Pädagogik als „reflexive Begleitung" schließt eine Manipulation/Konditionierung nicht völlig aus
> Das Wort ERziehung finde ich etwas unglücklich. Es geht um reflexive
Begleitung. Es geht NICHT darum, dass die KInder/Jugendlichen durch Erziehung erst
zum Menschen werden.
Das wird hier leider von einigen verwechselt.
Es hat sich viel geändert in der Pädagogik.[/i]
Reflexive Begleitung impliziert, dass keine Manipulation/Konditionierung
stattfindet,
Hallo
Pädagogik als „reflexive Begleitung" schließt eine Manipulation/Konditionierung nicht völlig aus.
Das geht auch gar nicht, weil Erzieher niemals 100% reflexiv handeln sondern auch spontan.
Es ist ein ständiger Lernprozess.
sondern dem Kind Raum gegeben wird, sich selbst zu entwickeln.
Das ist aber in doppeltem Sinne falsch, denn die Kinder übernehmen erstens
schon rein intuitiv die Sichtweisen ihrer Bezugspersonen, auch wenn sie
diese zu verbergen versuchen (was zusätzliche Irritation beim Kind
verursacht) und zweitens bräuchten Kinder starke Persönlichkeiten, die
eine klare Haltung vertreten und vorleben, an der sie wachsen können.
Da ist nichts falsch, auch nicht im doppelten Sinn. Natürlich gibt es auch ein Lernen durch Nachahmung und es geht niemals darum, dem Kind 100% individuellen Raum zu geben.
Es geht um ein ständiges Austarieren von Grenzen, ein soziales Einüben.
Reflexion ist nie passend und immer unabgeschlossen. Eine fertige Theorie zu erwarten ist nicht nur Illusionen, sondern zugleich eine Verkennung der Verhältnisse von Reflexion und Praxis.
Darum geht es also nicht
Siehe hier: https://paedreflex.wordpress.com/2012/11/12/reflexion-in-einer-theorie-der-erziehung/
Und sicherlich dürfen Pädagogen auch eine klare Haltung haben, müssen aber bereit sein, auch diese zu hinterfragen. Wir haben hier doch genug schlechte Erfahrungen gemacht mit s.g. „klaren Haltungen" und „festen Standpunkten". Je älter die Kinder sind, desto mehr erkennen sie auch, dass Erwachsene auch Fehler machen und das Grenzen, falls notwendig auch verhandelbar sein müssen, und Erwachsene auch nur fehlbare Menschen mit Fehlern sind.
Sie suchen Menschen, die sie durch ihre Lebenshaltung prägen, selbst wenn
diese Prägung auch negativer Art ist (natürlich mit Grenzen). Denn daran
können sie wachsen.
Das habe ich nicht ausgeschlossen. Die Kitagemeinschaft ist eine „ko-konstruktive" Lerngemeinschaft (Vgl. BIldungsprogramm).
Die reflexive Begleitung, das Fehlen erzieherischer Einwirkung führt zu
eben diesem expansiven Charakter, den in gesunde Bahnen zu lenken so viel
schwieriger ist, als den kontraktiven Charakter.
Reflexives Begleiten heißt wie gesagt weder Laissez-faire noch das Fehlen von Einwirkung.
Mit „expansiven Charakter" kann ich wenig anfangen in diesem Zusammenhang.
Es geht doch um Empathiefähigkeit in der modernen Pädagogik. Empathiefähige Charaktere lenken sich allein in „gesunde Bahnen".
(Dieser Umstand hat übrigens ganz einfach damit zu tun, dass es für die
Psyche einfacher, da viel befriedigender ist, etwas zuzufügen - sich zu
erweitern - als etwas wegzunehmen.)
Richtig. Kinder wachsen an ihren Problemen, zu denen sie selbstständig Lösungswege finden müssen, auch wenn das Ergebnis nicht immer richtig ist.
> Pädagogen sind keine Therapeuten.
Sie bedienen sich aber teilweise (interdisziplinär) dem Wissen aus
diesem Forschungsgebiet. Pädagogen hatten nie den Anspruch zu heilen.[/i]
Das Wissen über die Bedürfnisse der Kinder und der Menschen allgemein
ist aufgrund der gesellschaftlichen Zensur gar nicht vorhanden, bzw.
völlig fehlgeleitet.
Darum geht es nicht. Pädagogik erhebt wie gesagt nicht den Anspruch, jedes einzelne Bedürfnis zu 100% zu erkennen.
Ich halte mich hier an Giesecke. [...]Nach Giesecke (2000, S. 21f.) ist pädagogisches Handeln eine Form des sozialen Handelns, also ein Handeln, das sich auf Veränderung von Menschen beziehungsweise von menschlichen Verhältnissen und Bedingungen richtet und an anderen orientiert. Daher könne es auch kein „richtiges“, sondern nur „angemessenes“ pädagogisches Handeln geben. Giesecke argumentiert weiter, dass es immer mehrere Möglichkeiten vernünftigen pädagogischen Handelns gibt.
Das Hauptziel pädagogischen Handelns sei es, Lernen zu ermöglichen, soweit dies im Bewusstsein und im argumentativen Austausch möglich sei. Den Begriff Lernen definiert Giesecke (2000, S. 25) in diesem Zusammenhang umgangssprachlich: Gelerntes sei alles, was man weiß oder kann, was man vorher nicht wusste oder konnte. Das pädagogische Handeln käme dort an seine Grenzen, wo Lernprozesse nicht mehr argumentativ ins Bewusstsein geholt werden könnten oder nicht mehr rationaler Aufklärung zugänglich seien. Also wo das Geäußerte nicht mehr das Gemeinte ist. Daraus folgert Giesecke (2000, S. 27), dass pädagogisch inszeniertes Lernen im Grund immer nur kognitives, über Verstand, Denken und Bewusstsein laufendes Lernen sein kann. Seiner Auffassung nach gilt dies auch, wenn es sich um soziale oder emotionale Lernziele handelt.
[...]Pädagogisches Handeln greife in unabhängig voneinander ablaufenden Lebensgeschichten ein. Folgt man Giesecke (2000, S. 45f.) weiter, formt das Handeln keine Persönlichkeiten oder deren Bildungsgeschichten, sondern ist eine Dienstleistung dafür, damit die Individuen sich durch Lernen (weiter-)entwickeln können. Pädagogisches Handeln erschaffe nicht die Menschen oder gebe ihnen ihre Persönlichkeit, sondern interveniere und begleite die Menschen in ihrem Leben (Giesecke, 2000, S. 32).[...].
> Doch. Pädagogik kann Hilfestellung liefern, zu einem mündigen
Erwachsenen zu werden.
Es geht darum, Lernprozesse anzuregen, Selbstbestimmung,
Kompetenzgefühle und soziale Eingebundenheit zu fördern.[/i]
Das ist die modern-humanistische Ausrichtung der Pädagogik, die das
behauptet. Den Beweis, dass damit etwas erreicht ist sie bisher schuldig
geblieben. Wenn ich mir die heutige Jugend ansehe, besitzt sie weder mehr
Sozialkompetenz noch mehr Selbstkompetenz, im Gegenteil, sie ist zu grossen
Teilen verweichlicht, hedonistisch und orientierungslos.
Was heißt verweichlicht? Mit diesen Begriffen kann ich wenig anfangen.
Wenn Du nicht lebensfähig meinst, also dass sie ihr Leben nicht eigenständig meistern können oder keine Resilienz besitzen, dann liegst Du falsch.
Natürlich stellt unser System eine große Herausforderung dar, auch in Bezug auf Anforderungen, der Identitätsfindung und Wertorientierung, aber dass die Mehrheit nun verweichlicht und hedonistisch sind, kann man nicht beobachten. In der Tat ist aber ein Teil der Jugend tatsächlich „verloren" gegangen (Koma-Saufen, Vandalismus, zunehmende Gewalt, Drogen- und Computersucht, Depression, Perspektivlosigkeit etc.). Ein Teil ist aber nicht die Mehrheit.
Die Pädagogen wissen schon, dass sie auch Erfolge habe, die sieht man bloß oft nicht, weil man sich nur auf das negative fokussiert
> Leider traurige Wahrheit. Oder lügt die Polizeistatistik?
Nein, aber die Sexualpädagogen überschätzen sich, wenn sie glauben,
daran durch ihren Einfluss etwas ändern zu können. Sie sind sich ja nicht
mal ihrer eigenen Neurosen bewusst, da sie sich zwangsläufig an der
gesellschaftlich zensierten Sichtweise orientieren müssen.
Jede Reflexion und das Thematisieren/Sichtbarmachen von Problemen ruft irgendwie auch Veränderungen und Lösungen hervor.
Wichtig dabei ist doch die Zurückdrängung des moralischen Einflusses (der erhobene Zeigefinger)
hin zu mehr Beziehungsarbeit und dass man gemeinsam ins Gespräch kommt.
Natürlich hast Du recht, dass Pädagogen selbst auch vom System manipuliert sind bzw. angepasst sind. Von ihnen wird aber ein hohes Maß an Reflexion ihrer eigenen Handlungsmuster und Verhalten verlangt.
Das ist ergo kein ausreichender Grund, Pädagogik als obsolet zu betrachten.
Und wieso überschätzen sie sich? Sie sind sich ihrer Begrenztheit durchaus auch bewusst. Das wissen die Erzeiher und Sozialarbeiter etc. auch.
Ganz Im Gegenteil, es bräuchte viel mehr Pädagogen in der heutigen Gesellschaft.
> Dieser Erziehungsstil „entpanzert" nicht, sondern es geht darum,
dass man seinen Panzer selbst in der Hand hält.
Dieser Erziehungsstill führt auch nicht dazu, dass man keine Grenzen
mehr erkennt oder sich setzt.
Bitte nicht verwechseln mit Laissez-faire.[/i]
Ein Problem moderner Pädagogen ist, dass das Setzen ihrer Grenzen durch
den Appell an die Vernunft erfolgt und in ihren Augen frei von
Emotionalität sein sollte. Kinder zusammenfalten ist böse und schlecht
und der moderne Pädagoge hat tagelang ein schlechtes Gewissen, wenn es ihm
trotzdem mal passiert.
Es gibt nicht DEN Pädagogen. Es gibt Grundschulpädagogen, Frühpädagogen, Sekundarschullehrer etc. Welchen meinst DU also?
Zudem ist Verstehen bzw. eine Beziehung besser als autoritäres „Zusammenfalten". Letzteres wirkt doch heute gar nicht mehr und bringt auch nachgewiesenerweise keine Lernprozesse in Gang.
Glaubst Du denn, allein nur durch Emotionalität kannst Du Grenzen setzen?
Mehrere Aspekte sind wichtig, sowohl Vernunft als auch Beziehungsarbeit und „Authentizität", wozu auch Emotionen gehören.
Leider glaubt der modern-zeitgeistig-oberflächliche Mensch, es sei das
Denken, die Vernunft, mit der sich das Leben steuern lässt. Das Denken ist
jedoch den Emotionen in Bezug auf ihre Wirkkraft weit untergeordnet und
zudem grösstenteils von ihnen bestimmt. So versteht ein Kind, an dessen
Vernunft ständig appelliert wird, gar nichts, es lernt nur, mit dieser
falschen Fokussierung der Erwachsenen so umzugehen, dass es zu seinem
Vorteil ist. Ein manipulativer Charakter ist programmiert.
Nein, das stimmt so nicht. Erziehung ist weit mehr als nur das bloße Appellieren and die Vernunft.
Auswirkungen des überwiegend demokratischen (liberalen)
Erziehungsstils:Die Kinder weisen Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und emotionale
Stabilität auf
Die Kinder zeigen eine eher hohe Leistungs- und Lernbereitschaft
Die Kinder entwickeln soziale Kompetenzen
Die Kinder entwickeln Kritikfähigkeit und Kompromissbereitschaft
Ich hoffe, diese verheerenden Trugschlüsse hier widerlegt zu haben.Grüsse Nonpopulo
Nein, DU hast doch nichts widerlegt, nur theoretisch, Du hast nur eine sehr eingeengte Sicht von moderner Pädagogik dargestellt und teilweise viel zu sehr verallgemeinert. 
Sonnige und vielfältige Grüße