Es gäbe Eure Antworten nicht, wären sie nicht verursacht

Zarathustra, Montag, 17.10.2016, 17:03 (vor 3429 Tagen) @ Mephistopheles6270 Views

... und dass sie dies sind und nicht aus dem Nichts kommen, ist so offensichtlich wie kaum etwas anderes.

Indem der amerikanische Physiker und Computerwissenschaftler Seth Lloyd im Jahre 2012 die Theoreme von Gödel und Turing in erweiterte Form brachte und auf die Gesamtheit der bekannten Naturgesetze im Universum anwandte, konnte er beweisen, dass es sich bei jedem physikalischen System unabhängig von Größe und Komplexität um universelle Computer im Sinne Turings handelt. Das bedeutet nichts anderes, als das sämtliche Dinge im Kosmos von einzelnen Atomen über komplexe DNA-Moleküle und organische Nervensysteme, sowie logischerweise auch elektronische und quantenmechanische Computer den gleichen Fähigkeiten und Grenzen der Informationsverarbeitung unterliegen. Und zu diesen Grenzen gehört, dass ein solcher „Entscheider“ im Sinne eines Systems, das Information in Selbstreferenz verarbeitet, nicht wissen kann, wie das Ergebnis dieser Informationsverarbeitung aussehen wird, bevor sie nicht abgeschlossen ist; daher nicht wissen kann, wie seine Entscheidung ausfallen wird, ehe sie nicht endgültig eingetreten ist.

Die Tatsache, dass auch ein menschliches Gehirn im abstrakten Sinne eine universelle Turing-Maschine darstellt macht klar, warum sich Willensentscheidungen bis zuletzt und auch im Nachhinein immer als frei anfühlen und warum die Vorstellung vom freien Willen eine so große Anziehungskraft und Popularität genießt – unter Naturalisten wie Supernaturalisten. Allerdings steht diese aus logisch-informationstheoretischen Gründen wahrgenommene Freiheit des Willens in starkem Widerspruch zu all den altbekannten Forderungen, Geboten und Ableitungen, die aus einem echten metaphysischen freien Willen hervorgehen würden. Fakt ist nämlich, dass kein Entscheider unter den gleichen Bedingungen seiner Informationsverarbeitung, seiner Erfahrungen, weder während des Prozesses oder im Nachhinein in der Lage ist das Ergebnis vorherzusehen, herzuleiten oder anzupassen. In diesem Sinne ist der gefühlte kompatibilistische freie Wille das Gegenteil des theologisch-libertären freien Willens. Das was sich hier wie metaphysische („magische“) Willensfreiheit anfühlt, ist nichts anderes als physikalische Handlungsfreiheit. Natürlich könnte man nach wie vor eben diese Handlungsfreiheit arbiträr als Willensfreiheit bezeichnen. Dann allerdings besäßen auch Photonen, Moleküle, Gestein, Sterne, DNA, Computer und Haartrockner einen freien Willen, was den Begriff trivial und nutzlos machen würde. Fazit: hinter dem inflationär gebrauchten Begriff des freien Willens verbirgt sich entweder physikalische Handlungsfreiheit in Sinne eines kompatibilistischen Freien Willens, deren Konsequenzen das genaue Gegenteil der theologisch-libertären Vorstellungswelt bedeuten, oder aber eine weitgehend sinnfreie Trivialität.

In diesem Sinne,

Wir sind frei, zu tun, was wir wollen, aber nicht frei, zu wollen was wir wollen.“ – Arthur Schopenhauer, rezitiert durch Albert Einstein

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