Du idealisierst das Leben – das Leben ist aber nicht ideal, sondern dualistisch

Zarathustra, Donnerstag, 03.09.2015, 10:07 (vor 3796 Tagen) @ Hinterbänkler5154 Views
bearbeitet von Zarathustra, Donnerstag, 03.09.2015, 10:12

Z. B. Sex als Tauschware gegen einen Anteil an der Jagd ist absurde
Flintonization (Hineinlegen von unseren Vorstellungen in die Steinzeit),
wie die Autoren von 'Sex at Dawn' (öfter hier im Gelben empfohlen)
darlegten.
Alles zu teilen war selbstverständlich, einfach eine Lust.
Ohne irgendjemandem irgendwas zu versprechen.
So wie heute in allen Dingen der debitistische Geist und die einhergehende
Unlust vorherrschen.
Übrigens auch häufig in der 'liebevollen Kleinfamilie'.

Ich suche für mich, wo die Lebenslust liegt.
Der Spur gehe ich nach.
Wo Verpflichtung liegt, verstehe ich bereits [[zwinker]]

Mir scheint, lieber Hinterbänkler, Du idealisierst das Leben! Das Leben ist aber nicht ideal, sondern dualistisch. Der natürliche Gegenpol von Lust ist Unlust. Beides gehört zum Leben. Wenn Du einer Forderung nicht nachkommst (nachkommen konntest), wirst Du als gesunder Mensch Unlust verspüren, und darauf folgend wiederum eine Lust zur Wiedergutmachung. Forderung und Verpflichtung sind für mich eindeutig Ur-Meme, bzw. Ur-Gefühle.
Wenn Du sagst, jede Aktion ist ein Akt der Lust, dann kann ich gerade so gut das Gegenteil postulieren: Jede Aktion, jede Bewegung ist ein Akt der Unlust, einer Unlust, im aktuellen Zustand zu verharren. Jede Bewegung ist eine Folge der Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation, aus der man sich befreien will. Man befindet sich somit pausenlos und immer wieder von neuem (ohne Ende bis zum Ende) in einem negativen Zustand der Unlust, aus dem man mit Lust entkommen will. Oder nach Schopenhauer:


"...das menschliche Daseyn, weit entfernt den Charakter eines Geschenks zu tragen, hat ganz und gar den einer kontrahirten Schuld. Die Einforderung derselben erscheint in Gestalt der, durch jenes Daseyn gesetzten, dringenden Bedürfnisse, quälenden Wünsche und endlosen Noth. Auf Abzahlung dieser Schuld wird, in der Regel, die ganze Lebenszeit verwendet: doch sind damit erst die Zinsen getilgt. Die Kapitalabzahlung geschieht durch den Tod."

Ich suche für mich, wo die Lebenslust liegt.
Der Spur gehe ich nach.
Wo Verpflichtung liegt, verstehe ich bereits

Suchst und strebst Du aus Lust oder aus Unlust?

Wieder Schopenhauer:

Aus der Nacht der Bewußtlosigkeit zum Leben erwacht findet der Wille sich als Individuum, in einer end- und gränzenlosen Welt, unter zahllosen Individuen, alle strebend, leidend, irrend; und wie durch einen bangen Traum eilt er zurück zur alten Bewußtlosigkeit. – Bis dahin jedoch sind seine Wünsche gränzenlos, seine Ansprüche unerschöpflich, und jeder befriedigte Wunsch gebiert einen neuen. Keine auf der Welt mögliche Befriedigung könnte hinreichen, sein Verlangen zu stillen, seinem Begehren ein endliches Ziel zu setzen und den bodenlosen Abgrund seines Herzens auszufüllen. (...)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-welt-als-wille-und-vorstellung-zweiter-band-7745/47

Beste Grüsse, Zara


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