SInn des Lebens?
Kinder machen Dreck, den Eltern Sorgen und graue Haare, ausserdem schränken sie ein und kosten Geld, bringen später Freunde und Partner heim, die man womöglich nicht mag - wirft man einen Blick auf unsere Zeiten und wie es womöglich noch werden wird, dann lässt man das ganze Thema am besten garnicht an sich heran, da man später eventuell vorgehalten bekommt, unverantwortlich gehandelt zu haben.
So kann man das Thema "Nachwuchs" betrachten und in etlichen weiteren Schattierungen...
Genau so habe ich das Thema auch zwischen meinem 20. und 35. Lebensjahr betrachtet.
Kinder anderer Leute haben mich genervt; das Gebrabbel, der ganze Dreck den sie erzeugen, die Heulerei wegen offensichtlicher Nichtigkeiten - einfach nur grauenhaft!
Und irgenwann begann ich anders zu denken, insbesondere über mich und die Tatsache, daß auch meine Lebenszeit nicht unbegrenzt ist. Wir sind alle nur Gast auf Erden, sammeln unser Leben lang kleinere oder größere Reichtümer an, ob es nun materieller oder finanzieller Wohlstand ist, oder Erfahrungen. Wir erfüllen uns Träume und Wünsche, tun etwas für "uns" und am Lebensabend blicken wir darauf und hätten vielleicht noch gerne etwas mehr Zeit - aber die gibt es nicht und das letzte Hemd hat keine Taschen. Im schlimmsten Fall dämmert man in einem Pflegeheim dem Tod entgegen und hat niemanden mehr, der einen kennt oder besucht.
Ewiges Leben, sich einfrieren lassen für viel Geld und irgendwann dank der Medizin im Traumalter von 20 Jahren wieder aufwachen dürfen - manche hätten das gerne, aber es funktioniert (noch) nicht. Und selbst wenn? Nochmals leben, reicht es nicht einmal "erfüllt" zu leben, ohne überzogene Ziele?
Ich habe meine Freunde und Bekannten erlebt, als sie ihre ersten Kinder bekamen und ich erfuhr deren Freuden und Leiden mit den kleinen Würmchen - auch meine Freundin wollte eine Entscheidung von mir, wie es mit uns in Sachen Nachwuchs weiter geht. Ja, wir gerieten in eine kleine Krise darüber. Ich schilderte ihr meine Bedenken, meine Sorgen - ich dachte an meine eigene, schwere Kindheit, meinen grauenhaften Vater, der eigentlich nie eine Familie wollte und ein gewalttätiger Trinker war. Zu meiner Kindheit war der Kalte Krieg noch ein Thema, in meiner Jugend erlebte auch ich Tschernobyl und ahnte durchaus was das bedeutet; gewiss nicht vollumfänglich, aber mit Spielen im Garten war damals erst einmal nichts mehr.
Dennoch hatten sich damals meine Eltern für mich Entschieden und auch recht gut und ohne nennenswerten Rückschläge bis zur Volljährigkeit erzogen. Dennoch hatte ich Vorbehalte selbst in die Elternrolle zu schlüpfen und mir das Thema "Kind" anzutun; es wollte mir nicht in den Kopf.
Mir war es auch zu viel mich mit den Kindern von Freunden oder Bekannten zu beschäftigen, um eine andere Meinung über Kinder zu gewinnen, aber schweren Herzens wollte ich guten Willen zeigen und nahm mir vor mich mit diesem Thema irgendwie zu bechäftigen - unkonventionell, so wie ich an viel Dinge heran gehe...
Langsam begann ich bei Einkäufen in Supermärken die Kinder anderer Leute anzuschauen, sie anzugrinsen und hatte irgendwann doch tatsächlich Gefallen daran, wenn sie herzlich zurück grinsten. Kleine Menschen, die sich freuen - irgendwie niedlich! Gibt es ein ehrlicheres Lächeln, als das von Kindern?
Irgendwann war für mich die Entscheidung gefallen: Ohne Kind(er) bleibt von uns nichts und nur mit Kindern wird doch das eigene Leben vollkommen, auch wenn es viel Kraft, Nerven, Zeit und Aufwand kostet.
Wir haben es gewagt, wir haben uns auf das Abenteuer schlussendlich eingelassen und es hat spontan funktioniert. Ich ging zu fast jeder Untersuchung mit, bestaunte die Ultraschallbilder und durchtrennte bei der Geburt die Nabelschnur meiner Tochter. Wider alle Erwartungen überstand ich die Geburt ohne Schwierigkeiten und half bei der Geburt tüchtig mit
" /> Meine Freundin war begeistert und sie fühlte sich keinen Moment von mir im Stich gelassen, was auch mir gut tat, denn als Partner kann man sich trotz allem nur bedingt einbringen. Unsere Tochter kam gesund zur Welt, entwickelt sich prächtig und wenn wir sie ansehen, dann erkennen wir uns beide in ihr.
Auch wenn es nun etwas hochtrabend klingen mag, sind wir uns sicher, daß am Ende unseres Lebens (was hoffentlich noch lange dauern wird) etwas von uns bleibt, etwas lebendiges, jemand, der sich an uns erinnern wird. Bis es soweit ist, hoffen wir unserer Tochter alles vermitteln zu können, was notwendig ist um ein sinnerfülltes, glückliches und zufriedenes Leben zu führen - und ihr ebenso klar zu machen, dass es Dinge gibt, auf die man wenig Einfluss hat, dies aber nicht immer ein Grund ist verzweifelt oder unzufrieden zu sein.
Ebenso werden wir ihr klar machen, dass sie nichts besonderes ist, nur ein Mensch unter Milliarden anderen, aber dass sie für uns immer etwas ganz besonderes sein wird.
Alles andere wird irgendwann in ihren Händen liegen und ihre Entscheidung sein.
Gruss, Fairlane