Was ist eigentlich ein Naturgesetz?
Hallo werter CM!
Nun auch auf die Gefahr hin, dass ich dir nun fürchterlich auf die Ketten gehe …
Aber es gibt zwei Dinge, die ich in den letzten Wochen lernen durfte:
a) dass, anders als ich glaube, in meiner Jugend, man heute in der
Mehrzahl durchaus sonst gebildeter Kreise nicht mehr zu wissen scheint, was
ein Naturgesetz ist (es vielmehr fuer ein "emergentes" Phaenomen haelt, das
sich auch mal aendern koennte - schliesslich herrscht ja Gedankenfreiheit)
Zu dieser unangenehmen Sorte von Leuten, die „nicht wissen, was ein Naturgesetz“ ist, will ich natürlich nicht gehören, und so habe ich mich selbst erst einmal gefragt: was ist eigentlich ein Naturgesetz? Zum Glück gibt es ja heute das Internet. Bestimmt finde ich doch auf Wikipedia eine übersichtliche Tabelle mit Naturgesetz Nr. 1 … , Naturgesetz Nr. 2 … , usw.. Gefunden habe ich nun das hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Naturgesetz
Ich will es mal so formulieren: Natürlich (!) glaubt jeder vernünftige Mensch an die Existenz von „Naturgesetzen“, nur … wir kennen sie natürlich (!) nicht. Oder wurde jemals eine alte Steinplatte ausgegraben, auf der die Naturgesetze vielleicht von Gott, oder einem seiner Beauftragten eingraviert wurden? Über die Naturgesetze können wir allenfalls Theorien aufstellen, und Theorien sind grundsätzlich nicht beweisbar – nicht endgültig. Unter dem Begriff „Ockhams Rasiermesser“ wird nicht erklärt, wie Theorien zu beweisen sind, sondern nur, unter welchen Gesichtspunkten wir unter konkurrierenden Theorien die zu bevorzugende auswählen – und natürlich (!) beinhaltet Ockhams Rasiermesser ebenfalls nur eine Theorie.
Es wäre schon schön, könnten wir alle in einer Welt leben, in der wenigstens die Naturgesetze bekannt wären. Denn dann bräuchtest vermutlich nicht nur du, CM, weniger zu stöhnen.
und
b) dass - womoeglich als Ausfluss von a) - es unmoeglich ist, logisch
stringent und kohaerent zu formulieren oder zu erwarten, dass Behauptungen
belegt werden. Oder wenn sie "belegt" werden, dann nicht einfach mit der
Behauptung eines andern, d.h. einer weiteren Erfindung.
Bei allem, was ich so höre, könnte man annehmen, dass frühere Zeiten (auf welche du hier voller Wehmut zurückblickst) dogmatischer waren, als die heutigen. Bei einem Dogma handelt es sich um den nun willkürlich (autoritär) herbeigeführten Abbruch einer Beweisführung. Im Prinzip auch nicht zu verübeln, denn dessen Fortführen führt ja eh nur in einen Infiniten Regress, oder in einen Zirkelschluss – wie uns das Münchhausen Trilemma lehrt. Also gut so. Die einzige Frage die offen bleibt lautet nur: wer hat die Autorität? Lass mich raten: etwa du werter CrisisMaven? Wie begründest du wohl aber deine Autorität? Mit der Faust vielleicht? Oder beklagst du hier gerade nur einen vermuteten Verlust an Autorität?
Du wirst dich sicher an unser kurze Unteredung in der selben Angelegenheit leicht erinnern können. Es mag ja vielleicht schwer sein „ logisch stringent und kohaerent zu formulieren“, aber nichts ist leichter, als „Belege“ einzufordern. Leicht könnte solches dabei sogar zur ultimativen Versinnbildlichung von Stupidität geraten.
Auch ich habe keine Ahnung, wie man eigentlich unter solchen Voraussetzungen Streit vermeiden soll. Offenbar leben wir eben einfach nur in der schlechtesten aller vorstellbaren Welten. Nicht einmal „Naturgesetze“ können eine Debatte beenden. Vielleicht wäre das ja aber auch nur langweilig?
Und zu b) stelle ich fest, dass ich von Beginn an das "Web 2.0" aufmerksam
verfolge und daher glaube, statistisch gesichert feststellen zu koennen,
dass seit ca. fuenf Jahren mit zunehmender Tendenz das logische Denken
komplett abgeschafft wird.
Ja, hier wäre ich allerdings auch mal auf deine Belege neugierig.
Schöne Grüße
--
... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...