Der Gotteswahn

Zarathustra, Freitag, 29.05.2015, 13:53 (vor 3883 Tagen) @ Taurec12642 Views
bearbeitet von Zarathustra, Freitag, 29.05.2015, 14:17

Hallo!

Hallo!

Was hat die Vorzivilisation mit Monarchen zu tun?

Spannend wäre die Frage, was die göttliche Ordnung denn sei?

Göttlich ist einfach ein religiöser Begriff, resultierend aus dem Gotteswahn, der die Menschheit heimsucht seit der Geburt der Tragödie, der Erfindung der (Herr-)Götter, was ja noch nicht allzu lange her ist (10'000 Jahre) und auch nicht mehr allzu lange dauert, bis er wieder verschwindet.

In aller Kürze, wohlwissend, daß damit eher Fragen aufgeworfen, denn
geklärt werden und sich wahrscheinlich bei manchem auch Widerspruch regt
(vermutlich am ehesten bei jenen, die im Patriarchat die Wurzel allen
Übels zu erkennen meinen).

Ich meine - und hier gehen meine Ansichten durchaus ins religiöse über

In der Tat. Ins monotheistisch-patriarchal-religiöse. Patriarchale Abrichtung prägt halt (leider).
Selbst hochintelligente Zeitgenossen sind nicht davor gefeit.

-, daß die Schöpfung sinnvoll nach sich vom Großen bis ins Kleine
wiederholenden Mustern/Gesetzmäßigkeiten strukturiert ist - quasi wie
Fraktale bei Annäherung sich weiter ausdifferenzierend, bei umfassenderer
Betrachtung nach dem selben Gesetz sich zusammenfassend.

Die Welt ist hierarchisch strukturiert. Es gibt immer ein oberstes und,
sich weiter ausdifferenzierend, untergeordnete "Abteilungen", die dem
Oberen dienen und nach unten hin herrschen (wobei Herrschen im Grunde nur
eine andere Art des Dienens ist oder sein sollte). Das ganze ist organisch.
Alles hat seinen Platz und seine Funktion. Nichts ist entbehrlich. Das gilt
für Lebewesen (Gehirn, Hände, Magen, Blutkreislauf usw.) wie von
vormodernen Gesellschaften (König, Krieger, Bauern, Familie usw.).

Das ist alles vergleichsweise modern, zivilisatorisch. Das Vorzivilisatorische kennt keine Könige, keine Krieger und auch keinen Famulus (Haussklaven).

Zugleich strebt alles dem Licht zu. Nicht nur Pflanzen wachsen der Sonne
entgegen, auch der Mensch orientiert sich an Adel und König, derer er

Nicht der Mensch. Erst der zivilisierte, pervertierte Mensch, welcher nicht mehr den eigentlichen Menschen repräsentiert, sondern dessen faden Abklatsch.

durchaus bedarf. Er wird von ihnen nicht geknechtet, worauf die
Königsherrschaft in der Moderne anhand von Negativbeispielen und mit
bewußter Lüge/Verfälschung immer reduziert wird. Der Adel ist auf seine
Art das irdische Spiegelbild höherer Wirklichkeiten.

Gab es nicht, als der Mensch noch Mensch war und weder Adel noch Krieger nötig hatte.

Daß sich die Könige früher (wie auch der Papst) als Stellvertreter
Gottes auf Erden betrachteten, ist keine Anmaßung, sondern entspricht in
gewisser Hinsicht der metaphysischen Wirklichkeit.

Ja, Krankheit ist auch ein Teil der Wirklichkeit.

In weitaus früherer Zeit waren Königswürde und das Amt des obersten
Priesters tatsächlich identisch. Der irdische Herrscher war zugleich der
Mittler zu höheren, geistigen Wirklichkeiten, der "Pontifex Maximus", der
große Brückenbauer. Das hat sich bis in die abendländische Kultur
erhalten, wo z. B. der König in Anschluß an seine Krönung durch
Handauflegen rituelle Skrofuloseheilungen vornahm.

Natürlich wurden die wenigsten Herrscher in der Geschichte mit ihrer
Persönlichkeit diesem Anspruch gerecht. Hier geht es auch weniger um die
historische Realität, sondern um die Idee, die dahinter steht. Im
Idealfall (so meine Überzeugung) zeichnet die menschliche Gesellschaft das
Bild der Schöpfung nach mit Gott an der Spitze, dem König als
Stellvertreter. Da wird das ganze Leben zum Gottesdienst und Dienst an der
Schöpfung.

Oh weh. In meinen Ohren tut das wirklich weh. Der institutionalisierte Wahnsinn (Vergesellschaftung/Verstaatlichung unserer Spezies) als Idealbild des Universums.

Ich meine, ähnliche Empfindungen sind angedeutet in dem Goethegedicht,
daß Spengler dem Untergang als
Motto
voranstellte.

Goethe kannte den Menschen halt auch nur in dessen pervertierten Ausprägung. Als entmündigten Tributdeppen, der den irdischen 'Repräsentanten der Schöpfung' Tribut zollt. Den eigentlichen Menschen kannten weder die Pfaffen noch die Philosophen. Rousseau war einer der Ersten, dem dämmerte, was der Mensch ist, bzw. war.

Wer dies nachempfindet, der kann erst ermessen, was dem Menschen in der
heutigen Welt verlorengegangen ist, was Entwurzelung wirklich bedeutet und
wie satanisch die Zustände sind, unter denen wir heute leben. Die Welt war
früher nicht perfekt, aber heute ist sie es am wenigsten.

Satanisch sind die Zustände, seit Gott und Satan erfunden und installiert wurden von Königen und Priestern. Verlorengeganen sind die vergleichsweise heilen Zustände von vor dieser satanischen Zeit, als die Menschheit noch verschont war von Priestern und Königen und deren Schauermärchen.

Zugleich dürfte unsere Zeit nur ein Interregnum sein, selbst falls sie
Jahrhunderte währt. Die Idee, die sich mit Cäsarismus/Impertatur
verbindet ist ein Rückgriff auf frühere Zeiten und Wiederherstellung
dessen, was verlorgen gegangen ist. Natürlich ist auch Cäsarismus nicht
das erhoffte Allheilmittel. Es verdeutlicht aber ein Bestreben in der
menschlichen Natur, das sich am Ende immer Bahn bricht. Das geht so weit,
daß in vergangenen Zivilisationen (z. B. Ägypten, Rom, China) die
Pharaonen/Kaiser stets auch vergöttlicht wurden.

So sehr ich Deine Beiträge schätze, Taurec: Mir unverständlich, warum Du nur diese vergleichsweise kurze Epoche der Menschheit betrachtest, in der er in der zivilisierten (pervertierten) Ausprägung unterwegs war. Der spenglersche Zyklus ist nur ein Unterzyklus innerhalb der Epoche der Zivilisation, doch auch die geht vorüber, weil dieser Unterzyklus fraktal überlagert ist von einem höheren Zyklus.

Ich meine, die Menschen kehren nach allen Umwälzungen immer wieder zu
einer Form der Einzelherrschaft zurück, selbst wenn wir wieder in die
Steinzeit zurückgeworfen werden und es nichts weiter gibt als Stämme mit
Häuptlingen, die zugleich Priester sind

Häuptlinge und Priester sind keine Attribute der Steinzeit, sondern von der Epoche, die danach folgte: das Patriarchat, der monogamen Selbstkasteiung von Mann und Frau.


, oder frei umherschweifende

Familienverbände mit Vätern, die diese Bezeichnung verdient haben.

Mater semper certus est – pater semper incertus est.

So, das war sicher genug für ein Wirtschaftsforum. [[zwinker]]

Gruß
Taurec

Grüsse, Zara


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