LIberal-demokratischer Erziehungsstil bedeutet expansiver Charakter?Sexualpädagogik „entpanzert" nicht
Hi Silberengel,
Hallo Nonpopulo
vorab: Dein Argument, so wie ich es verstanden habe, dass Sexualerziehung
von Kindern angesichts der Pornographisierung der Gesellschaft notwendig
wird, finde ich hörenswert.
Das Wort ERziehung finde ich etwas unglücklich. Es geht um reflexive Begleitung.
Es geht NICHT darum, dass die KInder/Jugendlichen durch Erziehung erst zum Menschen werden.
Das wird hier leider von einigen verwechselt.
Es hat sich viel geändert in der Pädagogik.
Das Problem an der ganzen Sache bleibt jedoch bestehen: Wir sind eine
sexualneurotische Gesellschaft, egal ob die Neurose in der
Übersexualisierung oder in der Verklemmtheit besteht. Sexualtherapeuten
sind davon nicht ausgenommen, eher ist davon auszugehen, dass ihre
besonders ausgeprägte Neurose sie überhaupt in diese Berufswahl getrieben
hat.
Pädagogen sind keine Therapeuten.
Sie bedienen sich aber teilweise (interdisziplinär) dem Wissen aus diesem Forschungsgebiet.
Pädagogen hatten nie den Anspruch zu heilen.
Anyway, eine sexualneurotische Gesellschaft kann keine Kinder zu
sexuell mündigen Erwachsenen erziehen.
Doch. Pädagogik kann Hilfestellung liefern, zu einem mündigen Erwachsenen zu werden.
Es geht darum, Lernprozesse anzuregen, Selbstbestimmung, Kompetenzgefühle und soziale Eingebundenheit zu fördern.
Was meinst Du mit „sexuell mündig"?
Aber es mag durchaus sein, dass in
Anbetracht der Pornographisierung der Gesellschaft ein proaktives Einwirken
auf die Kinder die Traumatisierungen aufgrund dessen, was sie früher oder
später auf ihren Handys an Pornographie gezeigt bekommen von Vorteil ist.
Es müssen nicht Traumatisierungen sein.
Sexualpädagogik heißt, Menschen aller Altersgruppen einfühlsam und fachkundig Informationen, Begleitung und Unterstützung in sexuellen und partnerschaftsbezogenen Lernprozessen anzubieten.
Das andere Argument, dass sexueller Missbrauch oft in der Familie
stattfindet und Sexualerziehung aus diesem Grund öffentlich gemacht werden
sollte, ist mE aber eine unzulässige Verallgemeinerung.
Leider traurige Wahrheit. Oder lügt die Polizeistatistik?
> Und dort, wo
Kindesmissbrauch in der Familie stattfindet, wird man auch mit der
Sexualerziehung der Kinder nichts ändern können. Kinder sind den
Erwachsenen nunmal ausgeliefert.
Nee, nee, das stimmt nicht.
http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/fileadmin/data/pdf/Broschuere_Praeven...
> Ein liberal-demokratischer Erziehungsstil ist der
Selbständigkeitsentwicklung eines Kindes stärker zuträglich als ein
restriktiv-autoritärer Erziehungsstil. Ich denke, das ist weitgehend
Konsens[/i]
Das ist ein typisch zeitgeistig-oberflächlicher Trugschluss. Ein aufgrund
eines autoritären Erziehungsstiles chronisch kontraktierter Charakter ist
viel einfacher zu heilen als ein aufgrund eines liberalen Erziehungsstiles
chronisch expansiver Charakter.
Dieser Erziehungsstil „entpanzert" nicht, sondern es geht darum, dass man seinen Panzer selbst in der Hand hält.
Dieser Erziehungsstill führt auch nicht dazu, dass man keine Grenzen mehr erkennt oder sich setzt.
Bitte nicht verwechseln mit Laissez-faire.
http://www.weiterbildung-kindererziehung.de/kindererziehung/demokratisch.php
Auswirkungen des überwiegend demokratischen (liberalen) Erziehungsstils:
Die Kinder weisen Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und emotionale Stabilität auf
Die Kinder zeigen eine eher hohe Leistungs- und Lernbereitschaft
Die Kinder entwickeln soziale Kompetenzen
Die Kinder entwickeln Kritikfähigkeit und Kompromissbereitschaft
Gruss Nonpopulo
Sonnige Grüße