Bewusstsein

Kurt, Dienstag, 25.10.2016, 22:55 (vor 3469 Tagen) @ Silke4961 Views

Danke für all die klugen Gedanken lieber Kurt + Mit- und Gegenstreiter,

Danke Dir Silke,

... oder wenn zu umfassend - Hat unser Darmflora Bewusstsein?

Ja, da auch schon ein Einzeller Bewusstsein im Sinne der Autopoiese hat. Sogar bei einer Bénardschen Zelle kann man von Bewusstsein sprechen. Das machen wir bestimmt irgendwann mal noch ein bisschen ausführlicher.

Ist das kein selbstorganisierendes System mit Bewusstsein?

Es ist.

"kein Stoffwechsel, keine Komplexitätsreduktion, keine lokale
Entropieverringerung, keine Autopoiese, kein Bewusstsein"?
@Kurt
(btw. wieso hast du keine
Komplexitätsreduktion
geschrieben?

Komplexitätsreduktion ist ein ganz zentraler Begriff des autopoietischen Erkenntnisprozesses und des Bewusstseins, der sehr viel mit den Begriffen Perturbation, Interpenetration, Systemgrenze und Zellwand zu tun hat.

Geht Leben vom Einzeller zum Schwarm nicht immer mit
Komplexitätszunahme einher?

Ja. Die Komplexitätsreduktion der Autopoiese hat nichts mit der Komplexität des Organismus zu tun. Reduziert wird durch die Beobachtung an der Systemgrenze die Komplexität "des Allein"©Phoenix5, wodurch Beobachter und Umwelt voneinander geschieden werden und gleichzeitig entstehen.

Du erklärst messerscharf, umfangreich und sehr lehrreich, dass etwas, von
dem wir (ich auch [[zwinker]]) annehmen, dass es determiniert ist,
determiniert ist weil es determiniert ist.
Perfekt.
@Ashitaka behauptet nicht zu Unrecht: Wir wissen es nicht. Es könnte auch [ganz anders sein].

Wie gesagt, "redundante Generalnegation" ohne Aufstellung eines Alternativmodells. Führt zu nichts.

Es könnte auch so sein, dass wir uns die Determiniertheit simulieren und uns dadurch
stabiler fühlen und sicherer durch die Wirklichkeit torkeln, indem wir uns
eine Realität schaffen.

Ja. Nur simulieren wir nicht Determiniertheit (denn diese stimmt mit allen Naturgesetzen überein) sondern Willensfreiheit (denn diese stimmt mit keinem Naturgesetz überein). Jemand hat hierzu kürzlich etwas von "Leitplanken" geschrieben, das war super zutreffend. Hinterbänkler?

Gehe ich richtig in der Annahme, dass vor ein paar Mrd./Mio./Tsd. Jahren:
- aus Energie anorganische "Materie" wurde,
- daraus organische
- daraus Komplexe, Zellen, Lebewesen bis hin zum größten
Einzellindividuum
der Welt,
- die in ihrer Entwicklung Gemeinschaften/Horden/Sippen/Clans/Lineages und
Schwärme/Herden und unglücklicherweise Gesellschaften/Staaten bildeten
(was selbstredend auch wieder alles Lebewesen sind)?

Ja

Diese geistigen Möglichkeiten formen die materielle Welt um uns herum.
Alles natürlich nach meiner Annahme vollständig determiniert und in
Kausalketten verwoben.
Aber da bin ich mir nicht sicher – ich weiß es nicht sondern vermute
auf Grund empirischer Beobachtungen.

Ja. Determinismus stimmt mit allen empirischen Beobachtungen überein. Indeterminismus/Willensfreiheit stimmt mit keiner empirischen Beobachtung überein.

Der Mond sind zwar da, wenn ich nicht hinschaue, aber erst ich gebe
ihm alle Eigenschaften, die ich ihm auch zuschreibe wie sein
schönes strahlen und die Sache mit Ebbe und Flut.
Da geht ein Indigener ganz
anders
ran.
Und Bonobos
auch.

Ja. Die subjektive Mondhaftigkeit des genannten Himmelskörpers wird im Gehirn mittels Autopoiese "operational geschlossen"©Maturana erzeugt. In jedem Gehirn anders, in ähnlichen Gehirnen ähnlich. Über die operationale Geschlossenheit bzw. angeblich sogar informationelle Geschlossenheit des Gehirns muss wahrscheinlich mal noch ausführlicher diskutiert werden. Da fehlt nämlich meines Erachtens noch eine Komponente in der offiziellen Lehre der Autopoiese. Diese dort fehlende Komponente ist im Gelben Forum jedoch zum Glück schon sehr schön herausgearbeitet und kann hoffentlich bald in die Autopoiese integriert werden. Und dann bleibt vielleicht nur noch eine (1) Frage abschließend offen :)

@Ashitaka hat IMHO. Recht, wenn er formuliert "ein Sack Reis braucht erst
noch mich, um ein Sack Reis sein zu können, als ein Sack Reis mit all
seinen Merkmalen von mir definiert.

Ein Sack Reis braucht nur sich selber, um zu existieren.
Er braucht ein ganzes Universum und Dich obendrein, um wahrgenommen oder gar simuliert zu werden. Wahrnehmung oder gar Simulation ist Fantastillionen mal komplizierter als Sein.

Ein nicht wahrgenommener Sack Reis geistert in all seinen Bestandteilen
vollumfänglich im Universum herum oder?

Ein nicht wahrgenommener Sack Reis existiert. Er existiert natürlich nicht als Sack und auch nicht als Reis.
Jedes autopoietische System wird ihn als etwas anderes wahrnehmen. Du und ich nehmen ihn als Sack Reis wahr. Die Darmflora, die Katze und die Amöbe als etwas anderes.

Warum gibt

es

Etwas und nicht Nichts[/link]


"Die Sonne. Sonnenwärme, Weltall-Kälte und Zeit genügen, um von alleine
hochentwickeltes Leben hervorzubringen"
@Kurt

Was wäre, wenn es keiner sieht?

Dann wäre es "Das Allein"©Phoenix5.

Aber wir sollen ernsthaft behaupten, dass Bewusstsein nicht auch eine
Evolution durchläuft, die wir kaum verstehen - ergo hängt bei uns
Bewusstsein nur an den kleinen grauen Zellen und vergeht wenn diese
absterben?

Ja. Allerdings wirken die Schwingungen weiter.

Gute Nacht
Kurt

--
Für das verantwortlich zu sein, was ich sage, ist eine Sache.
Aber dafür verantwortlich zu sein, was jeder, der in meinem Leben vorkommt,
sagt oder tut, ist eine ganz andere Sache.


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