Gefährliches Gestöpsel
Hallo Kurt
Du schriebst: Dass der Schluss von Determinismus auf Fatalismus natürlich völliger Quatsch ist, hat Dir der fast unendlich geduldige Zara doch schon etwa zwei Millionen Mal erklärt?
Die nicht existende Willensfreiheit darf uns nicht lähmen, eigene Entscheidungen (die keine eigenen sind) zu treffen, weil alle Entscheidungen aller Beteiligten aus "kosmischen Gründen" determiniert sind.
Hier entleert sich schon die Sinnhaftigkeit des Begriffs "Entscheiden", denn was kann noch entschieden werden, was grundsätzlich überhaupt nicht entschieden werden kann?
Unter Entscheidung (englisch decision) versteht man die Wahl einer Handlung aus mindestens zwei vorhandenen potenziellen Handlungsalternativen unter Beachtung der übergeordneten Ziele.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidung
Der Sklave rief: "Ich mußte stehlen, weil es das Schicksal so wollte."
Der Herr antwortete: "Dafür schlug ich Dich, weil das Schicksal es ebenso bestimmte".
Der halbe Determinismus des Sklaven wird vom Herren wieder zum Ganzen vervollständigt.
Man überlegt, weil man überlegen muß, man handelt, weil man handeln muß und man scheißt sich in die Hose, weil es das Schicksal letzten Endes so wollte, weil man zwar rechtzeitig den Druck verspürte, aber die Klotür versperrt blieb.
Doch wenn man sich dann ganz unfrei dazu entschließt
alle Fünfe gerade sein zu lassen, dann darf man es mit seinem Fatalismus nicht übertreiben - weil so war die Idee nicht gedacht.
Und daher erklären einem dann die Forums-Philosophen, warum diese oder jene Bedingung erfüllt sein müssen, um die Definitionen zu retten.
Für das Strafrecht hat das ohnehin keine Bedeutung, weil beide Seiten so handeln, wie sie handeln sollen bzw. müssen.
Moral, Recht und Unrecht haben in diesen Kategorien nichts zu suchen.
Und wenn man im Suff oder Drogenrausch unfreiwillig einen Menschen überfuhr und nicht fähig war seinen Willen unter Kontrolle zu bekommen, weil es diesen freien Willen in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt - es letztlich also egal ist, wie man "drauf" war - wird man dennoch verurteilt, weil man gegen Recht und Gesetz verstieß.
Hauptsache die Zeit wird mit Geschwätz totgeschlagen auch wenn der praktische Nährwert gegen Null strebt.
Doch das ist nicht das wirkliche Problem.
Was wirklich dahinter steckt, wird hier trefflich beschrieben.
Hier werden von reduktionistisch-biologistischen "Fachdeppen" * Vorurteilsmuster zu Lasten des (rechts-)philosophischen Begiffs "freier Wille" formuliert, die überhaupt nicht kapiert haben, dass eine Willensentscheidung immer auch eine "Temporalität" hat, ein temporaler Prozeß, in dem neben Reiz, Reaktion und Entscheidung auch erlernte Muster, Bildung, ganzheitliche Wahrnehmung, Empathie, Denkmuster und Erkenntnismuster UND Bauchgefühl im Spiel sind.
Die reduktionistisch-biologistischen "Fachdeppen stehen damit in der Denktradition des Behaviorismus, des Transhumanismus und Ökonomismus -. der mittels digitaler Vernetzung alle menschlichen Organisationen zu labilen Filamenten macht.
Ich mache die neoliberalistische Umprogrammierung des Menschen vom "narrativ-kulturgeformten und gebildeten Menschen" zum "situativen Zapper" nicht mit, weil ich schon sehe, wohin die ganze Menschheit hinkippt:
Indem die situativen Zapper die Oberhand über die "werte- und bildungsorientierten "Narrativen" gewinnen, haben Trump, Johnson, Erdogan und die deutsche Lügentussi den relativistischen Resonanzboden, in dem Kulturgesellschaften und Demokratien sich über Nacht in Wirrnissen auflösen können.
Mein freier Wille basiert auf gesunder Darmflora als Voraussetzung, um Behavioristen in den Arsch treten zu können!
... Have fun.
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wissen/illusion-freier-wille-jenseits-von-gut-und-boese/1389...
mfG
nereus