Neben Pieks nochmal Oesterdiekhoff und formal-operatives Denken

trosinette, Mittwoch, 02.12.2015, 11:23 (vor 3716 Tagen) @ Kurt9199 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 02.12.2015, 12:04

Guten Tag,

der Soziologe Georg Oesterdiekhoff hat eine umfangreiche Erzählung entwickelt, die sich, wenn ich mich nicht irre, „strukturgenetische Soziologie“ nennt und die geistig kognitive Entwicklung des Menschen unter anderem unter entwicklungspsychologischen, genetischen und anthropologischen Gesichtspunkten beleuchtet. Oesterdiekhoff erklärt damit auch einige Kleinigkeiten wie Religion, Animismus, Zählen und Rechnen, Gewalt und Moral. Er ist aber, wie sollte es anders sein, nicht unumstritten.

Dabei kommt Oesterdiekhoff zu dem Schluss, dass der Mensch seine höchste geistige Entwicklungsstufe, das formal-operative Denken, erst mit der Aufklärung voll ausbilden konnte und vorher das formal-operative Denken weltweit nur Bruchstückhaft oder gar nicht auftrat. Weshalb ich auch weiterhin das Erfinden der Götter und das „gefickte Einschädeln“ von Macht, Beschiss- und Ausbeutungssystemen als polemisch zurückweise, da ich Erfinden und "geficktes Einschädeln" ohne formal-operatives Denken für unmöglich halte.

Wie dem auch sei:

Darüber hinaus vertritt Oesterdiekhoff die Ansicht, dass sich die volle geistige Reife des Menschen nach hinten verschiebt. Hat ein 16-Jähriger von 1920 bereits die volle Erwachsenenreife entwickelt, so lebt ein heutiger 16-Jähriger noch hinterm Mond und erreicht die Erwachsenenreife erst deutlich später. Meine 17-jährige Tochter fragte mich z.B. neulich beim Abendbrot: „wer ist Putin?“. Ich war hin und hergerissen, ob diese Frage als Fluch oder Segen zu verstehen ist.

Im Grunde erhoffe ich mir von Oesterdiekhoffs These der verzögerten geistig kognitiven Reifung, dass sich in einer fernen Zukunft die leidige Erwachsenenreife so weit nach hinten verschiebt, dass sie sich innerhalb einer Lebensspanne nicht ausbilden kann und wir geistig über die kindliche Entwicklungsstufe des Urwaldindianers nicht mehr hinaus kommen.

Dieser Hoffnung können wir uns aktiv annähern, indem wir uns von den lebensverlängernden Maßnahmen des CM strickt fernhalten, was mir allerdings selber nicht so recht gelingen will, da ich mich neben Hinterbänklers grundigsten Biomassen-Mem des „Fressen und gefressen werden“, noch mit einer weiteren grundigsten Mem des Lebens konfrontiert sehe, die ich wie folgt formulieren möchte:

„Es gibt nicht ein Lebewesen, dass nicht alles in seiner Macht stehende tut, um den Zeitpunkt, des gefressen werden möglichst lange hinauszuzögern“

Mir ist klar, dass meine Hoffnung, die ich aus Oesterdiekhoff strukturgenetische Soziologie ziehe nicht wasserdicht ist. Und da ich morgens statt Vollkornmüsli immer einen Clown frühstücke, ist mir auch klar, dass meine Ausführungen mal wieder nicht vollumfänglich dem Anspruch der wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit genügen.

Mit freundlichen Grüßen
Schneider


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