Nein. Der Gegenpol zur Liebe ist Umbewusstheit, und die hat ihre beste Zeit schon hinter sich.

Leserzuschrift, Donnerstag, 20.10.2016, 16:22 (vor 3425 Tagen) @ Zarathustra5564 Views

Sehr geehrter Zarathustra


"Der Hass ebenso. Ganze Galaxien vertilgen sich gegenseitig, und nicht nur Du den andern, tausendfach. Wie fühlt sich das an, Ion? Was hilft es, wenn wir uns etwas vormachen?"

Das ist unfair, mich mit Galaxien zu vergleichen. Die Galaxien haben nichts dagegen, vertilgt zu werden. Ich allerdings schon.

Aber vielleicht hast Du recht und ich habe null Mitgefühl, weil ich den Schmerz der Galaxien einfach nicht ertragen kann?

Ich esse meinen Salat nicht, weil ich ihn hasse.
Im Gegenteil. Ich habe eine sehr inniges Verhältnis zum Löwenzahn, den Brennnesseln, dem Giersch und seinen Freunden im Garten.
Ich vertilge Teile von ihnen, sie vertilgen Teile von mir. Wo ist das Problem? Wir haben uns einfach zum Fressen gern.

Und meine Kräuter lieben mich auch. Woanders wären sie schon längst weggemacht. Mach ich mir das nur vor?
Vielleicht mache ich mir auch nur vor, dass ich Mitgefühl mit mir und meinen Gewohnheiten habe, wenn ich ab und zu auch mal was Deftigeres als Unkräutersmoothie esse.

Hat Dich vielleicht als Kind erschreckt, wenn die Mama über den Papa hergefallen ist?

"Das klingt ja alles sehr nett und nach Friede – Freude – Eierkuchen. Die Realität in der sogenannten Schöpfung ist aber eine andere: Gegenpol inklusive. Liebe und Hass ohne Ende im Gesamtkonstrukt und bis zum Ende beim Individuum, weil das ja kein Mensch auf Dauer aushält und früher oder später notgedrungen kapituliert und der Daseinswille erlischt.“


Da stellt sich mir die Frage: Wenn der Daseinswille ein Ende hat, dann muss er doch auch einen Anfang gehabt haben. Wo und wann soll das denn gewesen sein? In einem Dasein, das immer schon da war?


"Das ist doch Schönfärberei, Ion, nur die eine Seite der Medaille.
Der Hass wird erst aufgehoben, wenn die Liebe aufgehoben wird."


Der Hass ist nur eine Spielart der Liebe, während die Liebe nicht nur eine Spielart des Hasses ist.
Das erkennst Du sofort, wenn Du Dir mal erlaubst, von ganzem Herzen zu hassen.
Wie lange hältst Du das durch, ohne Unterbrechung?

Aber wenn Du auch nur ein einziges Mal in Deinem Leben geliebt hast, und wenn es auch nur eine Nanaosekunde lang war, dann kennst Du diesen Geschmack von Zeitlosigkeit für immer.

Was wäre Deine Liebe wert, wenn Du lieben müsstest?


"Im Etwas ist das eine ohne das andere nicht zu haben, und darum hat das Individuum früher oder später genug. Auf Dauer hält das niemand durch."

Alle haben bis heute durchgehalten. Das Individuum (das Unteilbare) sowieso, und nach Deiner Logik sogar immer schon. Die andere Hälfte der Ewigkeit, die uns noch bevorsteht, die schaffen wir auch noch, komm jetzt, echt!


"Darum sehnt sich der Buddhist nach dem Nirvana, dem absoluten Nichts, dem Jenseits von Liebe und Hass."

Worin hat Alles Platz? Im Nichts. Dieses Nichts ist vollkommene Liebe, weil es alles in sich birgt und vollkommene Freiheit, weil es nichts will. Alles reicht ja auch. Und das eventuell schon immer!

Warum bin ich nicht einfach nur Nichts geblieben? Weil ich wissen wollte, dass ich bin.
Was hilft es, wenn wir uns was vormachen, und keiner kriegt´s mit?

Liebe Grüsse
Ion

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