In dieser absurdesten aller denkbaren 'Schöpfungen' ist der Hass als Gegenpol so zeitlos wie die Liebe
Kein Mensch mit auch nur einem Hauch an Mitgefühl würde ein derartiges Konstrukt erdenken, geschweige denn realisieren.
Das Unlogische an Zarathustras zeitloser Logik ist ja, dass in ihr alles
eine Ursache hat, nur das Gesamte nicht.
Ja, das Gesamte ist wohl ewig, zeitlos.
Wenn das Universum aber wirklich immer schon existierte, dann bräuchte es
dazu zwar keinen Urknall, und auch keine Ursache, und schon gar keinen
Grund, geschweige denn einen Gott - aber es bräuchte verdammt viel Zeit.
Unendlich viel.
Nein, Logik ist nicht zeitlos. Liebe ist zeitlos.
Der Hass ebenso. Ganze Galaxien vertilgen sich gegenseitig, und nicht nur Du den andern, tausendfach. Wie fühlt sich das an, Ion? Was hilft es, wenn wir uns etwas vormachen?
Liebe hat die Freiheit, als etwas anderes als sie selbst zu erscheinen,
bis sie sich ihrer selbst bewusst wird. Da endet die scheinbare Freiheit,
die wir freien Willen nennen.Denn wenn die Liebe sich selbst erkennt, erkennt sie auch, dass ein
scheinbar freier Wille immer nur eine scheinbare Trennung ermöglichte, sie
aber in Wirklichkeit immer sie selbst war, auch in ihrer abgewandeltsten
Form, dass sie in Wirklichkeit niemals eine Wahl hatte, etwas anderes als
sie selbst zu sein.Aber die wirkliche Freiheit beginnt da, wo der freie Wille endet. Aus der
Odyssee der Liebe zu sich selbst wird das freie Spiel der Liebe.Der freie Fall der Liebe in die Zeit und ihre freiwillige Auferstehung in
die Zeitlosigkeit ihrer selbst erzeugt erst die Bewusstwerdung ihrer selbst
im zeitlichen Spiel mit sich selbst.Gäbe es keine Freiheit, die wir subjektiv als Wahlfreiheit erlebten,
könnten wir uns unmöglich unseres wahren Selbst bewusst werden.Bewusstsein = Liebe und Freiheit.
Das klingt ja alles sehr nett und nach Friede – Freude – Eierkuchen. Die Realität in der sogenannten Schöpfung ist aber eine andere: Gegenpol inklusive. Liebe und Hass ohne Ende im Gesamtkonstrukt und bis zum Ende beim Individuum, weil das ja kein Mensch auf Dauer aushält und früher oder später notgedrungen kapituliert und der Daseinswille erlischt.
"...das menschliche Daseyn, weit entfernt den Charakter eines Geschenks zu tragen, hat ganz und gar den einer kontrahirten Schuld. Die Einforderung derselben erscheint in Gestalt der, durch jenes Daseyn gesetzten, dringenden Bedürfnisse, quälenden Wünsche und endlosen Noth. Auf Abzahlung dieser Schuld wird, in der Regel, die ganze Lebenszeit verwendet: doch sind damit erst die Zinsen getilgt. Die Kapitalabzahlung geschieht durch den Tod."
Debitismus in Reinkultur.
Wenn dem Individuum ganz klar ist, dass Liebe das Höchste ist, und es
nicht mehr bereit ist, in die Niederungen anderer Scheinbarkeiten
hinabzusteigen, heben sich die scheinbare Freiheit, etwas wissen zu wollen
und die ebenso scheinbare wie freiwillige Rückkehr in die Liebe
gegenseitig auf.
Aber das macht nichts. Der scheinbar freie Wille hat ausgereicht, er
musste gar nicht wirklich frei sein, damit ich erkenne, was ich bin.
Liebe sein, weil es das Einfachste ist, man selbst zu sein, und weil es
gar nicht weh tut.
Das ist doch Schönfärberei, Ion, nur die eine Seite der Medaille.
Der Hass wird erst aufgehoben, wenn die Liebe aufgehoben wird.
Darum sehnt sich der Buddhist nach dem Nirvana, dem absoluten Nichts, dem Jenseits von Liebe und Hass. Im Etwas ist das eine ohne das andere nicht zu haben, und darum hat das Individuum früher oder später genug. Auf Dauer hält das niemand durch.
Wissen tut weh.
Es macht einsam. Weil man den ganzen Tag nichts anderes tut, als sich
seiner in Wahrheit illusionären Getrenntheit zu versichern, allein schon
durch die empfundene Trennung vom Gewussten, aber auch durch die Trennung
von anderen Wissenden, vor allem, wenn diese etwas Gegenteiliges wissen.
Seid gesegnetIon
Beste Grüsse, Zara