Prioritäten

Silberengel, Donnerstag, 28.05.2015, 08:38 (vor 3884 Tagen) @ nemo13103 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 28.05.2015, 08:54

Sie werden ja unterstützt, indem es gerade NICHT verdrängt wird. Ich
werde das Gefühl nicht los, dass es eher die Scham der Erwachsenen

ist, die hier in Moral umschlägt und den Zeigefinger erheben lässt ? Oder
durch Propaganda und Hetzkampagnen produzierte Ängste.

Kinder werden also in der Entwicklung ihrer Sexualität unterstützt,
indem sie nicht verdrängt wird.
Warum sollten Kinder, die völlig andere Prioritäten haben als
Sexualität, etwas verdrängen?

Hallo

Was meinst Du mit „anderen Prioritäten" und „Sexualität"?

Wir reden wahrscheinlich aneinander vorbei.
Im Alltag verstehen viele Menschen unter Sexualität „Geschlechtsverkehr". Das kann zu Ängsten und Missverständnissen vor einer ‚Sexualisierung‘ der Kinder führen.
Es wird viel Unsinn verbreitet, z. B. wird suggeriert, dass aus Mädchen Jungen und aus Jungen Mädchen bzw. aus Heterosexuellen Homosexuelle werden sollen. Alles Unsinn, um bewusst Ängste zu schüren. Es handelt sich um eine Minderheit, die mit Parolen auf Hetzkampagne geht und Zerrbilder konstruiert.

Der Sexualitätsbegriff ist aber in der Pädagogik viel weiter gefasst, und schließt auch den Umgang mit Nacktheit, Scham, der streicheln, schmusen, küssen, Doktorspielen, den Ausdruck von Gefühlen, Freundschaft etc. mit ein. Alles Themen, die Kinder beschäftigen und nicht tabuisiert werden sollten. Das wurde früher gemacht und dementsprechend viele „Psychopathen" und „Seelenkrüppel" bzw. Menschen mit sexuellen Störungen hat die Gesellschaft ja auch hervorgebracht, gerade WEIL das Thema Körper und Sexualität immer Tabu war.

Es gibt zudem so viele Schattierungen dazwischen, wie es Individuen gibt. Alle Kinder und Jugendlichen, egal welchen Geschlechts und welcher sexuellen Orientierung, profitieren von der Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, weil sie durch den Austausch miteinander erfahren, dass Geschlechtlichkeit und Sexualität vielgestaltig sind und nicht nach einem starren Schema ablaufen müssen. Das entlastet die Jugendlichen von dem Normalitätsdruck, der in der Pubertät besonders stark ist. Das ist alles. Da werden Heteroseuelle veranlagte auch nicht schwul oder lesbisch gemacht. Alles aus der Luft gegriffen ohne empirischen Hintergrund.

Ich weiß nicht, ob Du schon mal in Kindertageseinrichtungen längere Zeit hospitiert hast.
Kinder beschäftigen sich schon seit klein auf mit ihren ganzen Körper und dem des anderen (auch gleichgeschelchtlichen), womit die Genitalien auch eingeschlossen sind. Ein ganz normaler Vorgang, welcher zu ihrer natürlichen Entwicklung gehört und von daher auch thematisiert werden muss. Die laufen im Sommer auch nackt zusammen auf der Wiese herum und planschen und spielen und berühren und betasten sich. Warum sollten dann aber z. B. in Kinderbilderbüchern alle immer nur angezogen sein oder Genitalien verdeckt sein?

Die meisten Eltern und Erzieher, die ich kenne, gehen viel lockerer mit diesem Thema um.
Andere wiederum (je nach Kultur, z. B. Islam) sind da etwas „verkrampfter".

Es gibt hier wie gesagt, keine „Prioritäten". Kitas haben einen gesamtheitlichen Bildungsauftrag, was alle relevanten Themen mit einbezieht, welche Kinder beschäftigen.
Zudem tragen die Kinder die Themen an die Erzieher heran, da wird denen also nichts aufgedrängt.


Ich kannte mal eine dreijährige, dessen Mutter schwanger war. Und das Kind war ganz neugierig und hat sich ständig ein Buch angeschaut über die Entstehung der Geburt und über die Zeugung. Da war auch alles in (echten) Bilder abgebildet von der Zeugung über die Befruchtung der Eizelle, das Heranwachsen es Fötus/Embryos bis zur Geburt. Und sie hatte tausend Fragen gestellt und andere Kinder wurden dann auch neugierig.

link=http://mika.koordination-maennerinkitas.de/unsere-themen/detailansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=713&cHash=3bfe873768e420d713b5cfed9cbe6464]Dr. Timmermanns[/link] bringt es auf den Punkt:„[...] Sexualpädagogik bietet der Kita die Möglichkeit, eine gemeinsame Richtschnur für den Umgang mit Körperlichkeit und Sexualität zu vereinbaren. Dem Einigungsprozess sollten Diskussionen und eine Beschäftigung mit diesen Themen vorausgehen, indem sich die Fachkräfte über ihre persönlichen und die gemeinsamen Standpunkte austauschen. Das gibt ihnen später mehr Sicherheit, weil sie wissen, woran sie sich orientieren können, wenn sie im Alltag in Situationen geraten, in denen es um Nähe, Distanz, Nacktheit oder Sexualität geht. Die Kinder profitieren von einem bewussteren Umgang der Erzieherinnen und Erzieher mit Körperlichkeit und können ein positives Körpergefühl und dadurch ein größeres Selbstbewusstsein entwickeln.[...]"

Ist das nicht nur die Vorstellung von verwirrten Erwachsenen? Etwas
fördern, was nicht verdrängt wird,

Nein. Du hast hier wahrscheinlich eine andere Vorstellung von „fördern".
Es sind diese Hetzkampagnen einer Minderheit, die bewusst ein völlig verzerrtes Bild wiedergeben, als ob den Kindern was aufgedrängt wird, was sie nicht wollen. Hier braucht es einen unemotionalen und unideologischen Diskurs, welcher auch zwischen Eltern und Erziehern stattfindet. Da wird also niemand „kontrolliert", wie Du es bezeichnet hast.

ist ein konstruiertes Problem, auf das nur ein wirrer Soziologe kommen
kann, der genau in diesen Denkmustern festhängt.

Gerade NICHT konstruiert. Zumal pädagogische Konzepte von pädagogischen und psychologischen Wissenschaftlern erarbeitet wird in Anlehnung an die Praxis (!!). Auch hier findet oftmals bei einigen ein weit verbreiteter Irrtum statt, dass Wissenschaftler sich unter sich etwas ausdenken und es dann an die Erzieher herantragen. Das hat sich längst alles geändert. Pädagogische Wissenschaft arbeitet heute praxis-/alltagsbetont und bezieht Alltagserfahrungen der Erzieherinnen aus den Einrichtungen mit ein. Auch die Bildungsprogramme für Kitas sind praxisbetont erstellt worden.

Es ist der Erwachsene der Probleme mit Scham und Moral hat – Kinder
entwickeln ihre Sexualität von selbst und sind nicht darauf angewiesen, dass man es ihnen zeigt >wie es geht.

Völlig falsche Vorstellung von Sexualpädagogik. Ich bitte Dich dann doch, die eingehender damit auseinanderzusetzen und kann Dich nur dazu einladen, Dir ein weiteres Bild darüber zu machen.

Da gibt es wichtigere Dinge, die man ihnen zeigen kann und auf die sie angewiesen
sind.

Es gibt keine Unterteilung in wichtig und unwichtig. Sexualität (in oben genannter Definition) ist ein wichtiges Thema für Kinder. Kinder sind auf spielerische Weise auf alles neugierig. Warum sollte man eine wichtiges Thema tabuisieren?
Auch die Argumentation von @RogRog zieht nicht, dass hier Liebe, Bindung etc. ausgeschlossen werden und Kinder angeblich übersexualisiert werden oder in eine sexuelle Richtung gedrängt werden. Das sind alles konstruierte Horrobilder, um Ängste zu schüren.

Wenn man das versteht, dann ist es keine Frage der Propaganda, sondern die Frage: mit
welchem Recht – und welchem Ziel – wird in die freie Entwicklung der Kinder eingegriffen?

Es wird wie gesagt nicht „eingegriffen" sondern thematisiert, was schon existiert. Ich weiß nicht, warum Du so krampfhaft an dem Eingreifen festhältst. Du konstruierst Dir aber ein Bild zusammen, was mit der Realität nichts zu tun hat. Pädagogik ist heute kindzentriert und begleitend. Einfach mal die Bildungsprogramme (z. B. Berliner Bildungsprogramm) lesen.

Gruß
nemo

Sonnige Grüße
Silberengel


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