cum grano salis

Vanitas, Freitag, 12.02.2016, 21:45 (vor 3648 Tagen) @ Mercury6299 Views
bearbeitet von Vanitas, Freitag, 12.02.2016, 21:52

Vielleicht habe ich ja deine Neugierde geweckt. Und sei es nur, weil "vom
Feind lernen heißt, siegen lernen".


Hallo Mercury,

meine Neugierde auf die Frankfurter Schule ist über die Jahre meiner universitären Ausbildung in den längst vergangenen Siebzigern schon asymptotisch der Nulllinie entgegen gestrebt, nachdem ich etliche durch Linksaktivisten gesprengte Pädagogik-Proseminare erlebt habe, in denen ich statt vernünftige Basisfachwissenschaft zu rezipieren dann so Themen wie "Die Trinität von Privateigentum, Kapitalismus und autoritärem Charakter" nebst schnellhektokopiertem Wisch über mich ergehen lassen musste ...[[zwinker]]

Daher lässt mich dieses ganze Marxsche Geschwurbel ziemlich kalt, allerdings nicht seine Intention und larvierte Zielrichtung, die mit Sicherheit nicht dem Allgemeinwohl der Arbeiterklasse gewidmet war, sondern nur einer anderen "kompetenteren" Herdenführung derselben.

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.“
Karl Marx, Thesen über Feuerbach, 1845, in: Marx-Engels-Werke, Band III, S. 535

Damit wären wir beim echten Thema, das auch die Frankfurter Schule umtreibt seit Anbeginn, nämlich alles was tradiert und geschichtlich über Jahrhunderte gewachsen ist in Gesellschaft und Staat als repressiv, autoritär und überholt zu denunzieren und dagegen die "Umwertung aller Werte" als Fortschritt zur ultimativen Freiheit des proletarischen Klassensiegers im dann klassenlosen Nirwana hochzujazzen.

„Der Kommunismus ... schafft die ewigen Wahrheiten ab, er schafft die Religion ab, die Moral, statt sie neu zu gestalten, er widerspricht also allen bisherigen geschichtlichen Entwicklungen.“

Karl Marx, Manifest der Kommunistischen Partei, 1848, in: Marx-Engels-Werke, Band IV, S. 400

Das riecht ganz nach einer diabolischen Strategie der ewigen Veränderung und merkurischen [[zwinker]] Umtriebigkeit hin zu einem bindungslosen, entwurzelten "Weltbürger", den im Gegensatz zu den "echten" Internationalisten keine religiös-ethnische Bindung mehr "belastet".

Diese Werte-Dichotomie hat ja durchaus ersatzreligiöse Züge, wiewohl die tradierten Werte zu Rasse, Volk und Religion gerade bei den eifrigsten Frankfurter Predigern für ihre eigene jüdische Volksgruppe nicht hoch genug im Kurs stehen können, klassischer Doppelstandard also:

Wie Wiggershaus in seiner Untersuchung zur Frankfurter Schule hervorhebt, arbeiteten Horkheimer, Adorno folgende Merkmale des faschistischen Charakters heraus: Eine starre Bindung an herrschende Werte, in erster Linie konventionelle Mittelschichten-Werte wie äußerlich korrektes und unauffälliges Benehmen und Aussehen, Tüchtigkeit, Sauberkeit, Erfolg bei gleichzeitiger menschenverachtender pessimistischer Anthropologie, der Bereitschaft, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben und überall sexuelle Ausschweifungen zu wittern; ein ausgeprägt hierarchisches Denken und Empfinden mit Unterwerfung unter idealisierte Autoritäten der Eigengruppe und Verachtung für Außengruppen und alles Abweichende, Diskriminierte, Schwache; Abwehr von Selbstreflexion, Sensibilität und Phantasie, bei gleichzeitiger Neigung zu Aberglauben und stereotyper Fehl-Wahrnehmung der Realität

Etliche wichtige "deutsche Werte" wie Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit, Geradlinigkeit, Hilfsbereitschaft, Duldungsfähigkeit, christlicher Bekennermut fehlen natürlich, da im großen Diskurs obsolet, dagegen wird natürlich die ganze Bandbreite an Aberrationen genüsslich abgearbeitet und mit den Sturmgeschützen der Freudschen Psychoanalyse zum selbstentwurzelten Charakterbrei zusammengeschossen. Aus den Trümmern der deutschen Seele kann man dann ja etwas Besseres oder Passenderes zusammenzimmern im Sinne der befähigten Konstrukteure ...

Das ist ja auch das erklärte Ziel der "Kritischen Theorie":

Sie gibt dem blinden Zusammenwirken der Einzeltätigkeiten vernünftige Zielsetzungen
und treibt zur Transformation des gesellschaftlichen Ganzen; ihr Sinn besteht nicht in der Reproduktion der gegenwärtigen Gesellschaft, sondern in ihrer Veränderung zum Richtigen.

Und was "richtig" ist, darüber haben dann die Sachwalter der kritischen Theorie und ihre Adepten zu befinden ...

Tut mir leid, aber dieses selbstreferenzielle, gesellschaftliche Metadenken der sog. "Kritischen Theorie" kann ich vielleicht auch inzwischen altersbedingt nur noch als anmaßend und abstoßend empfinden, wiewohl man natürlich des Öfteren mal über seine Intentionen, Wünsche und daraus resultierende Handlungen nachdenken sollte. Aber wer macht das denn nicht, vor allem, wenn sich das Gewissen meldet? Stop, sowas gibt's nicht in der reinen Lehre, heißt ja auch ganz prosaisch nur noch Über-Ich ...
Und nicht jeder hat sowas in der Soziopathen- und Psychopathen-Arena ganz oben oder aber seine Seele schon längst dem Teufel verkauft für Macht, Geld und Ansehen.

Übrigens hat der Professor Kevin MacDonald die Widersprüche und verdeckten Angriffe auf das tradierte Wertegefüge durch die Frankfurter Schule sehr gut hier ausgearbeitet (S. 205 ff.):

https://schwertasblog.files.wordpress.com/2013/01/die_kultur_der_kritik.pdf

Das hat mich vollumfänglich bestätigt in meiner Ansicht. Aber wie Du schon schriebst, werter Mercury, siehe ganz oben ... [[hüpf]]

Dennoch und gerade deshalb Danke für Dein Posting!


Gruß Vanitas


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