Kindermund tut Wahrheit kund
Hallo Tünnes,
danke sehr. Oft liegt man ja gar nicht so weit auseinander.
Habe vier Kinder und weiß, dass die schon im zweiten Lebensjahr lernen wollen, wer Mädchen/Frau bzw. Junge/Mann ist - und die Körpermerkmale.
So mit 5, 6 fragen sie dann auch schon mal in Richtung "Geschlechtliches". vorher aber auch schon, warum die Frau dick ist, und wo die Babys herkommen. Finde das völlig normal und natürlich. Aber das ist für einige Eltern peinlich (und stellenweise sind sie verständlich leicht überfordert - das ist man ja auch in andere Hinsicht nicht selten).
Haben mal unseren Großen ein Kinderbuch aus der Kinderbibliothek gegeben, in der sachlich für die Alterstufe erklärt wurde, wie das ist mit Mädchen und Jungs usw., völlig sachlich und unverfänglich (vor ca. 20 Jahren). Das wollten sie in die Kita mitnehmen, was zu Unmut von einigen Eltern führte, was wir nicht so leicht nachvollziehen konnten, aber natürlich gern respektierten. Das ist Kernbereich der Erziehung und das muss jeder für sich entscheiden. Allerdings kann man falsch Verklemmtes und falsche Vorstellungen von Eltern, die lieben Kleinen wären in Hinsicht der den Eltern unangenehmen Themen noch sowas wie blind, eben anders als diese einschätzen.
Jedenfalls finde ich es gut, dass da wo Kinder sind, ein angemessen offener und unverklemmter Umgang damit und mit allen Sachen herrscht. Es ist doch Natur und natürlich - nur der gesellschaftliche Umgang damit ist das nicht direkt.
Kinder nehmen auch wahr, dass ich mich rasiere und es Frauenhygiene- und Kosmetikartikel gibt. Das ist alles völlig unproblematisch und man muss nicht immer argen, eine Büchse der Pandora würde sich öffnen.
Vergleichbar wie mit dem Umgang mit Alkohol: Dort wo von den Eltern gemauert wurde, so lange es ging, da kamen nachher die Exzesse. Also lieber die Kinder in allem fragen und das Tempo machen lassen. Aber ihnen immer wieder, und das gilt ja allgemein, das Wissen geben, dass man immer für sie da ist und sie mit allem kommen können.
Ist nicht immer einfach, wie jeder Erziehende weiß, aber eigentlich wollen sie es ja meist nur kurz und knapp wissen.
Wenn Kinder in angstfreier Atmo aufwachsen, ist allen geholfen. Man soll sie nicht indoktrinieren, klar (aber schon Glaubenssachen sind da so eine Sache in den Familien, und Kunst, Geschmacksfragen, welcher Sport gesehen wird usw.). Aber auch nicht für blöder halten, als sie sind (Bitte, das ist keine Unterstellung an meine lieben Diskutanten hier). Die sehen und verstehen meist mehr, als viele denken (nur weil sie manches nicht einsehen wollen? Da sind wir Großen nicht besser).
Und vergessen wir nicht, was ständig in der Werbung abläuft... (bei uns läuft nur ab und zu Kika, aber die Straßen und Bahnhöfe brüllen ja: Sex sells).
Hab ein schönes Wochenende und viele freundliche Grüße
azur
PS: auch wir haben klare Grenzen, wie das Spielzeugtabu auf dem Esstisch, bestimmte Worte und bestimmtes Verhalten dort usw. Gemeinsam beginnen, Kinder stehen nur gemeinsam auf usw. Das muss sein, denn es soll ein angenehm-unkompliziertes Zusammensein fördern.
Gehöre zur Fraktion Händewaschen, Bitte-Danke-Hasenohr-Aufwiedersehen, Anschauen dessen, mit dem man spricht usw.
Fragt mich heute wieder eines unserer Kinder, ob man Menschen dressieren kann. Sage ich, hier bei Tisch mache ich sowas Ähnliches und wir lachen (und das zieht sich ja hin, Erziehung, die aber sein muss). Kind fand dann gemein, dass man Tier dressieren kann. Herrlich.
PPS: Kinder haben übrigens überhaupt kein Problem, dass es Homos gibt. Die nehmen es wie es kommt - und werden davon bestimmt nicht homo. Das sind vorwiegend die Älteren, die da Ängste haben. Wichtig ist doch, ihnen Stärke, und Respekt vor allen Wesen zu lehren. Nicht Härte, sondern angemessenes Verhalten, Freundlichkeit und soviel Freiheit, wie für alle gut ist. Und da geht eine Menge.
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(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)
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