Kinder, Eigentum, responsabilis und artgerecht.
Hallo @Hinterbänkler et al.
In der von mir als artgerecht beschriebenen akephalen Gemeinschaft hat
keine Mutter ein 'eigenes' Kind.
Das ist alles ein sehr interessantes und komplexes Thema, da hier so viel rein spielt und wir auch nur von unserer Perspektive sehen können, und auch nur das zu uns gelangt, was andere Systeme über ihre Grenzen hinweg nach außen lassen. Noch ein paar ergänzende Gedanken dazu.
Wir nehmen an, es gibt akephale soziale Systeme. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass alle lebendigen = autopoietischen Systeme in ihrem Grundzustand in sich und auch untereinander akephal sind. Einzelne, menschliche Sippengemeinschaften stellen für meine Begriffe z.B. solch ein autopoietischen Grundsystem dar. Eine moderne Kernfamilie nicht. Diese sehe ich als funktionellen Bestandteil der kollektivistisch organisierten Gesellschaft = hierarchisierter Staat an.
Sowohl Eigentum als auch das Konzept der Verantwortung sind m.E. Grundbausteine der Kommunikation unseres sozialen Systems = Hyperkollektivismus. Sie schwingen in allem mit, was unser Bewusstsein empfängt und sendet.
Sie beeinflussen unser Handeln als Individuum, und damit das der Gesellschaft. Und sie machen nur dort drin Sinn. Beides basiert auf eine Kommunikation des Zwanges.
Für Verantwortung muss es eine Instanz geben, der gegenüber ich antworten muss. Dies sind gesellschaftliche, virtuelle Konstrukte, wie Gerichte, Familie, Staat, Gesellschaft, Gott, Umwelt, usw. Mit der Verantwortung vor einem selbst wird dies auf die Spitze getrieben. Wenn nichts mehr bleibt, dann zu mindest man selbst als Individuum. Wer ist denn da die Instanz? Mein Bewusstsein? Mein Wille? Verantwortung ist ein soziales Konstrukt und für ein einzelnes Individuum nicht definierbar. (Ich habe angeblich die Option und den "freien Willen" zu wählen und muss mich dann verantworten für die getroffene Wahl? Dabei wissen wir doch, dass es den freien Willen gar nicht gibt, somit auch niemand an sich verantwortlich sein kann für sein Handeln. Ist schon verzwickt.)
Also: Ich bin der Auffassung, dass Verantwortung ein rein sozialer Begriff ist und nur in Systemen Sinn macht, wo man sich gegenüber hierarchischen Instanzen (ver-)antworten (rechtfertigen) muss. (Gerichte, Gott, Gesellschaft, Chef, Eltern, usw.) Es ist reine Kommunikation, die vom sozial konditionierten Bewusstsein verarbeitet, gewisse Handlungsstränge auslöst. Verantwortlich wäre hier systemkonform, unverantwortlich = nicht konform und mit sozialen Konsequenzen belastet.
Auch die Verantwortung der Versorgung und Erziehung der "eigenen" Kinder ist ein rein sozial induziertes Konstrukt. Es ist eine konstruierte Verantwortung, die mir als Individuum von der Gesellschaft übertragen wird. ("Eltern haften für ihre Kinder"!)
Eigentum gibt es (noch) nicht - das ist ein Konzept des zivilisierten
Menschen.
Und ich denke es gibt nicht mal 'Verantwortung'.
Die gesamte
Sippe ist eine schwarmgebildete Einheit.
Das Mutter-Kind-System würde ich als die kleinste sozialen Zelle bezeichnen , in der es schon oder noch zwanglos kommunikativ zu geht. Bereits ab dem ersten Moment des Seins. Erst als abhängiger Teil des eigenen Organismus, dann beim Anblick des Kindes, durch das Singen und Schaukeln, den Geruch, das Weinen, usw. Alles Kommunikation, die von der Mutter und Kind im Bewusstsein entsprechend aufgenommen wird und spezifische, für das kleine System sinnvolle Handlungen auslöst. Es entsteht eine Prägung und Bindung wenn alles normal läuft und nicht von außen in das System versucht wird einzugreifen (und Verantwortung zu induzieren.) Das Kind ist zufrieden und gedeiht.
Diese Bindung ist sozial äußerst wichtig. Es beeinflusst aber nicht nur das soziale Gefüge, sondern auch das biologische und psychische System. Alle drei sind auf solche Bindungen konditioniert. Das zeigt sich am deutlichsten, wo sie fehlt. Wo Liebe und Bindung fehlen, da werden nebst sozialen Strukturen, auch Psyche und Körper in Mitleidenschaft gezogen. Dann muss das gesamte soziale System wiederum komplexe Ersatz- und Kontrollkonstrukte schaffen.
Und wenn diese nicht funktionieren oder es keine gibt, die sowas automatisch kompensieren, dann kommen Tiefkühltruhen und Blumentöpfe ins Spiel, oder Psychopathen, Massenmord, Hass, Angst, Krankheiten, etc.
Wenn der Zwang der Verantwortung wie jeder Zwang nach gewisser Zeit nicht mehr wirkt oder sich gar in das Gegenteil verkehrt (freiwillige Kinderlosigkeit oder Vielkinderrei, Hass gegen Kinder, Pädophilie, Missbrauch, Gewalt) und auch soziale Ersatzstrukturen wegfallen (erweiterte Kernfamilien, soziale Einrichtungen, etc), dann bricht die Gesellschaft auseinander, es entstehen Parallelgesellschaften, Warlord-Systeme, Subkulturen, Sekten und alles, was da so kommt, bis sich, und da bin ich überzeugt von, wieder natürliche soziale Grundzustände bilden. In sozialen Gruppen, die weder Verantwortung-einfordernde Instanzen noch Eigentum kennen, können dann natürlich auch keine Mitglieder Eigentum eines anderen sein, und damit kann auch kein Individuum Verantwortung über ein anderes haben.
Eine Mutter sieht ihr Kind nicht als ihr Eigentum an. Sie fühlt Liebe und den unbewussten Drang ihm Wärme, Schutz und Nahrung zu geben. In normalen, natürlichen Situationen ist das Kind ständig bei der Mutter. Dort holt es seine Milch , die Nähe und den Rest, den der kleine Organismus und die Psyche braucht. Darauf sind beide konditioniert. Diese Bindung ist meiner Meinung nach natürlich = im System Mensch innewohnend und ich meine es ist sogar egal, ob die Bezugsperson seine leibliche Mutter oder eine andere Mutter ist, Hauptsache Mutter (hier habe ich eine etwas weiteren Begriff). Ich sehe oft Mütter, die plötzlich beim Anblick von fremden, kleinen Babies wieder das gleiche Gesicht machen, das sie bei der Geburt des "eigenen" Kindes hatten. Sie würden sich sofort genauso um dieses Kind kümmern, wenn es notwendig wäre. Nur durch soziale Kommunikation und natürliche Konditionierung, ganz oder gerade ohne den äußeren Zwang und Druck der Verantwortung.
Da ist niemand für das [eigene] Kind verantwortlich.
Ein Kind geht nicht zur [eigenen] Mutter für z. B. Unterstützung, denn
diese bekommt es uneingeschränkt von jedem Mitglied der
Gemeinschaft.
Aber selbst 'Unterstützung' ist schon ein fragwürdiger Aspekt.
Die Menschen sind eher Modelle oder Ursachen für die Spiegelneuronen der
Kinder bzw. umgekehrt.
Die Kinder sind vollwertiger Teil der Gemeinschaft, schutzbedürftiger als Erwachsene vielleicht. Es gibt aber keinen "Verantwortlichen" für die Kinder, und trotzdem (oder gerade deshalb?) funktioniert es ausgezeichnet. Es ist klares Schwarmhandeln: Ein jeder schaut auf die Kinder, ein jeder gibt seine Erfahrungen weiter. Ein jeder erzieht, ohne dafür verantwortlich zu sein. Ohne Instanz, ohne Institution. Es gibt dort keine Adoptionen oder Waisenkinder - und auch keine Kinder in Blumentöpfen und Tiefkühltruhen.
Lieben Gruss Sucram
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"Den Staat (oder irgendwas anderes) zu bekämpfen macht ihn nur stärker.
Willst Du den äußeren Staat erschüttern, dann erschüttere den Staat in Dir." (@Konstantin)