Zweite Einkommensquelle?
Hallo Zara,
hierzu:
Der kapitalistische Kollektivismus unterscheidet
sich vom feudalistischen dadurch, dass der Obereigentümer (Staat)
dem
Untereigentümer gegen Schutzgeldzahlung Privateigentum erlaubt und
garantiert. Privateigentum ermöglicht,
Erstens: Eigentum ist ein Rechtsinstitut, dass es schon sehr lange
gibt,
und auch in Gesellschaften, die wir heute als Feudalgesellschaften
bezeichnen.
Von allem gibt es Mischformen. Aber in der Reinform ist es nun einmal so.Wiewohl es stimmt, dass nur Menschen über das bloße Produzieren
hinausgelangen, das auch Bienen und Bieber beherrschen, so tun
es doch nur solche Mitglieder der Gattung, die zusätzlich zum
Besitz auch Eigentum haben. Es ist die Zweiteilung der Realität
in die physische Welt des Besitzes sowie die nicht-physische Welt
der Eigentumstitel, die nicht nur eine, sondern zwei Einkommensquellen zur
Verfügung stellt. Dieses Duo sorgt für die massive Überlegenheit der
Eigentumsgesellschaften über die Stammesgemeinschaften und die
Befehlsysteme Feudalismus und Kommunismus, die mit bloßem Besitz auskommen
müssen.
Diese hier aufgeführte „Überlegenheit“ rüht aus der höheren Produktivität in der so bezeichneten „Eigentumsgesellschaft“, und „besitzen“ kann man Dinge, die zuvor produziert wurden, wie auch Dinge, die selbst Dinge produzieren (Produktionsmittel). Wo es keine Produktivität gibt, da gibt es also auch keinen Besitz – keinen nennenswerten. Mitnichten hat sich also das Eigentum bloß zu dem Besitz dazu-gesellt, wie es Heinsohn darstellt – als „zweite Einkommensquelle“ gar noch.
So bedeutet die hier angesprochene Stammesgesellschaft auch ein sozialistisches System, und Sozialismus bedeutet, dass die Produktionsmittel verstaatlicht sind – woraus sich im Widerspruch zu Heinsohn die Abwesenheit des Besitzes erneut ableitet. Eigentum basiert auf einem starken Besitzrecht, und Eigentumsrechte erklären sich vollständig aus der Veräußerung von Besitzrechten. Heinsohns zusätzliche Einnahmequelle mutet geradezu absurd an. Zu wessen Lasten geht denn das zusätzliche Einkommen? Macht wohl aber nichts, denn wer auch immer das ist, der hat jetzt bestimmt auch zwei Einkommensquellen?!
Viel mehr als die angebliche Erfindung des Eigentums ist es wohl die gem. Wikipedia mittelalterliche italienische Innovation der Doppelten Buchführung, welche sich einst über den Erdenrund ausbreitete. Besitz und Eigentum mag es im Prinzip schon zuvor gegeben haben, aber halt nur in dem beschränkten Maße, wie sich solches ohne dieses Koordinationssystem überhaupt bilden kann.
Heinsohn
Unverkennbar …
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In diesem Rahmen habe ich nun auch deiner vorangegangenen Feststellung über den „Kollektivismus“ zu widersprechen, lieber Zarathustra, welche dein Heinsohn- Zitat beweisen sollte.
„Debitismus ist die Beschreibung des … Kollektivismus im allgemeinen und des Kapitalismus im besonderen.“
Nein, die von dir favorisierte Stammesgesellschaft bedeutet zweifellos selbst den wirtschaftlichen Sozialismus in dem das kollektivistische Element überwiegt. Der Begriff „Eigentumsgesellschaft“ deutet selbst aber auf dessen genaues Gegenteil, nämlich auf das Individuelle Element. Im BRD-Grundgesetz hat man zwar noch geschrieben, dass Eigentum verpflichten würde, hat aber leider vergessen auch in einer konkret fassbaren Form zu schreiben wozu denn eigentlich. Da somit Eigentum faktisch zu nichts verpflichtet, ist dieses nun erst recht Ausdruck des Nicht-Kollektivistischem. Sollte also die Bezeichnung „Eigentumsgesellschaft“ treffend sein, dann im klaren Widerspruch zu den von dir diagnostizierten „Kollektivismus“. Eine diesbezügliche Irritation wäre wohl noch durch den Hinweis aufzulösen, dass „Eigentumsgesellschaft“ natürlich nicht heißt, dass deshalb jeder Einzelne auch Eigentum hätte – so wie es sich vielleicht fälschlich anhört.
Grüsse, Zara
Schöne Grüße
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... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...