Urschuld - habe da so meine Zweifel.

SUCRAM, VLC, España, Mittwoch, 25.11.2015, 15:19 (vor 3723 Tagen) @ Silke9959 Views

Lieber Zara,

schöne Diskussion[[top]]


Ja finde ich auch.

Leider ist die Religion nicht die einzige Instanz, die uns
über Jahrtausende geschunden und geformt hat.
Die weltliche Herrschaft ist eine gleichwertige Instanz, die
ähnlich operiert.

Instanz"ähnlich?" fordert das Leben die Bedienbarhaltung meiner Urschuld
(nicht nur ich als Person sondern Ich als die Meinen, die Gemeinschaft),

Hier sehe ich eben keine Forderung. Keine Instanz. Keine Verantwortung. Forderung lässt Wahl, Du hast aber keine Wahl. Tod ist keine Option des Lebens.
Ich sehe hier nur Autopoiesie, die selbstverständliche, urschuldfreie (ein Moralbegriff!) Selbsterhaltung von biologischen, psychischen (wenn man die als getrennt sehen will) und sozialen Systemen; das was wir als lebendige Natur bezeichnen.

Alle stehen in Wechselwirkung.

Ich habe mich aus meinen Verantwortungsgefühlen heraus in die
Verantwortung zu begeben, die Urschuld bedienbar zu halten und den Zins
beizubringen (nach Schopi) oder die Sanktion Hunger, Durst,
Frieren/Überhitzen, Einsamkeit, usw. bis zur letzten Konsequenz, dem
Bankrott (dem Ende von Körper und Geist von mir oder den Meinen) zu
erleiden und vor mir, vor uns zu verantworten.
Oder gibt es bei indigenen so etwas nicht?

Du hattest nicht die Option, nicht in das Leben zu treten, also nicht zu existieren. Also welche Verantwortung (gar eine "natürliche") sollte sich da ableiten. Welche Schuld? Wenn Du nicht in der Lage bist, dein Grundsystem zu erhalten, dann hörst Du auf zu existieren. Punkt.
Aber da ist doch immer noch keine Schuld da? Oder Verantwortung? Das ist doch irgendwie völlig frei von Moral, ich sehe da jedenfalls keine.
Lebewesen leben, Punkt, ohne Option. Du bedienst, ganz autopoietisch, das Leben, aber keine Schuld.

Debitismus als soziale Komponente, als Kommunikation, als System habe ich verstanden und kann es nachvollziehen. Aber ich glaube nicht, dass sich etwas ausserhalb unserer sozialen Strukturen und deren Geschichte durch einen "universellen" Debitismus beschreiben lässt. Das sehe ich als zwanghaft konstruiert an. Es ist doch auch gar nicht notwendig. Was bringt mir der Urschuldgedanke, welchen Sinn macht das? Die ewige Suche nach dem Sinn des Lebens, wo m.E. keiner definierbar ist ausser das Leben selbst.


Also, indigene Gemeinschaften, soweit sie natürlich herrschaftsfrei sind, haben kein Schuldkonzept. Das ist ihre Freiheit, einfach nur zu leben und es in Gemeinschaft mit Gleichen zu teilen. Ich bin der Überzeugung, dass es da einen Willen, eine gemeinsame Schwingung gibt, die die Handlungen und das Bewusstsein der Einzelnen bestimmen. Ein automatischer Konsens, geübt und verfeinert in vielen gemeinsamen Ritualen. In jedem spiegelt sich die Gesamtheit der Sippe wider. Sowas habe ich bei Musikern erlebt (mein Vater war einer), die in einer kleinen Gruppe plötzlich ohne sichtbare Kommunikation harmonisch und rhythmisch gleich spielen, ohne Absprache, Dirigent, Noten, etc.

Vielleicht sollten wir einen anderen Begriff für das finden, was das "Wissen um das richtige Tun", dieses einfache, schuldfreie, auf die Gemeinschaft konditionierte Machen weil man es eben so und nicht anders "macht", von dem künstlichen Konstrukt der Verantwortung scharf abgrenzt.
Manche sprechen von Instinkt. Ich weiss nicht, ob es das trifft.


Grüsse Sucram

--
"Den Staat (oder irgendwas anderes) zu bekämpfen macht ihn nur stärker.
Willst Du den äußeren Staat erschüttern, dann erschüttere den Staat in Dir." (@Konstantin)


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