Wieviel muss ich wissen, um eine gute Brühe zu kochen?
Guten Tag,
"Es ist verpflichtend, wissen zu wollen...,...meint jedenfalls der hochgeschätzte Wolf Singer.
Und Herr Singer meint auch, dass Handeln ohne zu wissen unethisch ist. Mit dieser vollkommenen Überhöhung seiner Berufung als Wissenschaftler kann er mich aber nicht hinterm Ofen vorlocken.
Wir bügeln mit unserem neuen Wissen vielmehr nur das aus, was wir vorher mit unserem Wissen verbockt haben. Und dass es, wie Herr Singer meint, eine überlebensnotwindige Verpflichtung ist, immer zutreffendere Modelle von der Welt zu ersinnen und die Tiere diese Verpflichtung automatisch erfüllen, halte ich, um mich mal der Lingu unserer hiesigen Silberrücken zu bedienen, für haarsträubenden Unsinn und Gelaber dritten Grades. Tiere sterben meistens aus, wenn ihre Modelle von der Welt unzureichend werden. Und die von mir hochgeschätzten Krokodile liegen seit über 200 Mio. Jahren in der Gegend rum und ich kann mir nicht vorstellen, dass die in ihren Erbsenhirnen beim dösen automatisch daran arbeiten, ihr Modell von der Welt zutreffender zu denken. Und wenn unsere Hauskatzen mit einem Wollknäuel rumspielen wird sich an ihrem Weltmodell ebenfalls nichts nennenswert ändern.
Eine Debatte zwischen Frau Falkenburg und Herrn Singer stelle ich mir aber durchaus erbaulich und kurzweilig vor und die beiden wissen sicherlich auch wann Schluss ist.
Noch eine kleine Anekdote zur These von Herrn Singer „Handeln ohne zu wissen ist unethisch“:
Bei uns in der „Firma“ werkelte einst eine Sekretärin, die war in unserem "Gelben-Sinne" komplett unwissend, stock katholisch und fest im Glauben an die Existenz von Engeln. Als diese Dame in Rente ging, wurde ihr bei ihrer Verabschiedung die übliche Frage gestellt, was sie in Zukunft mit ihrer Freizeit anzufangen gedenkt und sie antwortete, dass sie sich darauf freue, sich nun voll und ganz der Pflege ihrer Mutter zu widmen. Diese Ansage hat mich um ein vielfaches mehr beeindruckt als die fade wissenschaftliche Erkenntnisspreu die mir tagtäglich über den Weg läuft. Die hiesige Diskussion hätte die Dame, kraft ihrer Unwissenheit, längst mit den Worten „Der Mensch denkt, der Herr lenkt“ für sich abgekürzt.
alle hier mit dem debitistischen Erklärungsmodell weiterkommen wollen
Ich empfinde mein jetziges, löchriges debitistisches Erklärungsmodell als hinreichend. Um eine gute Brühe zu kochen, muss ich auch nicht über die atomare Struktur des Suppenknochens Bescheid wissen. Nichts desto trotz kann ich natürlich nicht wiederstehen, das vermeintliche Weiterkommen unter Beobachtung zu halten.
Mit freundlichen Grüßen
Schneider