Die Geschichte eines Gottes, auf der Suche nach seinem freien Willen

Phoenix5, Montag, 17.10.2016, 23:59 (vor 3428 Tagen) @ Kurt6513 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 00:25

Die Geschichte eines Gottes, auf der Suche nach seinem freien Willen

Autor: Phoenix5
Gewidmet: Kurt

Es war einmal ein Gott, nein, nicht EIN Gott, sondern DER Gott, der vor der Schöpfung allwissend und allmächtig in sich selbst ruhte. In ihm zentrierte sich alles Wissen aller Welten und Zeiten. Er war Freiheit in seiner allerreinsten Form. Alle Gegensätze annihilierten sich in ihm, weshalb er streng genommen gar nicht existierte. Und alle Freiheitsgrade kulminierten in ihm, weshalb er streng genommen gar keine Entscheidung treffen konnte. Er ruhte einfach in sich – so sehr, dass er eigentlich gar nicht da war.

Und plötzlich, aus einer Laune heraus, (er wollte das nicht, denn wie könnte er, der alles war und alles weiß, überhaupt etwas wollen?), einer Fluktuation ex nihilo in sich selbst, öffnete er seinen nichtexistenten Mund und sprach: „Ich…“. Da strömte die Welt aus ihm heraus und er schied sich von ihr. Nun, mit dem Verlust der Allmacht, war und existierte er und er sprach also: „…will“. Da schuf er das erste Gesetz, welches da lautet: Der Wille hat sich dem Ich unterzuordnen und er wurde Sklave dieses Gesetzes. Und das Gesetz manifestierte sich in der materiellen Welt als Naturgesetz. Und je mehr dieser gefallene Gott Sklave seines Ichs wurde, desto mehr Gefallen fand er an seinem Willen, der ihm vom Ich diktiert wurde und desto mehr blähte sich sein Ego auf, um das sich die Welt zu drehen hatte und in seinem Hochmut schuf er sich Wesen in der dritten Dimension, die seinem Willen folgten. Diese Wesen mussten diese vierdimensionale Führung als absolute Freiheit empfunden haben – hätten sie denn empfinden können, denn strenggenommen hatten sie kein Bewusstsein von sich.

Doch der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Und plötzlich, aus einer Laune heraus, (sie wollten das nicht, denn wie könnten sie, die sich unbewusst einer göttlichen Führung unterordneten, überhaupt etwas wollen?) einer Fluktuation ex nihilo im paradiesischen Garten, öffneten sie ihre Münder und sprachen: „Ich…“. Da strömte die Welt in ihr neu gewonnenes Bewusstsein und schied sie von der göttlichen Führung und Gott strafte sie mit ihrer eigenen Vergänglichkeit und so sprachen sie also: „…will“. Und je mehr diese sündengefallenen, aus dem Paradies vertriebenen Wesen Sklaven der Tyrannei ihres Ichs wurden, desto mehr Gefallen fanden sie an ihrem Willen, der ihnen vom Ich diktierte wurde und desto mehr blähte sich ihr Ego auf, um das sich die Welt zu drehen hatte.

Und sie schwadronierten vom freien Willen, der freier war als ihr Ich und freier als die Tyrannei der Gesetze Gottes und doch legten sie Vorräte an und bunkerten Geld, um endlich nicht mehr wollen zu müssen, endlich frei zu sein, vom „freien“ Willen, weil sie nicht begriffen, dass erst der Tod sie von der Knechtschaft des Ichs befreit. Erst im Tod sind sie frei wie Gott es einst war. Erst im Tod sind sie Gott, aber streng genommen existieren sie dann nicht und streng genommen können sie dann auch keine Entscheidung treffen. Und plötzlich, aus einer Laune heraus…

Mit besten Grüßen an dich, Kurt.

Phoenix5

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