Danke fuer Deine immense Arbeit, aber ich muss dennoch betonen, dass ich diese Diskussion hier nicht eroeffnen wollte ...

CrisisMaven ⌂, Sonntag, 15.11.2015, 19:26 (vor 3732 Tagen) @ Kurz_vor_Schluss5568 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 15.11.2015, 19:35

Das Eine ist Deine Argumentation, die mir gegenüber nereus die schwächere zu sein scheint – denn Du ziehst Dich auf diesen „Verbrechen ist Verbrechen – egal, ob hundert oder eine Million“ -Grundsatz zurück, denn ich auch schon anderswo gehört habe.

Nicht wirklich. Es ging die ganze Zeit, das war mein Anfangspunkt, um die Frage, ob Haverbeck mit ihrer selektiven Vorgehensweise recht haben koennte. Bloss, weil man in der Naehe eines Tatortes war, heisst das nicht, dass, wenn man nichts gesehen hat, nichts passiert ist. Andere haben es gerochen.

Gerade dieser Tage wurde eine Mutter verhaftet, die in einem Mehrfamilienhaus acht Babies entbunden und getoetet hat und keiner hat was bemerkt. Keinen dicken, ploetzlich duenneren Bauch, keinen Geruch, nichts. Angeblich. Rentner liegen regelmaessig tot in Wohnungen und keiner denkt sich was dabei.

Wenn man einerseits viele Zeugen umbringt, andere einschuechtert und die dritte Kategorie, die Taeter, wissen, dass sie bei wahrheitsgemaesser Darstellung nur verlieren koennen, mindestens die Freiheit, oft das Leben, dann ist das keine gute Voraussetzung fuer Historiographie.

Und es ging, in einem andern Zusammenhang, um die Frage, ob das Internationale Militaertribunal IMT in Nuernberg darum, weil es nicht an Beweisregeln gebunden gewesen sei, Unrecht gesprochen habe. Das aber ist gerade eine Errungenschaft der modernen Rechtspflege. WENN also das IMT Unrecht gesprochen hat, dann eben aus anderen Gruenden!

Ich hatte auch oefter angedeutet, dass ich sehr wohl tiefer in manche Angelegenheiten hinsichtlich der Beziehungen zwischen Juden und Nazis eingedrungen bin, als mancher.

Will sagen, nach Deiner Sicht mache es keinen Unterschied, ob ein Terrorregime wie das der Nazis 300.000 oder 6 Mill umgebracht habe.

Doch, es macht einen Unterschied. Dieser verblasst aber gegenueber der Monstrositaet, die Zahl nur deshalb reduzieren zu wollen, um sich dann haemisch grinsend hinstellen zu koennen und zu sagen, der Hunger und der Typhus waren es, und "die waeren nicht gestorben, wenn kein Krieg gewesen und die Allierten ihn nicht gefuehrt haetten". Das ist Zynismus allererster Guete.

Die Konzentrationslager waren nicht zu rechtfertigen, auch nicht, wenn es zur selben Zeit in Russland den GuLag gab und in den USA Japaner und Deutsche interniert wurden. Oder die Briten "dasselbe" Mittel gegen die Buren anwendeten.

Oder soll ich demnaechst jemanden umbringen und dann vor Gericht sagen, der Nachbar sei aber auch oefter mal risikoreich gefahren, und dass Autos fuer Fussgaenger toedlich sein koennten, das wisse man ja?

JEDE Relativierung ist der Anfang auf dem Wege zur Unmenschlichkeit. Was glaubst Du, wievielen "Amis" ich schon persoenlich rhetorisch in die Kniekehle getreten habe wegen Guantanamo. Ich halte JEDEN US-Buerger fuer mitverantwortlich, so wie ich jeden Reichsdeutschen, der nichts unternahm, fuer mitschuldig halte. Man wusste es, denn die Reichsbahn hatte sogar einen eigenen regulaeren Zugfahrplan fuer die Gefangenenwagen.

Eine (Gross-) Tante von mir wusste auch, was abging, und hat sich nicht lumpen lassen, was sie vermutlich das Leben kostete.

Ich wehre mich schon gegen die revisionistische Relativierung, die erst 1939 oder 1941 "ansetzt", statt anzuerkennen, dass das Regime der Nationalsozialisten von vornherein auf die Ausrottung missliebiger Bevoelkerungsteile ausgerichtet war.

Vieles an der revisionistischen "Geschichtsschreibung" sind durchsichtige Ablenkungsmaenoever, um "vergessen" zu lassen, dass ein durchgeknallter ungebildeter Gefreiter einen Weltenbrand entfacht hat, weil er sein angeblich so geliebtes Land in nur fuenf Jahren in die komplette Pleite getrieben hatte. Stattdessen wird seine Sozialpolitik gefeiert. Und das, obwohl der Gefreite, der nicht mal Unteroffizier haette werden koennen (darin aehnlich einem Minister, der auch nur Taxi fahren konnte), durch Raub und "Arisierung" bereits Milliarden eingenommen hatte, die einem anderen, nicht gewalttaetigen Regime nie zur Verfuegung gestanden haetten. Da kann man gut Schecks ausstellen.

Dem möchte ich wiedersprechen: Es macht sehr wohl einen Unterschied! In einem Falle ist das Verbrechen monströs, im anderen Falle auch, doch wäre es gleichzeitig weniger oder gleich monströs wie ein oder mehrere Bombenangriffe der Alliierten!

Nein, so sehe ich das nicht. Der Vorsatz zur Ausrottung aller Juden, derer man habhaft werden konnte, war gegeben, zumindest als bedingter Vorsatz. Das ist das Monstroese. Dass Hitler schlau war, wenig Spuren zu hinterlassen, ist bekannt. Er hat auch stets mindestens zwei "Bevollmaechtigte" eingesetzt mit bewusst unklarem Geschaeftsfeld (vgl. Rosenberg und Bormann, Himmler und Goering u.v.a.m.), um dann im Zweifel immer "es nicht gewesen zu sein". Mut nennt man das nicht und menschlich wertvoll kann ich das auch nicht finden.

Zum Rest: ich bedaure ja, dass man in Auschwitz die Anlagen erst gesprengt und dann (detailgetreu?) wieder (? wieder?) aufgebaut hat.

Die Diskussion zur Frage, was welcher Revisionist wie falsch berichtet hat, ist uferlos. Daher werde ich sie hier nicht fuehren, das ist hier kein historisches Doktorandenseminar. Dass Verfechter des Revisionismus hier immer wieder falsch oder verfaelschend uebersetzen oder verkuerzte Zitate bringen muessen, um ihre Thesen zu stuetzen, laesst allein schon tief blicken.

Wie soll man, das geht nicht gegen Dich, mit Leuten diskutieren, die die Quellen, von denen Du sprachst, weder in den Originalsprachen verstehen, noch eine Uebersetzung vollstaendig lesen koennen?

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