Warum die Illusion des Freien Willens ausreicht, Bewusstsein zu erzeugen.
Wissen braucht die Distanz zum Gewussten.
Das Gesamte kann sich seiner selbst nicht bewusst werden, ohne sich in (wie sich aber erst später herausstellen wird, scheinbare) Getrenntheiten zu begeben (zu inkarnieren).
Das Gesamte wäre ohne Unterscheidungen nur eine bewusstlose Ursuppe.
Erst die Entzweiung (müsste eigentlich Enteinsung heißen) und das Aufeinandertreffen scheinbarer Gegensätze ermöglicht Bewusstwerdung.
Das Unlogische an Zarathustras zeitloser Logik ist ja, dass in ihr alles eine Ursache hat, nur das Gesamte nicht.
Wenn das Universum aber wirklich immer schon existierte, dann bräuchte es dazu zwar keinen Urknall, und auch keine Ursache, und schon gar keinen Grund, geschweige denn einen Gott - aber es bräuchte verdammt viel Zeit.
Nein, Logik ist nicht zeitlos. Liebe ist zeitlos.
Liebe hat die Freiheit, als etwas anderes als sie selbst zu erscheinen, bis sie sich ihrer selbst bewusst wird. Da endet die scheinbare Freiheit, die wir freien Willen nennen.
Denn wenn die Liebe sich selbst erkennt, erkennt sie auch, dass ein scheinbar freier Wille immer nur eine scheinbare Trennung ermöglichte, sie aber in Wirklichkeit immer sie selbst war, auch in ihrer abgewandeltsten Form, dass sie in Wirklichkeit niemals eine Wahl hatte, etwas anderes als sie selbst zu sein.
Aber die wirkliche Freiheit beginnt da, wo der freie Wille endet. Aus der Odyssee der Liebe zu sich selbst wird das freie Spiel der Liebe.
Der freie Fall der Liebe in die Zeit und ihre freiwillige Auferstehung in die Zeitlosigkeit ihrer selbst erzeugt erst die Bewusstwerdung ihrer selbst im zeitlichen Spiel mit sich selbst.
Gäbe es keine Freiheit, die wir subjektiv als Wahlfreiheit erlebten, könnten wir uns unmöglich unseres wahren Selbst bewusst werden.
Bewusstsein = Liebe und Freiheit.
Wenn dem Individuum ganz klar ist, dass Liebe das Höchste ist, und es nicht mehr bereit ist, in die Niederungen anderer Scheinbarkeiten hinabzusteigen, heben sich die scheinbare Freiheit, etwas wissen zu wollen und die ebenso scheinbare wie freiwillige Rückkehr in die Liebe gegenseitig auf.
Aber das macht nichts. Der scheinbar freie Wille hat ausgereicht, er musste gar nicht wirklich frei sein, damit ich erkenne, was ich bin.
Liebe sein, weil es das Einfachste ist, man selbst zu sein, und weil es gar nicht weh tut.
Wissen tut weh.
Es macht einsam. Weil man den ganzen Tag nichts anderes tut, als sich seiner in Wahrheit illusionären Getrenntheit zu versichern, allein schon durch die empfundene Trennung vom Gewussten, aber auch durch die Trennung von anderen Wissenden, vor allem, wenn diese etwas Gegenteiliges wissen.
Seid gesegnet
Ion