statistisch ≠indeterministisch
Gunahmnt, und nur kurz hierzu:
wir [wissen] es nicht genau, aber im Quantenbereich [könnten] echte statistische
Prozesse vorliegen. Wie ein Determinist im Sinne eines echten
Beweises aus Überlegungen über Makro-Gegenstände schlussfolgern kann,
dass im Quantenbereich keine statistischen Prozesse vorliegen können, ist
mir in keiner Weise klar. Und ich sehe auch nicht, wo es im Text klar wird
(außer dadurch, dass es einfach behauptet wird).
Achtung: statistische Prozesse (z.B. Quantenprozesse) sind natürlich noch lange nicht deswegen indeterministisch, weil sie (unstreitig) statistisch sind!
OK schreib ich halt gleich noch mein neues Randargument zur Quantenmechanik hin.
Es wird von Indeterministen ja immer angeführt, der (quantenmechanisch bedingte) Teilchenzerfall sei ein Beweis für den Indeterminismus auf Quantenebene. Weil man also bei einem bestimmten Teilchen nicht vorhersagen kann, wann es zerfällt, sei der Zerfall indeterministisch, also ohne Ursache.
Das ist ja auch so schon quatschreligiöser Stuss nach dem beliebten Standardmotto: Nur weil ich die Ursache von etwas nicht erkennen [sic] kann, muss es das unsichtbare Spaghettimonster gewesen sein.
So, jetzt kommt aber noch hinzu: der radioaktive Zerfall gestaltet sich ja so, dass nach der Halbwertszeit von z.B. exakt soundsovielen Stunden oder Jahren das Klump exakt zur Hälfte zerfallen ist. Zieht euch zur Verdeutlichung das hier rein (ist natürlich nur ein Beispiel, Aussage gilt ähnlich für alle Teilchenzerfälle):
Forscher messen genaue Halbwertszeit von seltenem Eisen-Isotop
Mit ihren jüngsten Experimenten bestätigen die Forscher nun die Messungen aus dem Jahr 2009 und lösen somit das Rätsel um eine langjährige Unstimmigkeit auf diesem Gebiet. Die genaue Halbwertszeit des radioaktiven Eisens-60 wurde nun auf 2,6 Millionen Jahre festgesetzt.
Wallner führt weiter aus: "Durch diese Erkenntnis lässt sich das Isotop nun als präzise kosmische Uhr, also als natürliches Archiv zur Erfassung von Zeitabläufen im Universum, verwenden".
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: der angeblich "ohne Ursache", also beliebig, idiotisch, ex nihilo stattfindenden Teilchenzerfall folgt derart exakten Gesetzmäßigkeiten, dass man ihn als kosmische Stoppuhr verwenden kann.
Was für ein unglaublicher Stuss ist es eigentlich, unter diesen Randbedingungen zu behaupten, ein Teilchen zerfalle "ohne Ursache", und daraus die indeterministischen Fressklöße des freien Willens abzuleiten?
Das ist ähnlich bescheuert wie folgende Analogie:
Per annum sterben leider ziemlich genau 4.000 von 80 Millionen Deutschen im Straßenverkehr. Verdammt viele, allerdings verdammt viel weniger als im blutigen Gemetzel der späten Sechzigerjahre, wo es vergleichsweise kaum Autos, aber 20.000 Verkehrstote p.a. gab.
Wie auch immer: Jedes Jahr sind es fast genau gleich viele! Nur wen es erwischt, ist einfach nicht vorhersagbar! Verdammt!
Leider muss die Wissenschaft daher abschließend feststellen, dass es bei noch so genauer Betrachtung des Individuums Hrn. Max Mustermann sowohl praktisch als auch theoretisch absolut unmöglich ist vorherzusagen, ob Herr Mustermann dieses Jahr im Straßenverkehr versterben wird oder nicht.
Es muss also ganz offensichtlich im Hrn. Mustermann drinnen ein indeterministischer Vorgang stattfinden, der unwiderlegbar ex nihilo bestimmt, ob Hr. Mustermann dieses Jahr im Straßenverkehr versterben wird.
Stuss im Quadrat: sowohl der Stuss-Schluss von "Nichterkennbarkeit" auf "Nichtdeterminiertheit", als auch die Blindheit gegenüber der stets exakt determinierten [sic] Halbwertzeit.
--
Für das verantwortlich zu sein, was ich sage, ist eine Sache.
Aber dafür verantwortlich zu sein, was jeder, der in meinem Leben vorkommt,
sagt oder tut, ist eine ganz andere Sache.