Die Vertreibung aus dem Paradies

nemo, Freitag, 04.12.2015, 17:08 (vor 3716 Tagen) @ trosinette8921 Views
bearbeitet von nemo, Freitag, 04.12.2015, 17:19

Hallo Schneider,

Diese Unsicherheit ist berechtigt. Im Grunde bin ich zu bescheiden, als
dass ich großartige Antworten erwarte - liegt vielleicht auch am Alter.
Mir geht es mehr um gute sportliche Unterhaltung, die gerne ergebnislos in
der Schwebe enden darf. Wenn ich Zara mit meinen Fragen belästige, komme
ich mir vor wie ein
Mungo, der eine Kobra attackiert
und froh ist, wenn er dabei mit
heiler Haut davonkommt.

Ja, großes Kino. Die Kobra hat halt den Nachteil, dass sie eher stationär
kämpft und dadurch nur eine bedingte Reichweite hat. Außerdem muss
sie auch eine Menge Gift verspritzen, um zu siegen. Aber ich habe mal
irgendwo gehört, dass Mungos durchaus solche Kobra-Bisse überleben.

Einige Regenwäldler hatten vielleicht einfach nur das Glück, um den
Äquator unter konstanten Umweltbedingungen im Regenwald ungestört vor
sich hin blubbern zu dürfen, ohne dass dabei ihre Resistenz gegen
Unterwerfung jemals auf die Probe gestellt wurde. Als die Konquistadoren in
Süd-Amerika auftauchten wimmelte es unter vielen Indianern jedenfalls von
Unterwerfung, Versklavung und Tribut, was mich an einer unbestechlichen
bewussten Resistenz gegen Unterwerfung zweifeln lässt.

Ja, das mag vielleicht so aussehen. Allerdings gibt es auch Einige, die sich bis
heute nicht unterworfen haben und auch weiterhin vor sich hin blubbern.
Und dann gibt es die Geschichte der Maya, die sich freiwillig unterworfen
und den Spaniern all ihr Gold und Land überlassen haben. Nicht um sich
einer Herrschaft zu beugen, sondern weil sie wussten, dass alles was
existiert, Leben ist.

Was dann passierte, war der bedauerliche Umstand, dass sie erfahren
mussten, dass Andere dies gar nicht so sehen und sich vielmehr in der
Rolle gefielen, Anderen vorzuschreiben, wie sie das Leben zu sehen haben.
Die Vertreibung aus dem Paradies.

Demut finde ich gut. Nach einem Marathon halte ich immer ein paar Meter
vor dem Ziel für eine Gedenkminute inne, während sich der normale
Sportsfreund feiern lässt. Im Gegensatz zum normalen Sportsfreund ist mir
klar, dass ich kein freies Wesen bin und meine Fähigkeit Marathon laufen
zu können nicht allein auf meinem Mist gewachsen ist. Es soll ja Leute
geben, die unverschuldet aus eigener Kraft nicht mal ein paar Meter gehen
können.

Vielleicht sollte ich das Wort Demut in diesem Zusammenhang doch noch
erklären. Es soll vermitteln, dass es keinen Sinn macht, Schuldige für die
eigene Unfreiheit zu suchen. Denn das wiederum könnte zu neuen
Verwicklungen führen.

Gruß
nemo


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