Aufstiegs- und Lebens-Möglichkeiten in Entwicklungsländern

Olivia, Dienstag, 24.11.2015, 07:03 (vor 3724 Tagen) @ Mephistopheles10727 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 24.11.2015, 07:15

Mephistopheles,

Das ist meiner Ansicht nach eher eine Frage des Alters und weniger die von zu viel oder zu wenig Narzissmus.

Das Thema an sich ging mir natürlich auch bereits durch den Kopf. Meine Tochter hat zwei Staatsangehörigkeiten (die bekam sie automatisch), aber keine zwei Pässe. Sie war nicht daran interessiert, denn das Land, aus dem sie kam, hatte sie nicht in bester Erinnerung.* Sie ist nicht nur Pass-Deutsche, sie fühlt deutsch und fühlt sich deutsch. Ich möchte ihr nicht die Heimat und die Kultur entreißen. Wenn ich beobachte, mit welchem Interesse und welcher Freude sie sich auf komplizierte philosophische, soziologische und psychologische Texte „stürzt“, dann möchte ich sie nicht in eine Weltgegend verbannen, in der SO ETWAS keine gesellschaftliche Bedeutung hat.
Was mich in Europa hält, das ist die komplexe und alte Kultur. Ich hoffe, dass Europa es schafft. Ich hoffe es und will, so weit es in meinen (schwachen) Kräften liegt, dazu beitragen, DASS Europa es schafft.

In der äußersten Not (z.B. Verseuchung etc.) wäre die Ex-Heimat für meine Tochter eine Fluchtmöglichkeit. Im Fadenkreuz der Waffensammlungen von zwei konkurrierenden Großmächten und einer, sich auf dem Kriegspfad befindlichen „Glaubensarmee“, können sich einige Dinge abspielen, die eine schnelle „Ausreise“ erfordern.

Was mich betrifft? Vermutlich werde ich es so machen, wie viele alte Menschen bereits lange vor mir. Da bleiben und sterben, schauen, dass ich niemanden zur Last falle und von niemanden getreten werde. Vielleicht noch ein Pülverchen besorgen, das im Falle eines Falles ein schnelles Ableben ermöglicht. - Es sei denn, ich finde doch noch ein Mauseloch. :-))

*Ich weiß nicht, wie weit dir die gesellschaftlichen Strukturen in vielen Entwicklungsländern bekannt sind. In der Regel Familien- bzw. Clanstrukturen, die keinen anderen (und auch die Bevölkerung nicht) hochkommen lassen. Entwicklungshilfe wird in der Regel in einem hohen Maße zweckentfremdet. Die einheimische „Oberschicht“ benutzt die NGO's als Karriereleiter und für einige Schauprojekte. Die Rolle der Frauen in den ärmeren Schichten der Bevölkerung ist katastrophal, ihre Leben besteht aus „Gebären“. Die Kinder (insbesondere soweit es Mädchen sind und derer zu viele) werden gerne auf die eine oder andere Art „entsorgt“. Wenn sie Glück haben, kommen sie in Waisenhäuser und in die Adoption. Wenn sie Pech haben, in die Prostitution. Als „Ausländer“ bist du willkommen, wenn du etwas „mitbringst“. In der Regel Geld aber kostenlose Kenntnisse und kostenlose Arbeit sind auch willkommen.

Fuß fassen kannst du in solchen Gesellschaften nur über familiäre Bindungen - durch Heirat in eine halbwegs wirtschaftlich gesunde Großfamilie. Ist eine solche Infrastruktur vorhanden, dann eröffnen sich auch für „Ausländer“ wirtschaftliche Möglichkeiten. Es gibt auch die Möglichkeit, mit Geld und über Investitionen „Einlass“ zu finden. Für Menschen „mit Makel“ (Adoption, keine biologische Familie, keine klare gesellschaftliche Zuordnung durch Geburt), ist es sehr schwierig, in solchen Gesellschaften Fuß zu fassen, obwohl sie dort geboren wurden.

SOLCHEN Menschen bleibt nur der Westen, der es auch „Fremden“ ermöglicht, lebendiger Bestandteil der dortigen Kultur zu werden. Ich hoffe sehr, dass es dieser Westen schafft, so wehrhaft zu werden, dass er die willentliche Bildung von Parallelgesellschaften, die an der Zerstörung genau dieser Kultur „arbeiten“, sanktioniert und nicht toleriert. Die Zerstörung "unserer" Kultur leider im Inneren. Die Frage ist, WIE können wir Werte, die uns wichtig sind, tradieren, am Leben erhalten und nicht der Beliebigkeit anheim geben. Dazu muss man sich zunächst aber klar werden, WELCHE Werte das sind!

mit besten Grüssen

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