Problematische Begrifflichkeit
Hallo!
Im Grunde ist das mehr ein Benennungsproblem.
Der "Weltstaat", wie ich den Begriff hier aufgefasst habe, ist wohl nicht im Sinne des Staatsbegriffs zu verstehen, der einst galt, bzw. den wir immer noch instinktiv unserer Gesellschaft zugrundelegen.
Alte Begriffe werden der neuen Wirklichkeit nicht durchaus gerecht.
Zum Vergleich: Wir sagen noch immer, "die Sonne geht auf", obwohl inzwischen Allgemeinwissen ist, daß die Sonne stillsteht und sich die Erde bewegt. Die sprachliche Aussage beruht auf einer optischen Täuschung, bzw. veralteten Annahmen.
Dieser "Weltstaat" hat eher gewisse Ähnlichkeiten mit einem Ameisenstaat oder einem Bienenstaat (ohne daß ich sage, wie leben in einem menschlichen Bienenstaat!), der ja auch keine Verfassung hat, kein Staatsorgane und keine Gesetzgebung, keinen König im althergebrachten Sinne. Diese sich quasi von selbst ergebende Organisation ist der Art angeboren.
In diesem Sinne könnte man vermuten, ob die heutige Welt nicht gewissermaßen schon immer im Potential der Menschheit lag und sich allein in unserem Zeitalter so richtig ausleben kann.
Was wir "Staat" nennen, unterlag im Laufe der Geschichte grundlegenden Wandlungen.
Der feudale Staat war ein gewachsener Organismus, der ständisch organisiert war und dessen Recht eher erst allmählich zu Papier gebrachtes Gewohnheitsrecht war. Die Verfassung war "innerlich", so wie die Anlage der menschlichen Organe angeboren ist und nicht vom Menschen geplant wurde.
Mit der Revolution hin zu Republiken wurde das alles umgeworfen. Der Staat war von nun an systematisch organisiert und hatte tatsächlich verfasste und aufgeschriebene Verfassungen, die früher gar nicht nötig waren. Die natürliche ständische Verfassung war eingeebnet und wurde durch ein künstliches Surrogat ersetzt. (Spengler sprach von verfassungsmäßiger Anarchie.)
Und nun befinden wir uns in einer Zeit, in der die schriftlichen Verfassungen zwar noch als gültig betrachtet werden, die mit der überstaatlichen, globalisierten Wirklichkeit aber nichts mehr zu tun haben und von dieser quasi grundlegend mißachtet werden. Dennoch gehen wir gefühlsmäßig noch immer davon aus, daß wir in einem Staat leben, der seiner Art nach auch 1871 oder 1919 hätte entstehen können.
All dies nennen wir "Staat", obwohl sich dahinter verschiedene Lebenswirklichkeiten verbergen.
Ich schrieb ja: "Der Weltstaat, die 'neue Weltordnung' oder wie man es nennen will..." Damit war schon angedeutet, daß die Bennenung eine gewisse Schwierigkeit bereitet.
Manche verstehen unter "Weltstaat" wohl tatsächlich einen Staat, in dem alle Menschen ihr Zettelchen in dieselbe Wahlurne schmeißen. Daß es das jemals geben wird, glaube ich nicht.
Wenn Dir ein besserer Begriff einfällt, streiche in meinem Text "Weltstaat" und setze ihn an seiner Statt.
Gruß
Taurec
--
„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“
Weltenwende