Akausaler Schuhkauf
Liebe Diskutanten,
einige Monate lang war hier im Forum ein Werbebanner zu einem Buch
angebracht. Es war das Buch "Desuggestion" von Edwin Tietjens.
http://www.survivalpress.org/shop/index.php?main_page=product_info&cPath=1_20&p...Ich kann dieses Buch (ich habe erst ca. die Hälfte durchgearbeitet) jedem
wärmstens empfehlen. Die dort genannten Schlussfolgerungen sind für jeden
mittelmäßig gebildeten Menschen leicht zu verstehen.Der "freie Wille" kann nach Studium des Buches für alle Zeiten ad acta
gelegt werden. Weitere Diskussionen erübrigen sich dann.
Das gilt eigentlich schon (mindestens) seit den alten Griechen. Man diskutiert aber auch heute noch darüber, weil auch heute noch viele Leute glauben, in ihren Entscheidungen frei zu sein. Klar ist man frei von diesem und jenem, aber eben niemals frei von Ursachen und Gründen. Entscheidungen sind immer abhängig von diesem und jenem, und demzufolge determiniert (bestimmt).
Wenn diese Frau Brigitte behauptet, Schuhkauf sei viel zu komplex, um determiniert zu sein, dann kann dies nichts anderes bedeuten, als dass sie allen Ernstes glaubt, Kausalität sei a) eine Frage der Komplexität und b) geht sie grundlos und ohne jede Ursache Schuhe einkaufen. Wahnsinn.
Wie hier schon bemerkt wurde, hat die Abwesenheit des "freien Willens"
überhaupt nichts mit Fatalismus zu tun. Sondern nur mit "richtigen" oder
"falschen" Taxismen (Schlussfolgerungen), die sich im Gehirn jedes
einzelnen Menschen eingenistet haben. Deswegen reagiert ja jeder einzelne
von uns völlig anders auf Gegebenheiten und Geschehnisse. Jeder einzelne
sieht die Welt eben nur aus seiner Perspektive, mit seinen Taxismen, mit
seinem Blick auf die Welt.
So ist es.
Der große Verdienst des o.g. genannten Autors ist der, dass ein Weg
aufgezeigt wird, wie diese Taxismen (die z.B. durch gesellschaftliche,
religiöse, anerzogene Dogmen entstanden sind) aufgelöst werden können.
Dadurch lösen sich auch psychologische "Probleme" wie Hemmungen,
unbegründete Ängste, Wahnvorstellungen, Traurigkeit, Nervosität,
diffuser Haß usw. unmittelbar auf.Einfacher erklärt: Taxismen sind wie gefärbte Brillen, die man sich
aufsetzt (oder aufgesetzt bekam!), und fortan alles nur noch rosa oder
grün sehen kann. Aber die meisten Menschen tragen eben nicht nur eine
Brille, sondern viele Dutzend. Dementsprechend ist der klare Blick getrübt
(wie hier gelegentlich zu bemerken). Wenn man die eigene "Hirnmechanik"
verstanden hat, wird es für jeden auch einfach, die eigenen Brillen Stück
für Stück abzunehmen.Anders formuliert: Jeder von uns trägt ein ganzes Bündel von
Fehlvorstellungen mit sich herum. Dieses Bündel aus vielen einzelnen
Stäben kann man nicht auf einmal zerbrechen. Es muss jeder einzelne Stab
aus dem Bündel herausgezogen werden, einzeln zerbrochen werden. Dies ist
der einzige Weg zu umfassender Kenntnis und Klärung des Verstandes.Und – es wächst vor allem das Verständnis darüber, dass der andere
eben nichts dafür kann, dass er so ist, wie er ist. Weil er eben andere
Dinge nur so wahrnehmen kann, soweit seine Taxismen dies zulassen. Einem
Blinden kann man ja keinen Vorwurf machen, dass er blind ist, und dadurch
einen Schaden verursacht hat!*)
Ganz genau. Das ist auch der Grund, weshalb der Neurologe Gerhard Roth das Strafrecht vom Schuldkult befreien will.
Grüße,
R. S.*) Natürlich kann man ihm einen Vorwurf machen, er ist aber sinnlos und
wirft nur ein entsprechendes Licht auf denjenigen, der diesen Vorwurf
äußert!
Sinnlos sind Vorwürfe in der Erziehung und im Strafrecht nicht unbedingt. Wenn jemand Leid verursacht, dann muss man ihm dies schon aufzeigen (vorwerfen/sanktionieren), damit die Wiederholungsgefahr reduziert wird.
Danke und Gruss, Zara