Gleichzeitigkeit der Dinge?

Hinterbänkler, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 29.10.2016, 19:49 (vor 3418 Tagen) @ Zarathustra4413 Views

Laut Nietzsche können die Begriffe 'Freiheit/Unfreiheit des Willens' der
Realität, dem An-Sich also nicht gerecht werden und sind Mythologie, eine
Welt der Vorstellung, des Gefühls.

Dann schreibt er:
"im wirklichen Leben handelt es sich nur um starken und schwachen Willen"

Das ist meines Erachtens dann auch nur Mythologie und Vorstellung. Wenn
Begriffe wie Freiheit und Unfreiheit bloß die anthropogene Gefühlswelt
ausdrücken, dann gilt dies für die Begriffe 'stark' und 'schwach' doch
genauso.

Was für mich aber vor allem gilt: Was IST und was geschieht, was war und
was wird, ist keine Frage der Möglichkeit. Da ist nichts offen. Im An-Sich
gibt es nicht mehrere mögliche Vergangenheiten und Zukünfte. Die gibt es
nur als Fiktion, als Vorstellung.


Hallo Zarathustra,

selbstverständlich wird kein Begriff der Realität gerecht.
Die Begriffe Freiheit und Unfreiheit verwendet man eher selten - und gar nicht nicht im Kontext, den Nietzsche meint - als Ausdruck der anthropogenen Gefühlswelt sondern zur abstrakten Erklärung der metaphysischen Realität.
Aber wie Nietzsche sagt, soll man sich der Begriffe "nur als reiner Begriffe bedienen, das heißt als konventioneller Fiktionen zum Zweck der Bezeichnung, der Verständigung, nicht der Erklärung."

Also starker und schwacher Wille sind eben - wie Du schreibst - nur Ausdruck der individuellen Gefühlswelten zum Zweck der Verständigung von konkreten Dingen (= mein Gefühl/Eindruck/Wahrnehmung). Mit Freiheit und Unfreiheit gehen wir in den Raum der Erkenntnis bzw. Erklärung von rein abstrakten Dingen.

Zum Punkt, der mich interessiert:

Für eine gute und menschheitsübergreifende Vorstellungswelt der Zeit/Vernunft/Logik haben wir irgendwelche 2,5 Mio Jahre gebraucht, bis wir diese richtig gut 'navigieren' können.

Wenn Du einen vergleichbaren Aufwand (evtl. über eine vergleichbar lange Zeit) zur Wahrnehmung, Kommunikation zwischen und Abstimmung unter allen Menschen annimmst, dann kann man sich sehr gut vorstellen, dass wir ein völlig neues Bild oder Verständnis des dann für uns wahrnehmbaren und interpretierbaren An-Sichs bekommen und vielleicht künftig z. B. die Gleichzeitigkeit der Dinge 'verstehen' und entsprechende Implikationen zunutze machen. Das wäre dann der Bewusstseinssprung zu dem von mir 5D genannten Wahrnehmungsbereich.

Wenn ich beispielsweise die Gleichzeitigkeit der Dinge wahrnehmen und navigieren kann, dann interessiert möglicherweise keine Kausalität mehr...
Für mich ist schon klar, dass es nur eine Realität gibt, aber vielleicht werden wir sie zukünftig nicht mehr als zeitlichen Ablauf wahrnehmen, sondern ihre Gleichzeitigkeit erfassen.

Es ist alles hoch spekulativ, das ist mir klar.
Dennoch interessiert mich was sich demnächst beim Game Over psychologisch und bewusstseinsmäßig tun wird.
Und ich würde den Beginn des einhergehenden Bewusstseinswandels gerne erleben und ihn dann auch ein klitzekleinwenig mitgestalten.

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'


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