Vom Gläubiger oder Aktionär
Was Dir natürlich keine ausreichende Antwort sein wird.
Ganz isoliert und am einfachen Beispiel betrachtet:
Ein Bauer sucht Leute, die ihm beim Säen helfen. Als Gegenleistung verspricht
er einen Ernteanteil.
Schon nur, dass dieses simple Beispiel funktioniert, ist ein recht komplexes
Gesellschaftsmodell nötig. @dottore/PCM hat sich ja sehr tief damit befasst.
Um zu zeigen, wie hochkomplex das Beispiel oben, das noch völlig ohne Geld
funktioniert ist, ein paar Fragen:
- wieso verfügt der Bauer über Land und Saatgut? (Besitz oder bereits Eigentum?)
- wie wird sich ein Ernteausfall auswirken (Fremd- oder Eigenkapital?)
- mündliche oder schriftliche Vereinbarung?
- falls schriftlich, ist die Vereinbarung übertragbar?
Die Klassische Theorie, sprich, das was Debitisten Tauschtheorie nennen, würde das Beispiel
oben völlig anders betrachten, es würden lediglich die Tauschverhältnisse betrachtet, nicht
aber der Fakt, dass zwei verschiedene Termine vorliegen, an dem der "Leistungsaustausch"
vorgenommen wird. Es liegt bereits eine Fristentransformation vor. Damit muss sich der Debitismus
zwangsweise damit befassen, was diese Fristentransformation ermöglicht.
Man landet dann hier:
http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/Macht-der_Staat-Eigentum.htm
Aber damit sind wir von der ursprünglichen Frage bereits zu weit weg. Wer kein VWL-Studium hinter sich
hat, dem mag das alles banal erscheinen, doch die überwiegende Mehrheit der VWLer geht nun halt vom
Tauschmodell aus und versucht "die Wirtschaft" dadurch zu verstehen, dass die verschiedenen Tauschverhältnisse
betrachtet werden, während Debitisten sich darauf fokussieren, dass immer wieder irgendwas auf Termin
geleistet werden muss (und dies nur längerfristig funktionieren kann, wenn Nichtleistung sanktioniert wird), eben,
die Vorfinanzierung der Produktion.
Der Erkenntnisgewinn der Debitisten ist aber, und dies ist entscheidend, dass sobald sowas wie ein Geld-Nominal
ins Spiel kommt, die aus der Produktion erschaffene Liquidität nicht ausreichen kann, um die Produktionskosten noch
in derselben Periode zu tilgen (Zins/Gewinn, also die "Vorfinanzierungskosten", fehlt). Damit ist ein immanenter
deflationärer Druck vorhanden.
Noch wichtiger aber ist, dass es keinen Gleichgewichtspunkt zwischen Angebot und Nachfrage geben kann, in dem
es eine Markträumung geben könnte. Jedes VWL-Studium beginnt mit einem Diagramm, wo sich Angebot und Nachfrage
schneiden und so einen Gleichgewichtspunkt erzeugen...