Unvollkommene Gedankensplitter
Guten Tag,
wieso an ein Konzept der nicht-erfahrbaren Wirklichkeit und nicht an eine erfahrbare Lebenswirklichkeit glauben?
Ich weiß es nicht genau. Die Bereiche beeinflussen sich gegenseitig und die Übergänge sind fließend. Ich halte ein Konzept für die nicht-erfahrbare Wirklichkeit für wichtig, damit ich zu Lebzeiten in meiner Lebenswirklichkeit weniger debitismusmotivierten Scheiß baue.
Es geht nicht darum, an ein Konzept der „nicht-erfahrbaren Wirklichkeit“ zu glauben, sondern an ein Konzept für die „nicht-erfahrbare Wirklichkeit“ zu glauben. Ich betone dieses Detail, weil sicherlich niemand bestreiten wird, dass eine für uns „nicht-erfahrbare Wirklichkeit“ existiert. Der moderne aufgeklärte Mensch interessiert sich dafür natürlich nicht groß und die „nicht-erfahrbare Wirklichkeit“ wird möglicherweise immer kleiner, weil wir wahnsinnig viel zu wissen glauben. Merkwürdigerweise scheinen aber unsere Probleme umgekehrt proportional zu der Schrumpfung der „nicht-erfahrbare Wirklichkeit“ unaufhörlich zu steigen.
Aus deiner Frage meine ich zu entnehmen, dass du mit deiner Tendenz zum Glauben an die erfahrbare Lebenswirklichkeit noch mehr aus der Welt des nicht-erfahrbaren in die Lebenswirklichkeit hinüberziehen willst, um nicht nur an die unbedingte Freiheit des Menschen zu glauben, sondern diese Tatsächlich zu erleben.
So glaube ich z.B. an die bedingungslose geistige und körperliche Freiheit des Menschen.
Bei allem was ich weiß, hat der Mensch noch nie an etwas Bedingungsloses geglaubt. Deshalb kam es auch zum Animismus, als Konzept für die „nicht-erfahrbare Wirklichkeit“. Im Animismus wird jedem Phänomen und jedem Gegenstand, der dem Menschen in seiner Lebenswirklichkeit begegnete, eine nicht-erfahrbare Beseelung als Ursache zugeschrieben. Im alten Ägyptischen wurde dann die Beseelung der Phänomene durch hunderte von Götter und Göttinnen als Ursache erweitert.
Um jetzt vollkommen abzudriften:
Bei den alten Ägyptern soll übrigens laut Assmann die Sorge um das Vor-sich-hin-blubber ein wesentlicher Aspekt der Daseinsvorsorge gewesen sein. Bekanntlich haben die alten Ägypter akribisch die Gestirne beobachtet. Dabei waren die Ägypter, im Gegensatz zu uns, nicht auf der Suche nach besonderen Ereignissen und Erkenntnissen. Es ging vielmehr darum, sich der Kontinuität des Weltenlaufes zu versichern und jedes besondere Ereignis am Himmel soll Anlass zur Sorge gewesen sein. Blubberte aber alles kontinuierlich vor sich hin, so hat der Pharao, der als Gott mit den Göttern und Göttinnen in Kontakt steht, gute Arbeit geleistet.
Noch 1348 kam die medizinische Fakultät von Paris, in einer von Philipp VI in Auftrag gegebenen Studie zu dem Schluss, dass die Pest seine Ursache in einer unglücklichen Konstellation von Mars, Saturn und Jupiter hat.
Mit freundlichen Grüßen
Schneider