Wenn man sich "outet" bekommt man Antworten! Aber auch Hinweise!Nicht alles als "Beschimpfung" abtun,trotz des Tons!
Das von Dir, Blue, geschilderte „Schicksal“ hat nicht wenige Menschen der 68-iger und Nach-68-Jahre „erwischt“.
Nicht, weil es besonders tragisch war (es gibt sehr viel tragischere Schicksale, die sehr anders verarbeitet werden), sondern weil es dem Zeitgeist geschuldet ist. Und allzu viele Menschen sind darauf hereingefallen. Aber das ist wohl immer so.
Ein Teil des Dramas liegt darin, dass in der westlichen Welt der nahezu religiöse „Schuldkult“ in die persönliche Vergangenheit eines jeden Individuums verfrachtet wurde. Die „Eltern“ haben „Fehler“ gemacht... und deshalb...... - Aber nicht nur die Eltern wurden „schuldig“ gesprochen! Auch die Gesellschaft, die Umwelt, die Umgebung, die tragischen Ereignisse, denen der „arme“ Mensch ausgesetzt war, wurden zu einer Art „Kult“ erhoben.
ES wirkt aber LEIDER wie eine permanente, unaufhörliche Selbsthypnose!
Man suggeriert nämlich, dass der Einzelne NICHT verantwortlich sei.
JEDER Mensch (was auch immer ihm geschehen sein mag) IST verantwortlich für sein LEBEN und seine HANDLUNGEN!
Im Grunde ist es gleich, ob die persönliche Verantwortung an einen weltlichen Führer, einen religiösen Führer oder an eine durch ELTERNSCHULD beladene Vergangenheit abgegeben wird!
Therapeutenfähigkeiten unterliegen auch der Gaußschen Normalverteilung. Es gibt wenig Therapeuten, die nicht dem ZEITGEIST anheimfallen! Wenn der Zeitgeist und die therapeutischen Paradigma bestimmte „Werte“ vorgeben, dann wird das von der Mehrheit relativ unkritisch akzeptiert. - Früher war es die Kirche! Heute haben Therapeuten (meist gut bezahlt und wenig kontrolliert) die Rolle der Pfarrer übernommen. Auch dort ist glücklicherweise ein Aufbruch und ein Umdenken im Gange. ABER es geht in nicht geringem Maße um „Pfründe“ und die Bereitschaft, die eigenen Pfründe zu verteidigen wird sehr hoch sein.
Neue Therapieformen basieren darauf, dass sie dem „Klienten“ (nicht Patienten) die Verantwortung zurück geben! Schmerzliche Erlebnisse in der Vergangenheit und der Gegenwart sind emotional belastend, das weiß jeder. Aber sie gehören zum Leben! Sie sind nichts Besonderes und sie ereignen sich in unendlich vielen Leben, ohne dass die Menschen sich daran „festhalten“ können. Die Anforderung an jedes Individuum ist, sich mit den „Ereignissen“ der eigenen Geschichte auszusöhnen! Man muß nicht alle Menschen und alle handelnden Personen lieben, aber wenn man an der Vergangenheit „kleben“ bleibt, dann verspielt man die Zukunft von sich selbst und den Menschen, die man liebt und von denen man geliebt wird.
Leider wird in der Psychoanalyse das sogenannte Trauma oft ersetzt durch eine neue Verhaltensauffälligkeit: Die beständige Rationalisierung WARUM das eigene Leben so verlaufen ist. Dabei wird den Umständen und ANDEREN handelnden Personen die wesentliche Verantwortung „übergeben“. Das mag bisweilen erleichternd sein, aber DAS macht abhängig! Etliche dieser Therapien bringen keine Änderungen, sondern nur ein „Verständnis“ WARUM.
Wer VERÄNDERUNGEN sucht, sollte sich mit anderen Therapieformen beschäftigen. Eine erwachsene Frau, die sich kokettierend als „böse“ bezeichnet (und dieser Zuschreibung möglicherweise auch noch selbst emotional verfallen ist), präsentiert sich so, als habe sie leider das Wichtigste aus den Augen verloren! Das Individuum ist IMMER auch selbst verantwortlich. Die von Frau Merkel so bestimmt vorgetragene „Alternativelosigkeit“ von Situationen ist in der Realität zumeist eine Illusion! Man prüfe eine beliebige Entscheidungssituation einmal daraufhin, WIE VIELE verschiedene Möglichkeiten der Entscheidung man tatsächlich hat! Es mögen nicht alle alternativen Entscheidungen verlockend sein, aber sie sind VORHANDEN!
Es gibt systemische Ansätze der Ericksonschen Hypnotherapie, die sehr konstruktiv „Veränderungen“ in Gang setzen. Wer sich dafür interessiert, der kann sich mit den Arbeiten von Gunther Schmidt beschäftigen. Er mißhandelt die deutsche Sprache zwar oft auf eine Art und Weise, die mir den Magen umdreht, ABER er hat etwas zu sagen! Es geht um „Veränderungen“, die möglich gemacht werden sollen, nicht darum, die Lebensgeschichte und vorhandene Traumata auswendig herunterbeten zu können. Eine Kenntnis der gesamten Lebensgeschichte ist für eine erfolgreiche „Intervention“ absolut nicht zwingend erforderlich! Sie kann hilfreich sein, aber zwingend erforderlich ist sie weder für den Klienten noch für den „Therapeuten/Berater“. Aber Vorsicht: Sobald daraus „mundgerechte“ Rezepte gemacht werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es „schief“ geht. - Und nicht vergessen: Auch ein Klient sollte sorgfältig auswählen, mit WEM er arbeitet und sollte sich die „Lebensumstände“ seines „Beraters“ anschauen. Warum? Nun, die werden einigen Einfluß darauf haben, wie er arbeitet und welche Paradigmen er/sie vertritt. - Vielleicht sollte man sich sogar zu der Überlegung hinreißen lassen, dass man eine „Beratung“ wählt und diese selbst bezahlt! DANN kann man nämlich auch den „Berater“ auswählen! Da es sich zumeist um sogenannte „Kurzinterventionen“ handelt (im Gegensatz zu Langzeit-Therapien), halten sich auch die Kosten „im Rahmen“. - „Therapeuten“ und „Berater“ egal welcher Couleur sind weder allwissend, noch fehlerlos, noch schaffen sie es alle immer, ihr eigenes Leben „wie im Bilderbuch“ zu gestalten. Aber in vielen Fällen können sie helfen und unterstützen. Die Verantwortung jedoch sollte man in diesem „Prozess“ niemals aus der Hand geben. Ziele setzen, Erfolge regelmäßig kontrollieren, keine „Wunder“ erwarten und sich auf „Arbeit“ einstellen.
Immerhin bietet DIESE Gesellschaft sehr viele Möglichkeiten, das eigene Leben in die eigene Hand zu nehmen!
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