Was ist das Denken?

Falkenauge, Sonntag, 23.10.2016, 14:16 (vor 3424 Tagen) @ nemo5561 Views

Das Denken wurde eingefroren und muss wieder in Bewegung versetzt werden.
Das geschieht wohl nur durch den Druck einer umfassenden Krise und mit der
Einsicht in die Notwendigkeit.

Ja, das ist so.
Wir können das Denken aber nur wieder auftauen und in Bewegung setzen, wenn wir erkannt haben, was das Denken eigentlich ist und welche Bedeutung es in der Erkenntnis und im Verhältnis zur Welt hat.

Zunächst müssen wir die Begriffe und Ideen des Denkens von den Wahrnehmungen unterscheiden, die gewöhnlich blitzschnell miteinander verbunden werden, aber unterschiedlichen Ursprung haben. Wenn wir uns willentlich des Denkens vollkommen enthalten, bleiben uns die Wahrnehmungen, wie jeder leicht feststellen kann, völlig unverständlich. Wir nehmen zwar bewusst wahr, aber was wir wahrnehmen, wissen wir nicht. Die Welt stellt sich uns als eine Mannigfaltigkeit von Einzelheiten dar, die im Nebeneinander des Raumes und im Nacheinander der Zeit zusammenhanglos erscheinen. Das, was sie sind und in welchem Zusammenhang sie untereinander stehen, verraten sie nicht; es haftet ihnen als reine Wahrnehmungen nicht an.

Wenn wir unser Denken, das wir bis jetzt künstlich zurückgehalten haben, an den einzelnen Wahrnehmungen in Tätigkeit setzen, gegenüber den Wahrnehmungen die verschiedensten Begriffe bilden und diese mit den Wahrnehmungen verbinden, hellen sich die Wahrnehmungen auf und wir erkennen, was sie sind und wie sie mit anderen Wahrnehmungen zusammenhängen. Es wird uns klar, was im Denken erscheint: das Wesen der Wahrnehmungen und ihr ideeller Zusammenhang. Da diese in den Wahrnehmungen selbst – wie wir gesehen haben – nicht enthalten sind, können sie auch nicht aus den Wahrnehmungen in das Denken herüberfließen; sie werden von unserem Geiste selbständig erfasst und zu den Wahrnehmungen hinzugefügt.

Alles, was außerhalb des Denkens wahrgenommen wird, zeigt sich nur als rätselhaftes Phänomen, gleichsam als leere Schale, die dazu auffordert, den dazugehörigen Kern und Inhalt, ihren Sinn woanders, nämlich im Denken aufzusuchen. Die Begriffe des Denkens brauche ich dagegen in ihrem unmittelbaren Auftreten nur festzuhalten; mit der Form ist ihr Inhalt mitgegeben. Indem wir das Denken beobachten, stehen wir nicht einer fremden Wahrnehmung gegenüber, sondern einer solchen, die, von uns selbst hervorgebracht, ihren Erklärungsgrund in sich trägt. Wenn wir das Denken beobachten, können wir das nur wieder mit Hilfe des Denkens selbst tun. Wir bewegen uns innerhalb desselben Elementes. Im Denken haben wir ein sich selbst tragendes Prinzip, das, zwar angeregt von den Wahrnehmungen, aber unabhängig von ihnen eigene Inhalte in Form von Begriffen und Ideen hervorbringt und zu den wahrgenommenen Erscheinungen hinzufügt.

Dies hat wichtige weitere Erkenntnisse zur Folge.

Gruß
Falkenauge


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