Die Leiden des Dogmatikers
Hallo Zarathustra,
Statt "beliebig" können es auch Gesetze sein, die
über unser Denken in Zeit & Raum hinausgehen, die wir nicht logisch
modellieren können.
Aha, durch Gesetze bestimmt (determiniert). Da haben wir es.
Damit können wir die Unbestimmtheit/Indeterminiertheit/Gesetzlosligkeit
ad acta legen.
Da haben wir nichts. Wir wissen nicht, ob und wenn ja welche bestimmenden Gesetze es gibt, die über die mentalen Phänomene (über unsere Gedanken von Raum & Zeit /Ursache & Wirkung) hinausgehen.
Mir war von Beginn weg klar, dass Du nicht weisst, wovon beim
Determinismus die Rede ist. Diese Erfahrung mache ich mit praktisch allen
Einsteigern auf dem Gebiet.
Ich bin kein Einsteiger auf diesem Gebiet. Und ich weiß, wie gerne du die Diskussion einzig und allein in eine solche Behauptungen feiernde Diskussion zu entführen versuchst. Die von Silke zurecht hervorgehobene Tatsache, dass du dir den Vortrag nicht einmal ansehen gesehen hast, obwohl die Argumentation auf dieser Empfehlung basiert, verdeutlicht, dass deine Äußerungen gegen eine sachliche Diskussion zielen. Deswegen kommen auch keine auf wissenschaftlichen Tatsachen beruhenden Argumentationen zum Vorschein, sondern der krampfhafte Versuch, an widerlegten Dogmen festzuhalten.
Ich möchte dir und den Lesern noch einmal kurz zusammengefasst verdeutlichen, weshalb die hinter deiner Behauptung, dass die Welt in sich kausal geschlossen ist und der Lauf dieser Welt determiniert sei, nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ein lediglich auf blinden Analogien und Ausblendungen wissenschaftlicher Empirien basierendes Dogma darstellt.
Mentale Phänomene (Bewusstseinsinhalte) haben Einfluss auf physische Phänomene
Der populären Adern der Neurowissenschaft sind dem reinen Glauben verfallen, dass sie von der Arbeitsweise eines neuronalen Netzes (physischen Phänomens) mittels des Brückenbegriffs "Information" auf die Arbeitsweise (Mechanik) des Bewusstseins (mentalen Phänomens) schließen kann.
Das Problem, welchem sich die Populärwissenschaft nicht zu stellen wagt, ist die Tatsache, dass nicht einmal der Ansatz vorhanden ist, um nach gemeinsamen wissenschaftliche Messgrößen der mentalen und physischen Phänomene, zu suchen. Der den Schluss bestimmende Brückenbegriff der "Information" kann nicht beidseitig verwendet werden, da in der Neurowissenschaft bis heute kein Ansatz bekannt ist, um einen Bewusstseinsinhalt (mentales Phänomen) "als messbare Einheit" zu definieren. Die mentalen Phänomene lassen sich nicht über den methodologischen Leisten der physischen Phänomene schlagen, obgleich dieser Schlag ohne wissenschaftliche Grundlagen in der Populärwissenschaft dogmatisch simuliert wird.
Es existiert kein empirischer Befund der kognitiven Neurowissenschaft, der eine Informationseinheit als mentales Phänomen, dessen semantischer Gehalt sich auch freundlicherweise experimentell analysieren und objektivieren lässt, beweist. Das ist eine Tatsache, vor der du dich in all deiner dogmatischen Verspieltheit verschließt. Deine Beweggründe sind hinreichend bekannt.
Eine kausale Geschlossenheit der Welt ist wissenschaftlich nicht nachweisbar
Die von dir als "offensichtlich" als logisch erachtete kausale Geschlossenheit der Welt ist leider nur eine metaphysische Behauptung und in keinster Weise durch wissenschaftliche Empirien gestützt. Wie Prof. Dr. Dr. Brigitte Falkenburg schon in anderen Vorträgen erklärt hat, gibt es in der Physik bis heute keinen eindeutigen Begriff der Verursachung (siehe Quantenmechanik).
Desweiteren hat sie aufmerksam berücksichtigt, dass die Mechanismen, mit denen die Naturwissenschaft kausale Prozesse zu erklären versucht, indeterministisch verlaufen und stochastische Grundlagen haben. Hierzu führt sie insbesondere die thermodynamischen Vorgänge (auf Wahrscheinlichkeitsüberlegungen basierend) und die Erkenntnisse über das neuronale Geschehen auf.
Aber vor allem die fundamental wirkenden Erkenntnisse der Quantenmechanik sind soweit gefestigt, dass ihre Ergebnisse aufgrund der empirischen Beweise als ausschließlich indeterministisch beurteilt werden müssen. Im Gegensatz zur nicht tiefer greifenden klassischen Mechanik, in der noch durch Angabe von Ort und Impuls zu einem bestimmten Zeitpunkt alle weiteren Werte für alle Zeiten t bestimmt werden konnten, sind die Werte für den Impuls in der Quantenmechanik bei einer Ortsmessung vollständig indeterminiert (Kollaps der Wellenfunktion im Zeitpunkt der Messung; siehe dazu die Forschungen und wissenschaftlichen Arbeiten von Heisenberg, Born und vor allem Pauli).
Die statistische Thermodynamik basiert lediglich auf Messprozessen, die wiederum auf Wahrscheinlichkeitsüberlegungen beruhen. Ihre die nicht tiefer greifenden Mechanismen erklärenden Ergebnisse sind mit den Erkenntnissen der Quantenmechanik (d.h. dem Indeterminismus) zu vereinen, um statt einem bloßen Parallelismus festzuhhalten auch Aussagen über die kausale Geschlossenheit der Welt treffen zu können. Und diese Aussagen sind eindeutig: Eine kausale Geschlossenheit ist wissenschaftlich nicht nachweisbar. Auch Einstein konnte bis zu seinem Tode keine gegenteiligen wissenschaftlichen Beweise liefern.
Du solltest dich deshalb der Tatsache stellen, dass deine Versuche, die kausale Geschlossenheit der Welt durch physische Phänomene zu erklären, schon aufgrund der fundamentalen Indeterminiertheit scheitern. Deine Dogmen einer kausal geschlossenen Welt klingen für den Leser nur solange logisch, wie du die deine Logik ad acta legenden Empirien der Wissenschaft ausblendest und dich in einem altertümlichen Glaubenskrieg (der "Offensichtlichkeit") verlierst.
Ich bitte um sachliche Argumentationen, die in ihrer Argumentationskette auf wissenschaftlichen Empirien basieren.
Herzlichst,
Ashitaka
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Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.