Liebe und Verantwortung - nicht verwandt.
Guten Tag,
im Grunde kann ich der Debatte nicht viel abgewinnen,
Na, dafür schreibst Du aber viel.
würde mich aber der
Vollständigkeit halber auch gleich von der Liebe verabschieden. Die Liebe
verstehe ich gemäß deiner „Herleitung“ auch als soziales Konstrukt.
Ja, ich nicht. Sehe die Liebe als eine Art Grundgefühl des menschlichen, wenn nicht sogar des gesamten Lebens an. Und ich meine nicht den Hollywood-Kitsch oder sexuelle Lust. Diese Fähigkeit, zu lieben, kann aber durchaus durch das soziale Umfeld frühzeitig und nachhaltig gestört werden. Debatte damit beendet?
Dieses einzelne Individuum, das frei von irgendwelchen Instanzen wie
Kindern, Eltern, Stamm, Umwelt, Gott, Systemen, Kollektiv, Staat usw. in
der Weltgeschichte rumsteht existiert nicht. Was bringt es mir also, wenn
ich für etwas, was sowieso nicht existiert, irgendwas nicht definieren
kann?
Ja, deshalb wies ich auch darauf hin. Es wird so abstrakt definiert. Auch hier im Forum. Das sogenannte "Verantwortungsgefühl" soll im Individuum hausen, und wenn halt keiner anderer da ist, so hat man eben Verantwortung sich selbst gegenüber. Das sehe ich nicht so. Auch die Vermischung mit dem Urschuldkonzept stehe ich skeptisch gegenüber, wie dem Konzept an sich. (Aber das ein anderes mal.)
Im Gegensatz zur Liebe, die ich durchaus als in jedem Individuum vorhandene und für ihre Existenz von sozialen Strukturen unabhängige Fähigkeit ansehe, die auch selbst-referenziell sein kann, oder?
Warum empfinde ich die "Verantwortungsdebatte" als sinnvoll? Dank @Hinterbänkler, der das Thema erst auf den Tisch brachte, habe ich mir Gedanken gemacht, nochmals nachgelesen und Reportagen geschaut.
Habe mir ein wenig über die Geschichte des Begriffes ein Bild gemacht, und verschiedene Definitionen (die so verschieden gar nicht sind) studiert.
Mir fällt da wirklich auf, dass die "Verantwortung" ein soziales Machtfunktionsmittel ist, ja erst so in die Welt kam. Nichts mit Gefühl. Erst war die Verantwortung eine rein juristische Sphäre, ein Antworten/Rechtfertigen für eine Handlung gegenüber dem Gericht. Dann, noch nicht mal vor allzu langer Zeit erst, hat sich dieses als fester Bestandteil unseres sozialen Systems etabliert. Als eine Art antizipierende Handlungsrichtlinien, gemessen an verschiedensten, auch wechselnde, sozialer Werte. Dabei werden Verantwortungen konstruiert und übertragen (von einer Institution, Person, Gruppe, etc.), oder eben mit vorauseilendem Gehorsam von der Personen selbst antizipiert. ("Verantwortungsgefühl")
Wie man es auch dreht und wendet: Verantwortung heißt Rechenschaft für sein Tun oder Unterlassen. Es ist Teil eines Herrschaftsverhältnis. Es induziert ein Bewusstsein und (sozial-moralische) Zielrichtung seiner Handlung (es rechtfertigt sogar Handlungen, Entscheidungen und Machtausüben da man ja verantwortlich ist!) und setzt die Fähigkeit voraus, eine freie Entscheidung zu treffen. (Deren Existenz ich ja grundsätzlich auch anzweifle).
Und allzu viele fühlen sich tagtäglich für irgendwas verantwortlich, oder werden verantwortlich gemacht. Es wird massiv kommuniziert, ja Verantwortungsbereitschaft ist eine der wichtigsten Tugenden heutzutage bei Arbeit, Sport und Spiel. "Unverantwortlich" ist ja mittlerweile ein übles Schimpfwort, von schwerwiegenden, sozialen Konsequenzen ganz zu schweigen. Das hilft, die Zahnrädchen der Gesellschaft am Drehen zu halten.
Da mein ureigenstes Interesse jedoch die Auflösung des Staatssystem und die Bildung artgerechter soziale Lebensräume für Menschen betrifft (Grundvoraussetzung dafür ist Herrschaftsfreiheit), versuche ich dieses "Gefühl" als das zu sehen, was es ist: Soziale Manipulation, um im globalen, hyperkollektivistischen System zu funktionieren.
Ich sehe es also genau umgekehrt: Das Verantwortungskonstrukt muss verschwinden, in dem es weg vom Individuum auf die Gemeinschaf über geht. Da dies dann keinen Sinn mehr ergibt (es gibt dort keine Entscheidungen - ebenso ein abstrakter, herrschaftsbezogener Begriff, aber das in einer nächsten Debatte
" /> -, die eine Gemeinschaft gegenüber jemanden moralisch rechtfertigen müsste), macht der ganze Begriff und das Konzept dahinter keinen Sinn.
Die natürliche, akephale Gemeinschaft wird als abgegrenztes soziales System immer für sein Dasein handeln, im Einklang ohne dass es dafür Verantwortung bräuchte. (Niemand denkt: Oh, ich fühle mich den anderen gegenüber verantwortlich jetzt mal in den Wald Beeren pflücken zu gehen, sonst.... sonst was? Man geht, und pflückt Beeren, hat Spass dabei und es bleiben sogar welche zum Teilen übrig. Genau so wie das unter kleinen Kindern ist, oder auch bei uns noch in der gesunden frühen Mutter-Kind-Beziehung. Oder nimmt jemand allen Ernstes an, eine Mutter stillt ihr Kind, weil sie bei Unterlassung zur Verantwortung gezogen würde? Sie macht es, weil sie nicht anders kann. (Liebe?)
Mit freundlichen Grüßen
Schneider
Ebenfalls herzlichst, Sucram
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"Den Staat (oder irgendwas anderes) zu bekämpfen macht ihn nur stärker.
Willst Du den äußeren Staat erschüttern, dann erschüttere den Staat in Dir." (@Konstantin)