Noch viel radikaler.
Ich sehe es nicht ganz so radikal wie SUCRAM und Hinterbänkler.
Ja, es ist sehr radikal. Bin aber sogar der Meinung, noch nicht radikal genug. Wir sind einfach zu sehr in unserer sozialen Erlebnis-, Sprach- und Begriffswelt gefangen, als dass wir die inneren Vorgänge in solchen menschlichen Gemeinschaften mehr als nur erahnen.
Ich gehe
davon aus, dass es Verantwortlichkeitsgefühl und 'schlechtes Gewissen'
auch bei den Indigenen gibt, sobald man irgendwie in Verzug gerät,
Daher muss ich immer Kinder, möglichst normale, nehmen als reellen Bezugspunkt. Ansonsten Berichte, Reportagen, etc. von den wenigen, herrschaftsfreien Gemeinschaften, die dem grundlegenden Einfluss unserer Gesellschaft bisher entzogen haben.
Natürlich wird es auch in solchen Gemeinschaft Konflikte geben, und seien es nur latente. Dafür gibt dann auch wieder Rituale, die kompensieren und neu einstimmen.
Diese kleinen Gemeinschaften sind doch nicht neu, haben viele Jahre überdauert, und sicher ihr soziales System immer mehr verfeinert und perfektioniert.
ABER schlechtes Gewissen? Das Schuldgefühl schlecht hin? Halte ich für nicht-existent. Ich weiß nicht. Ich vergleiche halt immer die Momente, wo ich mit meinen Kindern frei bin, ohne Stress, Druck oder sowas. Dann merke ich, dass bei meinen Handlungen, oder in der Kommunikation zwischen uns keinerlei Zwang existiert. Kein Verantwortungsgefühl treibt mich an. Sondern einfach nur Freude am Zusammensein, am gemeinsamen Kochen und Essen, am Spielen. Natürlich wird auch gefordert, aber diese Forderung hat nichts mit debitistischer Denkweise zu tun.
Wenn meine Frau die Brust gibt, ist das ein Nachkommen einer Forderung, ganz selbstverständlich. Ganz ohne den Druck der Verantwortung, aber natürlich mit Anstrengung und physischer Erschöpfung einhergehend. Niemand lebt im Schlaraffenland.
eben in einer weitaus natürlicheren und weniger exzessiven Form. Auch dort
ist man einem Verbindlichkeitsgefühl unterworfen. Auch dort wird
gefordert, und nicht jeder Forderung wird entsprochen. Auch dort gibt es
Zwiespalt und Abwägen bezüglich liefern oder nichtliefern.
Wie gesagt, ich weiss nicht, ob wir mit der debitistischen Abstraktion weiter kommen.
Und es geht nicht um Idealisieren. Vielleicht eher um den (kläglichen oder lächerlichen) Versuch, etwas Verschüttetes aber intuitiv manchmal noch Hervorbrechendes mit unserem kommunikativen System zu beschreiben, was eigentlich nicht geht, so weit wie wir davon entfernt sind.
Vielleicht kommt es so zur Idealisierung.
Dottores Urschuld-These im Sinne von
Ur-Forderung/Ur-Verbindlichkeit (Ur-Bilanz) hat meines Erachtens noch
niemand überzeugend widerlegt.
Ich habe meine intuitiven Zweifel und unbeantwortete Fragen dazu. Vielleicht dazu später mehr.
Beste Grüsse, Zara
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"Den Staat (oder irgendwas anderes) zu bekämpfen macht ihn nur stärker.
Willst Du den äußeren Staat erschüttern, dann erschüttere den Staat in Dir." (@Konstantin)