Sexualerziehung ist keine private Angelegenheit, je nachdem, unter welchen Gesichtspunkten Du das betrachtest
Salut nereus,
gut zusammengefasst! Ich hatte schon vor, Silberengel eine längere
Antwort zu schicken, aber das ist dank Deiner Mühe nun hinfällig. Ein
paar Ergänzungen lediglich, um es abzurunden:@Silberengel, ich bin mir nach Lesen Deiner Beiträge noch nicht sicher ob
Du
a) Die Mutter aller Trolle
b) Ein Jünger CMschen Geistes oder
c) Schlicht ein aufgeweckter Zeitgenosse bist, der den Blick noch weiten
könnte.
Weder a,b noch c., da ich mich von Dir nicht in engstirnige Kategorien stecken lasse.
C) könnte auch auf Dich zutreffen.
Dass man nicht alles in Schwarz und Weiss sehen sollte- da gehe ich mit
Dir d’accord. Auch, dass wir eine übersexualisierte Gesellschaft (im
Sinne der medialen Dauerbeschallung mit Sex) sind und damit umgehen lernen
müssen. Indessen scheint mir, Du zäumst das Pferd von hinten auf.
Es „scheint Dir" aber nur so, da Du meine Antwort auf @nereus' Beitrag noch gar nicht kennst.
Schnelles Einschießen und Zustimmen auf eine mit Vorurteilen behaftete und eingeengte Meinung, nur weil sie zufällig mit Deiner übereinstimmt und Du nicht „akkommodieren" sondern lediglich „assimilieren" musst, ist immer problematisch 
Das fühlt sich zwar gut an wenn ein paar andere noch Deiner Meinung sind, doch es gibt auch viele, die meiner Meinung sind, falls Du diese überhaupt differenziert kennst.
Die Problemlage ist, wie sie ist
dass sie so entstanden ist, hat aber
auch mit staatlichen Entscheidungen (Aufhebung des Verbots der Pornografie)
und technischer Entwicklung (Internet und der jederzeitige Zugriff auf
youporn etc.) zu tun.
Aufhebung von Verboten lässt nur das zum Vorschein kommen, was vorher schon unterdrückt wurde. Verbote haben noch nie zu etwas geführt. Von daher Nonsense
Nun schreit man auf staatlicher Seite bzw. bei den
von Dir erwähnten Pädagogen: Oh je, wir sind ja so sexualisiert! Ja, da
können wir ja auch gleich alle sexualisieren! Kinder, kommt mal her!
Das ist pure Polemik. Meine Darstellungen von Sexualpädagogik waren insgesamt vielschichtiger.
Zudem sexualisiert die Pädagogik nicht. Auch so ein undurchdachter und diffamierender Schwachfug.
Dazu mehr hier
Und da liegt der Hase im Pfeffer – im Verständnis, wie nereus auch
schreibt und andere wie RogRog versucht haben, Dir zu sagen,
Sie haben versucht, IHRE Meinung darzustellen. Das heißt nicht, dass diese richtig sein muss, was ich ja auch darstellen/relativieren konnte. Ich habe ebenfalls ganz viel versucht, zu erklären.
müssen, wird nun auch kleinen Kindern etwas übergestülpt, von dem
niemand sagen kann, was die Konsequenzen sein werden.
Hierzu hatte ich mich schon geäußert. Es geht im allgemeinen nicht um ein Überstülpen.
Auch das konnte ich näher und differenzierter erläutern im verlinkten posting.
Wird das die Kinder zu sexuell selbstbewussten Jugendlichen machen? Oder
zu verstörten, unsicheren Wesen, die Sexualität als Sport betrachten?
Persönlich vermute ich tendenziell eher zweiteres.
Du vermutest, weißt aber nicht. Zudem fußt Deine Vermutung schon wieder auf falschen Prämissen.
Ziel ist: „Ohne Angst verschieden sein“ (Theodor W. Adorno).
So oder so ist dies für mich nur Ausdruck einer größeren, bedenklichen
Tendenz – d.h. eines Staates, der sich zunehmend in die privatesten
Räume hinein bewegt
Nein. Die „große bedenkliche Tendenz" geht nicht von der Pädagogik aus, sondern findet in der Gesellschaft selbst statt. Da sind ganz andere Mächte am Werk. Pädagogik ist immer nur eine Antwort auf Missverhältnisse. Sie ist nicht autoritär, zumindest nicht im frühpädagogischen /elementaren Bereich in Hinsicht auf die Didaktik/Methodik.
Pädagogik bietet Reflexion der gesellschaftlichen Zustände und Lösungsvorschläge an.
Bildung heißt (nach Humboldt), sich ein Bild von sich, den anderen und der Welt machen.
Es gibt also z. B. keine „Ideologie des Regenbogens oder Vielfalt" oder ähnlicher Unfug, sondern
es gibt nur ein schon bereits vorhandenen Zustand in der Gesellschaft /Umwelt, welche(r) wie auch immer entstanden ist, worüber sich die Kinder /Jugendlichen ein Bild machen und dieses gemeinsam reflektieren sollen.
Hier wird Kausalität und Wirkung verdreht.
Alles näher und differenzierter erläutert im Antwortposting an @nereus.
und dies immer selbstverständlicher tut oder tun
kann. Kinder immer früher in den Kindergarten, Doktorspiele unter
Aufsicht, Kinderkanal mit „Putin ist böse“ und „Pegida auch“, das
Lehren, dass das Denunzieren rechtsextremer Eltern in Ordnung ist, l
Du vermischst hier jetzt beliebige Themen zu einem Einheitsbrei. das führt zu nichts.
Kinderkrippen sind zudem auch nur eine Antwort auf die gesellschaftliche Entwicklung und nicht die Ursache. Das hat etwas mit dem gesamten (auch kapitalistischen) System zu tun, welches wir aber nun mal nicht einfach abschaffen können.
Doktorspiele müssen generell unter Aufsicht sein, das wollen die Eltern so. Sie dürfen aber nicht verboten werden, weil es etwas natürliches ist für die psycho-sexuelle Entwicklung (vgl. einschlägige Literatur dazu).
Letztens las ich auch von nem Versuch in NRW, wo man den Kindern beibringen will,
Fahrer, die sich im Strassenverkehr falsch verhalten, anzusprechen und auf
ihr Fehlverhalten hinzuweisen.
Kann nicht schaden. Es geht dabei ja darum, die Kinder zu stärken, dass sie sich nicht als völlig machtlose Wesen erleben, also darum, ihre Selbstwirksamkeit/Selbstbewusstsein zu stärken. Sie kommen aus der Ohnmachtshaltung heraus indem sie sich selbst als aktiv erleben. Das stärkt in jedem Fall die Persönlichkeit
Dabei ist es erst mal unerheblich, ob das Fahrverhalten sich in der Gesellschaft dann tatsächlich ändert.
Das hat mit Denunzieren nichts zu tun.
Kurz: Werden so eigenständig denkende Wesen herangezogen?
Jepp. Das ist nachgewiesen.
Oder genormte Existenzen, die gute Denunzianten werden können?
Das ist wiederum wild konstruiert. Auch in Kitas dürfen Kinder selbstverständlich den Erwachsenen auch auf ihre Fehler hinweisen. Das ist sogar gewollt und nennt man partnerschaftliche Erziehung.( Stichwort: Ko-Konstruktion).
Das Gegenteil ist autoritäre Erziehung, wo Kinder sich NUR unterzuordnen haben, egal wie die Erwachsenen sich verhalten.
Wie mancher hier im Forum schon so treffend anmerkte
Treffend für wen?
die Propaganda der DDR zum Beispiel wurde
noch als solche von den Meisten erkannt.
Wusste ich doch, der DDR-Vergleich darf nicht fehlen. Bist Du zufällig dort sozialisiert worden?
Die Propaganda von heute wird von
vielen für bare Münze genommen. Gefährlich.
Ja besonders die Hetz-Propaganda der Konservativen und Katholiken u.ä.
Die Sexualität ist eine private Angelegenheit, finde ich.
Sexualerziehung ist keine private Angelegenheit, je nachdem, unter welchen Gesichtspunkten Du das betrachtest.
Man sollte sexuelle Aufklärung nicht allein dem Internet oder Elternhaus überlassen.
Das habe ich hier näher begründet.
Das Thema ist vielschichtiger und komplizierter geworden, weil die Gesellschaft sich verändert hat.
Es ist zudem wichtig, alle familiären Lebensformen sensibel in den Blick zu nehmen, ob es sich nun um die Kleinfamilie, um die Regenbogenfamilie mit zwei gleichgeschlechtlichen Eltern oder um Patchwork-Familien handelt. Der Begriff Familie bezieht sich immer auf die gesamte Hausgemeinschaft - mit allen Mitgliedern, die sich dazu zählen. Es ist ergo wichtig, jedes einzelne Kind wertschätzend anzunehmen, egal woher es kommt. Das muss schulisch vermittelt werden, weil Elternhäuser (nicht alle) hier versagen.
Eine Aufklärung tut sicher in einem gewissen Rahmen not, unbedingt – das
frühere kirchliche Dogma braucht es nicht und auch nicht die
Leibfeindlichkeit von damals. Aber es heute besser zu meinen, indem alles
offen aufgedeckt wird, heisst nicht, es besser zu machen.
Die Sexualität sollte persönlich entdeckt werden können – es hängen
ja noch viele andere Aspekte an ihr dran (Intimität, Vertrauen, sich
hingeben können etc.).
Stimme ich zu. Aber Intimität, Vertrauen, sich hingeben können ist heute nicht mehr selbstverständlich in der Gesellschaft und wird ja oftmals durch die gesellschaftl. Zustände zerstört oder unmöglich gemacht. Hier setzt die Sexualpädagogik an.
Es wäre ja schön, wenn alle gelernt hätten sich ihren wahren Gefühlen hingeben zu können.
http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/158221/index.html
Sie so in ihre technischen Details zu zerlegen und
mit Handlungstipps zu versehen, scheint mir zu viel des Guten.
D'accord.
Aufklärung in fünfter oder sechster Klasse plus neuer Medienkompetenz
– ja. Doktorspiele im Kindergarten bzw. zu vermitteln, dies oder jenes zu
tun sei vollkommen okay (alles in Ordnung, alles gleich“wertig“) –
nein.
Einfach Nein sagen reicht nicht. Zur „Gleichwertigkeit" hatte ich mich ja hier ausgelassen. Möchte jetzt nicht wieder alles wiederholen.
Zu Doktorspielen: http://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Muetter_Vaeter/4200_doktorspiele_od...
Zudem ich nicht glaube, dass die, die sich nun für diese neue Art des
Unterrichtens stark machen, in Sachen Sexualität umfassend gebildet sind
Glauben oder Wissen?
– ich meine, in dem Sinne, dass Sexualität mehr ist als ein technischer
Vorgang, das Ausschütten dieser und jener Botenstoffe etc.
Woher weißt Du, wie der Unterricht im einzelnen stattfindet? Du betrachtest jetzt nur einen Aspekt, so wie die Gegner des Bildungsplanes. Es geht doch nicht nur um technische Details.
Wie Michel Foucault mal in seinem ersten Band von „Sexualität und
Wahrheit“ sagte: Man hat die Sexualität seit dem 18. Jhdt. untersucht,
kategorisiert, katalogisiert, ihre physischen und psychischen Folgen
genauestens versucht zu erfassen – und ist doch dem Mysterium des Sex,
seinem Geheimnis, nicht näher gekommen.
Foucault hat auch richtigerweise geschrieben: „[...]Diese „Zwangsheteronormativität“ wird vor allem von Ideologen wie die Kirchen und Humanwissenschaften verteidigt, und heterosexuelle Paare (mit eigenen Kindern) gilt als einzige legitime Beziehungsform.
Durch das symbolische System Heterosexualität mit all seinen kulturellen, rechtlichen, religiösen u.a. Vorgaben wird ihnen das dafür entsprechende Identifikationsmodelle bereitgestellt, denen sie sich kaum entziehen können/dürfen [...] dabei wurden Gefühlsgrenzen und Schamempfindungen in einem Jahrhunderte dauernden Verbürgerlichungsprozess diskursiv produziert und eingekörpert. Sexualität war /ist mit gesellschaftlichen bürgerlichen Machtbeziehungen verknüpft.[...]" (Foucault,1977).
Lasst doch die Jugendlichen das Geheimnis selber entdecken und zwingt den
Kindern nicht etwas auf, was vielleicht manchen Kindern auf natürlichem
Wege nahe sein mag (die eigene Sexualität zu entdecken) – aber doch
nicht allen.
Das will die Sexualpädagogik ja. Kinder dürfen/können aber ihre Sexualität oftmals nicht entdecken, wie schon Foucault richtig analysierte, weil sie dafür diskriminiert/sozial geächtet werden.
Das ist dann diese Beliebigkeit vom Sex – und wer weiß, was daraus
langfristig wird? Ich glaube – nichts Gutes.
Die Natur ist „beliebig" und nimmt keine Rücksicht auf menschliche Moralvorstellungen, oder?
Beste Grüße
K_v_S
Sonnige Grüße hinterher.
P.S.: Kann jedem nur die Links von RogRog empfehlen – sehr interessant,
was die Wirkungen von Sex angeht etc. Würde mich mal interessieren, wie
weit die neuen Handlungsanweisungen für Lehrer darauf eingehen oder ob sie
Untersuchungen berücksichtigen, die zeigen sollen, dass bestimmte Formen
des Sex (Analverkehr, Masturbation) weniger befriedigend/erfüllend sein
sollen als andere (Vaginalverkehr).
PS: Das spielt alles keine Rolle für das Thema hier und sind nur ideologische Nebelkerzen.
Es geht erst mal darum, dass die Menschen nicht pathologisiert und diskriminiert werden.
Wenn Vaginalverkehr so erfüllend ist und glücklich macht, wieso ist die Welt dann so schlecht und agressiv? Wieso passieren so viele Missbräuche in heterosexuellen Familien?
P.P.S.: Ah - was mir grad noch einfällt - habe mal irgendwo gelesen, dass
die Intensität des Sex seit einigen Jahren abnimmt - sprich, dass
Hirnstrommessungen von Frauen zeigen würden, dass die Orgasmen schwächer
werden bzw. ihre Intensität geringer. Ob dem durch "Poppen für alle"
entgegenwirkt werden kann?
P.PS: Sexualpädagogik der Vielfalt plädiert nicht für Poppen für alle. Das machen doch die Menschen von sich aus, wenn sie wollen.
Die Natur hat schon seit jeher vielfache sexuelle Erlebensformen hervorgebracht und Heterosexualität galt nur der Fortpflanzung. Es gab also seit Anbeginn der Menschheit immer wieder ein Teil, welche aus dieser ‚heterosexuellen Matrix' ausgebrochen sind. Mit anderen Worten, die gleich freie Verfügung über männliche und weibliche Objekte, wie sie im Kindesalter, in primitiven Zuständen und frühhistorischen Zeiten zu beobachten ist, ist eigentlich das Ursprüngliche. Die Zivilisation ist ein „dogmatisches Kunstprodukt".
Denn viele Menschen machen als Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene homoerotische bzw. homosexuelle Erfahrungen. Sie kennen entsprechende Phantasien, Gefühle und Träume. Homo- und Heterosexualität sind ergo keine einander ausschließende Alternativen.
Homosexualität ist - ebenso wie Heterosexualität - per se keine Kategorie zur Klassifizierung von Menschen. Empirische Studien weisen darauf hin, dass es DEN/DIE Homosexuelle(n) ebenso wie den/die' Heterosexuelle/n als besondere Persönlichkeit nicht gibt. Vielmehr gilt für heterosexuell wie homosexuell aktive Menschen eine große Diversität von Handlungsweisen, Lebensstilen, Mischformen homo- und heterosexueller Betätigung.
Alles orientiert sich aber nur am typischen Ideal des Zusammenfallens von „romantischer Liebe", Sexualität und Ehe.
Doch die klasssische Liebesbeziehung, wo Sexualität und Elternschaft zusammenfallen ist nicht das A und O, denn in manchen matriarchalen Gesellschaften z. B. ist die männliche Bezugsperson von Kindern der Bruder ihrer Mutter, während die Sexualpartner der Mütter wechseln und keine enge Beziehung zu ihren „leiblichen“ Kindern haben. Verlässliche Väter sind sie vielmehr für die Kinder ihrer Schwestern.
Für ein gesundes Aufwachsen des Kindes braucht es zwar auch verlässliche männliche Figuren, dass muss aber nicht der leibliche Vater sein. Dafür gibt es keine wissenschaftliche psychoanalytische Forschung, die das zu 100% bestätigt.
Es gibt allerdings ein Spannungsverhältnis zwischen sexuellem Begehren, das oft spontan ist und wechselhaft, und der Notwendigkeit kontinuierlicher, verantwortungsvoller und verlässlicher Beziehungen zwischen den Generationen, also zwischen Erwachsenen und Kindern. In der westlichen Geschichte wurde das Problem aber durch die Einhegung und Reglementierung von beidem gelöst: Stigmatisierung von jeglichem „Lotterleben“, Beschränkung von Sexualität auf die Ehe (und Prostitution als deren Ventil), gesetzliche Formalisierung von Elternschaft, Ausschluss der Frauen aus den auf Gleichheit gegründeten Institutionen der Männer, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung mit der Folge von schädlich verkitschten Mutterbildern und so weiter.
Man könnte auch sagen: durch die offizielle Festschreibung der Vorstellung, dass Liebe und Freiheit unvereinbar sind.
Wenn wir dieses Kuddelmuddel heute in Richtung eines Zusammendenkens von Liebe und Freiheit auflösen wollen, dann könnten historische homosexuelle Alternativen zur heteronormativen Ehe Anregungen geben für andere, freie und liebevollere Lebensformen. Für Lebensformen, in denen Verantwortung und Spontaneität in der Liebe nicht festgezurrt werden auf Dualismen, also Ehe versus Spontanität, Frauenrollen versus Männerollen, Heterosexuell versus Homosexuell etc