Ich weiß nicht, ob mir überhaupt zu helfen ist

trosinette, Freitag, 04.12.2015, 15:01 (vor 3714 Tagen) @ nemo8679 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 04.12.2015, 15:08

Guten Tag,

ich bin zwar nicht sicher, ob Du wirklich eine Antwort willst, aber ich werde dennoch eine verfassen.

Diese Unsicherheit ist berechtigt. Im Grunde bin ich zu bescheiden, als dass ich großartige Antworten erwarte - liegt vielleicht auch am Alter. Mir geht es mehr um gute sportliche Unterhaltung, die gerne ergebnislos in der Schwebe enden darf. Wenn ich Zara mit meinen Fragen belästige, komme ich mir vor wie ein Mungo, der eine Kobra attackiert und froh ist, wenn er dabei mit heiler Haut davonkommt.

Die Antwort von Zara, auf meine Frage, wieso er seine regenwäldlerische Unschuld verloren hat und auf lebensverlängernde zivilisatorische Errungenschaften zurückgreift, gefällt mir aber außerordentlich gut, weil sie dermaßen universell einsetzbar ist, dass sie die drängende Frage „warum ist die Banane krumm“ gleich mit beantwortet.

Der Inhalt deiner Antwort, die du mir freundlicherweise nahelegst, ist mir im Wesentlichen bekannt. Ich habe in Anlehnung an die Worte von Augustinus nur das kleine Problem, dass ich zwar ganz genau weiß, was Freiheit, Natur, Bewusstsein, Zeit, Macht, Sprache, Kommunikation, Vernunft, Verstand usw. alles ist, aber nur solange ich mir darüber keinen Kopf mache. Und so verläuft meine gedankliche Präzision im Sande, wenn ich mir über die vermeintliche Freiheit, das Wissen, den Verstand und das Bewusstsein der Regenwäldler einen Kopf mache, oder über meine Indoktrinierung, soziale Akzeptanz und geisteskranke Zivilisierung.

Einige Regenwäldler hatten vielleicht einfach nur das Glück, um den Äquator unter konstanten Umweltbedingungen im Regenwald ungestört vor sich hin blubbern zu dürfen, ohne dass dabei ihre Resistenz gegen Unterwerfung jemals auf die Probe gestellt wurde. Als die Konquistadoren in Süd-Amerika auftauchten wimmelte es unter vielen Indianern jedenfalls von Unterwerfung, Versklavung und Tribut, was mich an einer unbestechlichen bewussten Resistenz gegen Unterwerfung zweifeln lässt.

Ich gehe auch davon aus, dass Flüchtlingskrise, Klimawandel und Anti-Diskriminierung für Regenwäldler keine unsinnigen Anliegen sind und der Regenwäldler ist auch nicht soweit bei Verstand, dass er weiß, dass Flüchtlingskrise, Klimawandel und Anti-Diskriminierung nicht sein Problem sind. Der Regenwäldler ist überhaupt nicht in der Lage, sich darüber irgendein Urteil zu bilden.

Er müsste zuerst in Demut erkennen, dass er ein indoktriniertes, unfreies Wesen ist

Demut finde ich gut. Nach einem Marathon halte ich immer ein paar Meter vor dem Ziel für eine Gedenkminute inne, während sich der normale Sportsfreund feiern lässt. Im Gegensatz zum normalen Sportsfreund ist mir klar, dass ich kein freies Wesen bin und meine Fähigkeit Marathon laufen zu können nicht allein auf meinem Mist gewachsen ist. Es soll ja Leute geben, die unverschuldet aus eigener Kraft nicht mal ein paar Meter gehen können.

In diesem Sinne wünsche ich ein Wochenende mit demütiger Freude an den scheinbar kleinen alltäglichen Selbstverständlichkeiten.

Mit freundlichen Grüßen
Schneider


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