Bei DIR habe ich die Hoffnung, dass die Zweifel noch schwinden :-)
Lieber SUCRAM,
Ja finde ich auch.
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Instanz"ähnlich?" fordert das Leben die Bedienbarhaltung meiner
Urschuld
(nicht nur ich als Person sondern Ich als die Meinen, die
Gemeinschaft),
Hier sehe ich eben keine Forderung. Keine Instanz. Keine Verantwortung.
Forderung lässt Wahl, Du hast aber keine Wahl. Tod ist keine Option des
Lebens.
Doch, ich kann die Urschuld per Hungerstreik verweigern und akzeptiere sie damit nicht mehr (Bsp. vom @dottore über nach etwa 60 Tagen tödlich geendeten gemeinsamen Gruppen-Hungerstreik).
Ich sehe hier nur Autopoiesie, die selbstverständliche, urschuldfreie
(ein Moralbegriff!)
Das ist das Riesenproblem beim Urschuldkonzept.
Der Begriff Schuld ist bei uns moralingetränkt.
Eine Schuld ist das normalste in einer debitistischen, also in unserer Welt. Ganz wertfrei, nicht gut nicht böse.
Ich habe mir vor einer Woche Eier zum Backen von Weihnachtsplätzchen von der Nachbarin geborgt - die schulde ich ihr.
Heute habe ich mir neue Eier gekauft und gehe nachher rüber um meine Schuld zu tilgen. Keine Moral weit und breit, nur eine vor einer Woche eingegangene Schuld die heute getilgt wird und damit aus der Welt ist. Für das borgen bekommt sie von mir ein Ei mehr (Zins). Sie hat mir ermöglicht, meine Urschuld (Wunsch nach Plätzchen) beim Backen zum Termin (vor einer Woche)zu begleichen obwohl ich da keine Eier hatte. Sie half mir Zeit zu überbrücken.
Selbsterhaltung von biologischen, psychischen (wenn man
die als getrennt sehen will) und sozialen Systemen; das was wir als
lebendige Natur bezeichnen.Alle stehen in Wechselwirkung.
Völlig richtig. Lauter kleine und große Schuldner und Gläubiger - Zellen, Gewebe, Organe, Lebewesen, Gemeinschaften, Biosphäre, Erde usw.
Ich habe mich aus meinen Verantwortungsgefühlen heraus in die
Verantwortung zu begeben, die Urschuld bedienbar zu halten und den Zins
beizubringen (nach Schopi) oder die Sanktion Hunger, Durst,
Frieren/Überhitzen, Einsamkeit, usw. bis zur letzten Konsequenz, dem
Bankrott (dem Ende von Körper und Geist von mir oder den Meinen) zu
erleiden und vor mir, vor uns zu verantworten.
Oder gibt es bei indigenen so etwas nicht?
Du hattest nicht die Option, nicht in das Leben zu treten, also nicht zu
existieren. Also welche Verantwortung (gar eine "natürliche") sollte sich
da ableiten.
Ich bin ein Gemeinschaftswesen (3-4 Generationen). Ich wurde vorfinanziert von den Meinen, muss zum Unterhalt der Meinen beitragen, sobald ich es kann und wollte meine Kinder vorfinanzieren, die nun ebenfalls zum Unterhalt der Meinen (in dem Fall meine Eltern) beitragen usw..
Welche Schuld? Wenn Du nicht in der Lage bist, dein
Grundsystem zu erhalten, dann hörst Du auf zu existieren. Punkt.
In einer Gemeinschaft wird von den Anderen vorfinanziert wenn ich wegen fehlender Entwicklung oder Krankheit nicht leisten kann (Essen, Trinken, Wärme, Schutz und Sozialkontakte). Dieser Zins (Bedürfnisse, die ich nicht befriedigen kann) muss getilgt werden um die mit meiner Geburt mir gegenüber entstandene Schuld (meinereiner Leben) bedienbar zu halten (Schopenhauer, @dottore, DGF). Wird sie nicht bedient (keine Zinszahlungen) sterbe ich (Bankrott).
Aber da ist doch immer noch keine Schuld da? Oder Verantwortung? Das ist
doch irgendwie völlig frei von Moral, ich sehe da jedenfalls keine.
Lebewesen leben, Punkt, ohne Option. Du bedienst, ganz autopoietisch, das
Leben, aber keine Schuld.
In einer Gemeinschaft gibt es Regeln, Sitten und Gebräuche. Diese inkludieren natürliche Selbstverständlichkeiten.
Alle die können (Vorfinanzierer) kümmern sich um die Jungen/Kranken.
Alle die können (Paktschuldner) kümmern sich um die Mittleren.
Alle die können (Nachschuldner) kümmern sich um die Alten.
Viele in der Gemeinschaft erfüllen zu unterschiedlichen oder gleichen Zeitpunkten diese unterschiedlichen Funktionen mit nur einem Ziel für alle - Zeit überbrücken, die sonst nicht überbrückbar wäre.
Das ist ein riesiger evolutionärer Vorteil, da die Gemeinschaft wie ein Lebewesen agiert, das das Wissen, Können, die Kreativität und die Erfahrung von drei Generationen in sich vereint.
Besser als ein Schwarm, da genau so optimal handlungfähig und reaktionsfähig aber durch die hohe Intelligenz gegenüber Fress- und anderen Feinden und Umwelteinflüssen viel widerstandsfähiger und besser gerüstet für das gute Weitertragen von Leben mit all seinen Entfaltungsmöglichkeiten in einer sich ständig mal schnell mal langsam uns zyklisch ändernden Umwelt, da örtlich und zeitlich flexibler und gleichzeitig stabilerals jede mir bekannte Spezies.
Debitismus als soziale Komponente, als Kommunikation, als System habe ich
verstanden und kann es nachvollziehen. Aber ich glaube nicht, dass sich
etwas ausserhalb unserer sozialen Strukturen und deren Geschichte durch
einen "universellen" Debitismus beschreiben lässt.
Brauchst Du (noch?) nicht glauben.
Ich weiß, dass der Dottore es als Erster und für mich am besten verständlich beschrieben hat.
Das sehe ich als
zwanghaft konstruiert an. Es ist doch auch gar nicht notwendig. Was bringt
mir der Urschuldgedanke, welchen Sinn macht das?
Ich brauche mit meinem "Arbeitsleid" im Leben der Meinen nicht hadern. Ich weiß, warum ich wo hingehöre. Ich kann mit den Meinen in dieser schweren Zeit besser umgehen, ohne Bibel und BGB. Ich verstehe die Welt viel besser als vorher. Ich habe den evolutionären Vorteil einer menschlichen Gemeinschaft.
Die ewige Suche nach dem
Sinn des Lebens, wo m.E. keiner definierbar ist ausser das Leben selbst.
Ja. Sehe ich auch so.
Aber zum Leben brauche ich doch meine Gemeinschaft - meine Jungen und meine Alten und meine Geschwister und meinen Mann mit den Seinen – sonst vereinsame ich und sterbe vor Trauer. Menschen sind Gemeinschaftstiere wie Bonobos.
Also, indigene Gemeinschaften, soweit sie natürlich herrschaftsfrei sind,
haben kein Schuldkonzept. Das ist ihre Freiheit, einfach nur zu leben und
es in Gemeinschaft mit Gleichen zu teilen.
Regeln, Sitten und Gebräuche...
Ich bin der Überzeugung, dass
es da einen Willen, eine gemeinsame Schwingung gibt, die die Handlungen und
das Bewusstsein der Einzelnen bestimmen. Ein automatischer Konsens, geübt
und verfeinert in vielen gemeinsamen Ritualen.
automatisch oder ritualisiert oder Beides?
Was kann ein Säugling, ein Kind, ein Jüngling, ein Mann und ein Greis (weiblich/männlich leisten?
Einzeln wenig, in der Summe sehr viel.
In jedem spiegelt sich die
Gesamtheit der Sippe wider. Sowas habe ich bei Musikern erlebt (mein Vater
war einer), die in einer kleinen Gruppe plötzlich ohne sichtbare
Kommunikation harmonisch und rhythmisch gleich spielen, ohne Absprache,
Dirigent, Noten, etc.
Völlig richtig. Urschuld, die befriedigt wird. Sie müssen kommunizieren in einer besonders schönen Form des Sozialkontaktes.
Wer nicht mitmacht, obwohl er kann, verliert Ansehen und Gruppenhalt bis hin zur Ächtung. Ein Geächteter bankrottiert letztlich mehr oder weniger schneller als ein Gruppenmitglied.
Er hat also weniger Lebenszeit, Lebensqualität und Sicherheit als Gemeinschaftsmitglieder.
Vielleicht sollten wir einen anderen Begriff für das finden, was das
"Wissen um das richtige Tun", dieses einfache, schuldfreie, auf die
Gemeinschaft konditionierte Machen weil man es eben so und nicht anders
"macht", von dem künstlichen Konstrukt der Verantwortung scharf abgrenzt.
Zu Verantwortung und Verantwortungsgefühl habt ihr doch wunderbar geschrieben.
Das Urschuldkonzept ist, wie @Zara auch schreibt, bisher von niemandem widerlegt.
Manche sprechen von Instinkt. Ich weiss nicht, ob es das trifft.
Ein sehr schönes Wort
.
instinguere - anstacheln, antreiben
Was mag uns wohl antreiben?
Vielleicht eine Schuld?
Eine Urschuld?
Liebe Grüße und
danke für Eure guten Texte.
Silke