Ich möchte provokativ mal einen Versuch machen, die Indeterminiertheit zu retten ;-)

Hinterbänkler, Schweiz - tief im Emmental, Sonntag, 23.10.2016, 01:49 (vor 3425 Tagen)7965 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 23.10.2016, 13:46

...allerdings ohne dem Zufall zu applaudieren!

Jetzt dürft ihr also gern mal alle auf mich draufhauen!
Von mir aus braucht Ihr nicht gesperrt werden.

------- Disclaimer -------
Alles Folgende ist subjektiv, es erhebt - obwohl möglicherweise klar und pointiert formuliert - nicht den Anspruch die Wahrheit zu sein, sondern es sind schlichte Erzählungen oder subjektive Ableitungen aus meinem persönlichen Weltbild.
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Hallo in die gelbe Runde!

Daniel Quinn hat mich durch sein Werk 'The Story of B' auf die Idee gebracht, warum der homo sich vom affenähnlichen Vorfahren als eine eigene Art abgesetzt hat: durch seine neue Jagdmethode: Er hat gelernt Spuren zu sehen, zu 'lesen' und zu interpretieren. Das dürfte so vor ca. 2,5 Mio Jahren gewesen sein.

Einige Implikationen davon sind:
- Nach dem 3D-Raum wurde eine 4. Dimension ge- oder 'erfunden': die Zeit als Achse zwischen Vergangenheit und Zukunft. Davor konnten wir problemlos bereits die räumlichen Dimensionen navigieren (verstehen und anwenden), jetzt kommt die Navigation der 4. Dimension: Vergangenheit und Zukunft sind neue Bereiche unserer Vorstellung.
- Lesen von Symbolen
- Verstecken von Informationen in Symbole
- Erfassen von 'Geschichten', die wir uns seitdem erzählen und die immer eine zeitliche Entwicklung haben.
- Ohne Zeit keine Entwicklung von Dingen im Raum und keine Geschichten.

Viele Millionen Jahre gab es im Bewusstsein der Lebewesen überhaupt keine Zeit.
Alle nahmen alles, wie es jeweils im Moment eben war.
Es gab nur Resonanzen zur Umwelt eines Lebewesens auf der Ebene des Raumes ohne zeitliches Denken ("Was muss ich jetzt machen, um morgen ausschlafen zu können?").
Winterspeck wurde intuitiv angelegt.
Insofern wurde eine wiederkehrendes zeitliche Gegebenheit durch die Evolution in die Intuition integriert, aber eben nicht reflektiv bewusst.

Die Möglichkeit Spuren zu hinterlassen (z. B. Fußabdrücke) waren für die Lebewesen allerdings schon viele Millionen Jahre gegeben. Man kann heute ja noch 65 Mio Jahre alte Abdrücke von Saurieren oder 100 Mio Jahre alte tote Fliegen in Bernstein finden.
Sie bekommen allerdings erst durch unseren forschenden Geist eine Bedeutung oder Sinn.
Ohne unseren Geist sind es keine Spuren und sie erzählen einfach keine Geschichte.
Und Spuren sind es auch nur für uns, denn sonst tangiert das nichts und niemand - nichts und niemand kann Spuren isolieren und ihnen eine Bedeutung geben.

Wir Menschen haben aus den unendlichen und chaotischen Informations- oder auch materiellen Strukturen des Universums 'Elemente' differenziert und sinnhaltige Zusammenhänge gegeben.
Im Laufe der 2,5 Mio Jahre haben wir extrem viele Spuren differenziert und vielen davon weiteren Sinn gegeben, wie wir auch viele Spuren haben, die noch keinen Sinnzusammenhang bekommen haben.
Dafür leisten wir uns die ganze Wissenschaft, damit Spuren gefunden und diesen Sinn gegeben wird.

Mittlerweile können wir fast gar nicht mehr im sogenannten 'Hier und Jetzt' leben oder so 'einfach' denken, was für uns zum Beginn als homo problemlos möglich war.

Zudem ist es nur als Kollektiv/Schwarm uns möglich untereinander die gleichen Elemente zu differenzieren und Sinn zu geben.
Einem Menschen, der nicht im Kollektiv und im Feld unserer Denkweise aufwächst, ist es nicht möglich die gleichen Elemente zu differenzieren und ihnen einen ähnlichen Sinn zu geben.
Umgekehrt werden wir nicht seine Denkweise verstehen.
Es gibt beispielsweise Stämme, für die ihre Traumwelt realer ist, als unsere Vorstellung von der Wirklichkeit.

Das An-Sich, All-Eins, holistische Universum - wie immer man es nennen mag - ist nur eine unendliche und chaotische Informationssuppe ohne jeglichen Sinn, Ästhetik, Dimension, Logik, Ursachen, Zufall...
Wir Menschen differenzieren für uns entsprechend unserer Kultur und Sozialisation daraus alles, was wir erleben und verstehen.
Es ist überhaupt nicht sicher, ob eine Katze eine Maus als graues flauschiges Ding mit Knopfaugen und langem Schwanz sieht, oder ob es nicht einfach 'wilde Energien' oder '007-0815-r2d2' für sich aus der Informationssuppe destilliert.
OK, sie bewegen sich sich in 'unserem dreidimensionalen Raum', aber, dass sie aus denselben Informationen auch einen Raum wie wir wahrnehmen, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Determination, Kausalität, Bedingtheit, Freiheit oder Zufall ist Denken in Begriffen und Vorstellungsbedingungen auf der Ebene der 4. Dimension Zeit.
Wir können es aufgrund von 2,5 Mio Jahren nicht mehr lassen anders zu denken.

Der kommende Bewusstseinssprung vom homo zum Übermenschen - wenn er denn kommt - wird ein zusätzliches Differenzieren der Ursuppe und Zusammenbauen von neuen Elementen zu einer komplett neuen Welt zum Inhalt haben.

Determination, Kausalität, Bedingtheit, Freiheit oder Zufall werden eher keine dominanten Begriffe mehr sein und im dann 'Das Bunte Forum' wird man sich nicht mehr darüber die Köpfe einschlagen.
Denn bereits jetzt lässt die Quantenphysik - als möglicher Vorläufer der künftigen Weltvorstellung - schon nicht mehr die Wirkung der Ursache folgen oder die Zeit vorwärts schreiten, sondern wohl auch umgekehrt.

Und ich bleibe dabei, dass wir dann auch nicht mehr in einer debitistischen Welt leben werden, weil wir die zugrundeliegende Kausalität überwinden werden.

So, oder so ähnlich.

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'


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