Der blinde Wille
Liebe Silke,
Es ist immer wieder ein Gewinn, deine Texte zu lesen und zu durchdenken.
Danke für die vielen wertvollen Gedanken.
Vielen Dank!
Und plötzlich, aus einer Laune heraus?
Kein "plötzlich" sondern "es war soweit".
Keine "Laune", sondern "Determiniertheit".
Das beschreibst du selbst.
"ex nihilo" ist nicht angebracht für das Beschreiben einer
Fluktuation.
Alles dürfte nach meinem bisherigen Wissenstand genauso sein, wie du es
mit sehr schönen Bildern beschreibst.
Mathematiker, Musiker und Anderssprachliche würden es anders beschreiben.
Ich habe, im Gegensatz zu Zarathustra, kein Problem mit "ex nihilo". Nur weil wir uns Dinge nicht vorstellen können, heißt das nicht, dass sie nicht existieren. Außerdem wirft Zarathustras durchdeterminiertes Universum (im Sinne des Kausalgesetzes) einige philosophische Fragen auf, von dem die Frage nach dem Ur-Anfang nur eine ist. Natürlich kann man Letztere mit "Das Universum war schon immer da" gut überspielen (wie Zara das macht), aber damit verschiebt man einen Anfang ex nihilo nur rückwärts in die Ewigkeit und die kausale Frage, warum das Universum ist wie es ist und nicht anders, bleibt damit ohnehin unbeantwortet. Und warum können wir jetzt gerade die Gegenwart erfahren, wenn es doch endlos viel Vergangenheit gibt?
Meine Geschichte ist außerdem rein metaphorisch zu verstehen. Dem in sich ruhenden Gott, der in der Esoterik dem Weiblichen entspricht, muss sich der blinde Wille als männlicher Part beigesellen. Erst dann haben wir die göttliche Paradoxie: das Tao. Erst aus dieser Verbindung bricht der unvollkommene Gott heraus. Der blinde Wille muss sich in die Fesseln von Gesetzen begeben, um überhaupt zielgerichtet wirken zu können. Ein freier Wille, könnte nichts wollen. Er wäre Wille an sich, im Schopenhauerschen Sinne.
Beste Grüße
Phoenix5