Diesseitigkeit jetzt!
Es sind jedoch mehr und mehr Stimmen zu hören, die auf die Ähnlichkeiten
zwischen den Weltreligionen hinweisen, auf ihren einmütigen Ruf nach
Frieden und Harmonie und ihre wesensmäßige Übereinstimmung. Theologen,
Schriftsteller, Universitätsdozenten, Meditationsmeister, Mönche und
Nonnen rücken zusammen gegen übertriebenen Glaubenseifer, trennendes
Denken und Vorurteile."
Im Besondern wird dort der Vergleich von Kernaussagen des Gautama Buddha
und des Jesu vorgenommen, mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass sie
nicht so weit auseinander liegen, wie oft behauptet wurde, und keineswegs
sehr unterschiedlich sind.
Der Entwicklung des Bewusstseins kommt demnach dabei besondere Bedeutung
zu. Natürlich mit dem Ziel der Auflösung alles Anhaftenden, mithin
letztlich des Bewusstseins selbst.
Hallo azur,
Danke.
Für mich in diesem Zusammenhang interessant ist, was Daniel Quinn in 'The Story of B.' herausgearbeitet hat.
Er hat den wichtigsten Gegensatz zwischen Animismus und allen Religionen, den westlichen wie den östlichen, aufgezeigt:
Die Religionen kommen dem Menschen mit dem Konzept der 'Erlösung'.
Sie diagnostizieren, dass der Mensch diesseits im Jammertal, Rad der Wiedergeburt oder im Leiden lebt und bieten danach auf verschiedene Arten Erlösung daraus oder davon an.
Jammertal und Leiden sind die Bedingungen des Sündenfalls, der Vertreibung aus dem Paradies des artgerechten Lebens.
Im Anbieten der Erlösung (= Auflösung alles Anhaftenden) aus dem diesseitigen Leben sind also alle Religionen gleich.
Frieden und Harmonie - ja, aber nicht hier!
Der nichtzivilisatorische, wilde, animistische Mensch dagegen lebt nicht in einem Jammertal.
Und er will keinesfalls erlöst werden.
Er will diesseits leben und Ja-Sagen.
Danke und Gruß
Hinterbänkler
------------- Bonusmaterial ------------
Gesetzt, wir sagen Ja zu einem einzigen Augenblick,
so haben wir damit nicht nur zu uns selbst,
sondern zu allem Dasein Ja gesagt.
Denn es steht nichts für sich,
weder in uns selbst noch in den Dingen:
und wenn nur ein einziges Mal unsere Seele
wie eine Saite vor Glück gezittert und getönt hat,
so waren alle Ewigkeiten nötig,
um dies eine Geschehen zu bedingen -
und alle Ewigkeit war in diesem einzigen Augenblick
unseres Jasagens gutgeheissen,
erlöst, gerechtfertigt und bejaht.
Friedrich Nietzsche
Aus dem Nachlass der Achtziger Jahre
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...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...
Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'