuft alles auf permanente lüsterne Geilheit hinaus.

Nehmen wir als zweites Beispiel eine Koryphäe der aktuellen Pädagogik, Erziehungswissenschaft sowie Jugend- und Sozialisationsforschung, um uns dem Begriff der Reflektion anzunähern: Klaus Hurrelmann. Hurrelmann bietet sich deswegen an, weil sein Ansatz eine Kombination der wesentlichen psychologischen (Persönlichkeits- und Lerntheorien, Entwicklungspsychologie) und soziologischen (System-, Handlungs- und Gesellschaftstheorien) Theorien enthält und zu einem einzigen Ansatz integriert. Ich beziehe mich hierbei auf mehrere Bücher und Aufsätze, aber ich zitiere nur aus "Einführung in die Sozialisationstheorie" (2006).

Die "reflexive Auseinandersetzung" mit der "inneren und äußeren Umwelt" ist nach ihm der entscheidende Faktor für eine gelungene Sozialisation (S. 272), der sexuellen eingeschlossen. Bei der reflexiven Auseinandersetzung handelt es sich um die intellektuelle Verarbeitung von Umweltimpulsen durch persönliche Bewertungen und Bewältigungsstrategien. Mit Bewältigungsstrategien schätzt ein Individuum je nach angeborenem Temperament eine Bedrohung ein, überdenkt seine Fähigkeiten und bewertet seine emotionalen Reaktionen, um die Situation zu verändern und damit umzugehen.

Sexuelle Bedürfnisse seien vom Kind und Jugendlichen "realistisch wahrzunehmen" und mit der äußeren Umwelt in einem willkürlichen Prozess der Aufnahme, Einordnung, Bewertung, Interpretation, Einbeziehung in einen Vergleich, erneuter Einordnung, Bewertung und Interpretation sowohl auf der kognitiven wie auch auf der affektiven Ebene abzustimmen (S. 36). Das Ziel sei die Ursache der "Belastung" durch "Gefühlsregulierung" zurückzudrängen oder abzuschwächen oder, wenn das nicht möglich sei, sie zu tolerieren und zu ertragen (S. 56 f.). Die Gefühlsregulierung ist ein Vorgang der Reflektion, d.h. ein willkürlicher kognitiver Akt, der das Ziel hat, das Gefühl "akzeptierend" zu verstehen und über eine angemessene Reaktion nachzudenken. Das ist die Hypertrophierung des Intellekts als psychische Abwehr.

Merkt Ihr, worum es den Pädagogen bei Reflektion geht? Jeden spontanen unwillkürlichen Impuls zu drosseln, in den Kopf zu ziehen und damit unbeweglich zu machen, vor allem die sexuellen und gesunden aggressiven Impulse. Selbstverständlich immer mit den allerbesten Intentionen! Die Wirkung ist nur ganz entgegen ihrer Intentionen den Kindern ihre natürliche Lebendigkeit zu rauben. Genau das steckt hinter den fassadären Worten. Der Erziehungswissenschaftler und Familientherapeut [linkhttp://m.welt.de/debatte/kommentare/article6521441/Jungs-von-heute-verweichlicht-und-verweiblicht.html?subid=skim725X29189X3ccec3d09ff497bc438cfbdff0383f63&affmt=2&affmn=1]Wolfgang Bergmann[/link] merkt dazu an:

Kleine Männer wollen laut sein, raufen, sich beweisen und trotzdem geliebt werden. Doch dafür ist in der pädagogisch korrekten Frauenwelt von heute kaum noch Platz. Jungs werden mehr und mehr mit weiblichem Verständnis in Watte gepackt, harmonisiert und verweichlicht. Für Erzieherinnen gelte: Kaputte Gegenstände, überhaupt dieser unsensible Umgang mit der feinen Eigenart der Dinge – das ist typisch Junge. Dem müsse man mit Verboten und Ermahnungen entgegentreten, aber ganz sanft und weich mit Verständnis und freundlichen Anleitungen, die alle auf dasselbe hinauslaufen: Kreativität und soziale Kompetenz. Wenn ein Kind einen Panzer mit in den Kindergarten bringt, hören sie von der Erzieherin, daß Gewalt keine Lösung sei. Das Gleiche sagen Erzieherinnen, wenn die Kleinen ihre Kämpfe austragen, irgendwas zwischen Rangeln und Hauen. Einmal ist es ernst, ein andermal wieder nicht. Aber die Erzieherinnen können das nicht auseinanderhalten. F!
ür sie ist alles Gewalt.
Die Männlichkeit selbst wird zu einem Problem, das überwunden werden muss! In unserer sexuell homogenisierten Kultur werden Männer feminisiert und Frauen maskulinisiert, um "Egalität" und Einförmigkeit unter der bunten (heuchlerischen) Flagge der Vielfalt herzustellen.

Bei Hurrelmann läuft alles auf Gefühlsregulierung und eine in der Geschichte der Menschheit beispiellose indirekte Zerstörung der Genitalität, dessen Voraussetzung reflektionslose Unwillkürlichkeit ist, hinaus, denn die Gefühle sollen unter pausenloser aktiver "Beobachtung und Diagnose" (2006, S. 28) stehen. Das klingt doch wahrhaft buddhistisch ("Achtsamkeit")! Das ist der ganze Sinn hinter der Bildung, dem Vermitteln, der Sublimierung, ach nein... ich vergaß, der "Begleitung" und "Reflektion".

In der modernen Sexualpädagogik wird entgegen der Empirie und der klinischen Beobachtung, beruhend auf einer Unterstellung von Alfred Kinsey und der anschließend auf Druck von Homosexuellen- und Pädophilenverbänden sich langsam entwickelnden politischen Korrektheit schlicht behauptet, dass sämtliche sexuellen Praktiken gleichwertig seien. Und was ist das Argument von Silberengel? Das wären "spezielle" Fakten. Ja, mein Gott, was ist das denn für ein "Argument"? Wo sind die Fakten, die dagegen sprechen? Unter der bunten Flagge der Vielfalt wird unverantwortliche und neurotische Sexualität als Standardpraxis propagiert, während gleichzeitig die essentielle Bedeutung von verantwortlichen, angenehmen, heterosexuellen Beziehungen tabuisiert wird. Psychologen dieser Couleur kommen an Schulen und propagieren, mit so vielen unterschiedlichen Partnern wie möglich Sex zu haben sowie mit Drogen zu experimentieren, weil das normales jugendliches Verhalten sei. Homosexuelle kommen an die Schulen, um ihre Beziehungen zu diskutieren, während es nichts Vergleichbares für Heterosexuelle gibt. Die Lehrer sagen zu ihren Schülern, dass da vielleicht auch in ihnen ein Homosexueller steckt, was sie noch nicht gemerkt hätten und die Jugendtherapeuten dürfen das dann in ihren Praxen ausbaden.

Jeder bigotte Katholik mit seinen traditionellen Familienwerten ist mir lieber als die liberal-perversen und verkopften Genitalitätszerstörer! Das Resultat des Kulturmarxismus, der versteckten Überwindung der Biologie im Kindergarten und der Schule ist eine schwerere Abstumpfung von natürlichen sexuellen Gefühlen und dem Verlust des Kontaktes zu diesen Gefühlen als jemals zuvor. Die Katholiken und sonstige Konservativen sind die einzigen, die dafür einen Sinn haben, weil sie sich ein Stück weit ihr Bauchgefühl bewahrt haben, auch wenn ihre offen sexualfeindliche Haltung die Sexualität von Kindern nicht anerkennen kann.

Eine Sache noch zum Schluss: Es geht nicht darum, dass Eltern sich vollkommen aus der Erziehung heraushalten, zB einfach flüchten, wenn ihre Kinder sie mit Fragen bombardieren. Nur ein verwirrter Geist kommt auf solch abwegige Gedanken. Ich hatte geschrieben Bindung, statt Bildung, also der Kontakt der Eltern zu den Gefühlen ihrer Kinder. Wenn Eltern wirklich etwas richtig machen wollen, müssen sie den Unterschied zwischen gesunder und neurotischer Sexualität, Aggression, Angst usw. kennen und im besten Fall auch leben oder zumindest ein Bauchgefühl dafür haben. Kinder müssen darüberhinaus lernen, sich voll zurückzuhalten. Darum geht es also auch nicht. Sie müssen aber ebenso die Gelegenheit haben sich biologisch voll auszudrücken. Gerade das wird in der modernen Pädagogik pausenlos untergraben. Mit den allerbesten Intentionen.

So, jetzt fällt mir aber wirklich nichts mehr ein.

Tschüss
RogRog


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